Sabine Lisicki scheiterte im Finale von Wimbledon an Marion Bartoli © imago

Viel Druck, kaum Matchpraxis, aber das berühmte Lächeln auf den Lippen: Sabine Lisicki steht vor den US Open im Rampenlicht.

New York - Wenn am heutigen Samstag Michelle Obama über die Anlage von Flushing Meadows schlendert, wird vielleicht auch Sabine Lisicki einen neugierigen Blick auf die First Lady riskieren.

Die Frau von US-Präsident Barack Obama hat sich zwei Tage vor Beginn der US Open in New York (ab Mo. im LIVE-TICKER) angesagt, um Kinder und Erwachsene zum Tennisspielen zu animieren.

Am Wochenende muss Lisicki die große Bühne im Arthur-Ashe-Stadium also noch dem hohen Besuch aus Washington überlassen. Ab Montag aber gehört die 23-Jährige zu denjenigen, die beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres im Blickpunkt stehen werden.

Lisicki im Rampenlicht

Mit ihrer Finalteilnahme in Wimbledon Anfang Juli hat sich Lisicki endgültig ins Rampenlicht gespielt. Und die Nummer 18 des Rankings registriert seitdem täglich die Folgen ihres Durchbruchs im Tennis-Mekka.

"Es ist unglaublich! Egal, wo ich hingehe, erkennen mich die Leute. Das ist etwas Neues, und daran muss man sich auch erst gewöhnen", sagte Lisicki der "Sport Bild".

Ihre Final-Niederlage hat sie offenbar noch nicht verarbeitet, so habe sie es noch nicht übers Herz gebracht, das Endspiel auf Video zu analysieren. "Es tut mir noch zu weh. Ich will das nicht noch mal sehen", sagte Lisicki dem "Focus".

Lächelnd zum Sieg

Der Druck auf die so oft Lächelnde ist spürbar gestiegen. Parallel dazu auch das Vertrauen in ihre Stärken.

Der frühere Wimbledonsieger Michael Stich traut der Bollettieri-Schülerin jedenfalls den großen Coup zu.

"Wenn sich Sabine weiterentwickelt, noch mehr lernt und sich verbessert, kann sie ohne Frage die US Open gewinnen", sagte Stich.

Rittner hat ein gutes Gefühl

Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner glaubt, dass die Berlinerin gut mit der neuen Erwartungshaltung umgehen wird.

"Ich habe irgendwie das Gefühl, dass Sabine ein starkes Turnier spielen wird. Sie wird sich auf der Bühne in New York reinkämpfen", sagte Rittner.

Ein bisschen Sorge bereitet der 40-Jährigen allerdings die Tatsache, dass Lisicki seit ihrem Coup von London erst drei Partien auf Hartplatz bestritten hat. Einem Sieg stehen zwei frühe Niederlagen gegenüber.

"Natürlich hat sie wenig Matchpraxis. Aber Sabine hat so viel Qualitäten, die mich optimistisch stimmen", meinte Rittner, die Lisicki einst augenzwinkernd als "Rampensau" bezeichnet hatte.

Masters als Ziel

Positiv ist, dass die deutsche Nummer zwei hinter Angelique Kerber (Kiel) bei den US Open quasi keine Punkte zu verteidigen hat.

Im vergangenen Jahr war Lisicki bereits in der ersten Runde gescheitert. "Ich kann viele neue Punkte holen. Mein Ziel ist die zweite Turnierwoche", sagte die 23-Jährige, die in diesem Jahr außerdem ein ganz besonderes Ziel im Auge hat:

Die Teilnahme am Masters der besten acht Spielerinnen Ende Oktober in Istanbul. Momentan hat sie im relevanten "Race to Istanbul" nur 404 Zähler Rückstand auf die Nummer neun Jelena Jankovic.

An der Serbin muss sich die Wimbledon-Finalistin orientieren, da die Siebte Marion Bartoli (Frankreich) inzwischen ihren Rücktritt erklärt hat, in der Rangliste aber offiziell noch geführt wird.

Schlechte Erinnerungen an Corona Park

Lisicki steht im Corona Park, in dem sie in der ersten Runde auf eine Qualifikantin trifft, vor einer besonderen Bewährungsprobe.

Ausgerechnet dort, wo sie 2009 in einem Rollstuhl vom Court gebracht werden musste, nachdem sie im Zweitrunden-Match gegen Anastasia Rodionova beim Matchball der Australierin umgeknickt war.

Ausgerechnet dort, wo "Bum Bum Bine" bislang noch nie über das Achtelfinale hinausgekommen ist.

Wimbledon-Erfolg wirkt nach

Aus der Pechmarie von einst, die auch bei den French Open schon mal mit einer Trage vom Platz gebracht wurde, ist inzwischen aber scheinbar eine Goldmarie geworden.

Seit dem Sprung ins Wimbledon-Endspiel hat Lisicki rund 50 Anfragen von potenziellen Sponsoren bekommen.

Nach ihrer Rückkehr aus London hatte die neue deutsche Tennis-Heldin an zwei Tagen insgesamt 23 Einzel-Interviews gegeben und in einer live übertragenen Pressekonferenz erklärt, dass der Tennis-Thron ihr Ziel sei.

"Bum Bum Bine" im TV

Vielleicht ist es ein gutes Omen, dass auch nach dem letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres insgesamt vier Tage für Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland eingeplant sind.

Ihr Auftritt in der neuen RTL-Show "Die Zwei" mit Günther Jauch und Thomas Gottschalk steht bereits fest.

Vielleicht wird Lisicki dann von der Begegnung mit einer First Lady in New York erzählen können.

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