Roger Federer gewann die US Open von 2004 an fünfmal in Folge - seither nicht mehr © getty

Sein Seuchenjahr hinterlässt Spuren bei "FedEx", der aber nach der jüngsten Schlacht gegen Nadal wieder an Wunder glaubt.

Von Alexandra Seibold

München - Vor den US Open (ab Mo., 17 Uhr im LIVE-TICKER) befindet sich Roger Federer im Zwiespalt der Gefühle.

Einerseits kann der Schweizer zuversichtlich sein, denn gegen Rafael Nadal lieferte er im Finale von Cincinnati trotz der Niederlage eine beachtliche Vorstellung ab.

Andererseits hat der 17-fache Grand-Slam-Sieger in dieser Saison permanent Probleme: Mit seinem Schläger, mit seinem Rücken und mit seinem schwindenden Selbstbewusstsein.

Kurz gesagt, es läuft nicht rund beim Schweizer.

"Es fehlt an allem"

"2013 war als Übergangsjahr eingeplant, dass es aber gleich so schlecht wird, damit habe ich nicht gerechnet", gestand Federer im Gespräch mit der "NZZ am Sonntag".

Bei Wimbledon kam der 32-Jährige nicht über die zweite Runde hinaus, und auch nach dem Turnier in London verpasste Federer bei drei Turnieren das Finale. "Es fehlt an allem: Spielpraxis, Fitness, Selbstvertrauen", klagte er.

Doch gerade das sind elementare Faktoren um ein so wichtiges Turnier wie die US Open zu gewinnen.

Zahn der Zeit nagt an Federer

Die Jahre sind eben trotz der vergleichsweise schonenden Spielweise nicht spurlos an "FedEx" vorbeigegangen. Seine Konkurrenten Novak Djokovic (26), Rafael Nadal (27) und Andy Murray (26) sind dagegen noch mitten in den Zwanzigern.

Zu allem Übel wurde er nun auch noch auf Platz sieben in der Setzliste der US Open eingestuft, so schlecht wie seit elf Jahren nicht mehr.

"Dadurch ändert sich für mich nichts", sagte der fünfmalige Turniergewinner trotzig, "es ist egal, ob du unter den Top 4 oder den Top 8 stehst. Das einzige, was zählt, ist, ob du die Nummer eins bist."

Duell mit Nadal stünde im Viertelfinale an

Federer, der in Flushing Meadows zuletzt 2009 im Endspiel stand, könnte nun bereits im Viertelfinale auf Nadal prallen. Noch nie zuvor war es bereits in der Runde der letzten Acht bei einem Major zu diesem Duell der Giganten gekommen.

Aber die verlorene 2:14-Stunden-Schlacht gegen den großen Rivalen in Cincinnati macht Federer wieder Mut.

"Ich kann aus dieser Woche mehr mitnehmen als aus den letzten drei Monaten. Ich bin sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie sich mein Spiel in den letzten Tagen entwickelt hat", sagte das Schweizer Idol nach der Final-Pleite gegen Nadal, "für mich war das ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung."

Ivanisevic setzt auf Federer-Renaissance

Und auch die kroatische Tennis-Legende Goran Ivanisevic macht ihm im Gespräch mit "blick.ch" Mut: "Alle erwarten, dass einer des Trios Djokovic, Nadal oder Murray in New York triumphiert. Aber da ist auch noch ein Mann mit Namen Roger Federer. Alle wollen sagen, er sei am Ende. Ich würde das nie tun."

Ivanisevic geht sogar noch weiter und traut ihm den Titel zu: "Dieser Court ist schneller als jeder andere. Und Federer hat Nadal letzte Woche in Cincinnati viele Probleme bereitet. Wenn er einen guten Kopf hat, kann er jedem Schaden zufügen und das Ding gewinnen."

"Manchmal geschehen Wunder"

Zumindest am Selbstvertrauen hat Federer in den letzten Tagen gearbeitet, denn er weiß selbst, dass "manchmal Wunder geschehen wie letztes Jahr in Wimbledon".

Damals blockierte der Rücken der Rekord-Nummer-1 im Achtelfinale, trotz der Schmerzen kämpfte er sich bis ins Wimbledon-Finale vor, welches er gegen Andy Murray gewann.

Gegen eine Wiederholung dieser Geschichte hätte Federer sicher nichts einzuwenden.

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