Angelique Kerber (l.) ist als Weltranglisten-Zehnte beste Deutsche © getty

Die beiden deutschen Tennishoffnungen Angelique Kerber und Sabine Lisicki haben vor den US Open mit Schwierigkeiten zu kämpfen.

Von Alexandra Seibold und Martin Hoffmann

München - 50 SMS-Nachrichten. 60 E-Mails.

Keine zehn Minuten nach dem Triumph musste Angelique Kerber ihr Handy ausschalten, es waren zu viele der Glückwünsche.

Zwei Jahre nach ihrem Halbfinal-Einzug bei den US Open kehrt die nun 25-Jährige zurück nach Flushing Meadows, an den Ort, an dem sie ihr erstes ganz großes Ausrufezeichen gesetzt hat (ab Mo. im LIVE-TICKER).

Kein Wunder, dass die beste Deutsche auch heute noch davon schwärmt: "Dieses Turnier symbolisiert so etwas wie einen Wendepunkt meiner Karriere. Ich komme immer wieder sehr gerne zurück", sagte sie jüngst im Gespräch mit "ran.de".

Glanzlicht käme gelegen

Es wäre zu viel gesagt, dass Kerber gerade wieder einen Wendepunkt gebrauchen kann. Gelegen käme ihr ein weiteres Glanzlicht in New York aber sehr wohl nach einer durchwachsenen Saison 2013.

Ein Turniersieg blieb in dieser Saison bei der Linkshänderin aus, beim letzten Vorbereitungsturnier in New Haven war gegen Jelena Wesnina im Achtelfinale Schluss.

Vor dem US-Open-Start ist Kerber nur noch Zehnte der Weltrangliste, am Ende des überaus erfolgreichen vergangenen Jahres war es noch Platz fünf.

Verkrampfungen durch den Druck

Die deutsche Nummer eins ist die bei den US Open an Rang acht gesetzte Kerber zwar noch immer. Aber sie hatte sich mehr vorgenommen, einiges mehr. Vielleicht zu viel.

"Ich habe mir die Messlatte am Anfang des Jahres sehr hoch gelegt. Ich wollte einfach noch mehr. Ich habe mir selbst Druck gemacht, obwohl der Druck von außen schon sehr groß war", so Kerber. Verkrampfungserscheinungen seien die Folge gewesen.

Was für Blüten Erwartungen von außen treiben können, hat sie jüngst erlebt, als erboste Internet-Nutzer nach ihrem Zweitrunden-Aus in Wimbledon einen beleidigenden Shitstorm über sie wehen ließen.

Keine konkreten Ziele mehr

Kerber sieht im Nachhinein das Positive. "Durch so etwas wird man auch stärker", hat sie erklärt, auch sonst will sie aus den Fehlern gelernt haben.

Selbstgemachten Erwartungsdruck will sie künftig von sich fernhalten, sich "keine konkreten Ziele wie eine Finalteilnahme mehr setzen".

An sich sei sie ja gerüstet für größte Ziele: "Ich kann es ja, das habe ich letztes Jahr bewiesen. Jetzt fehlt noch das letzte Quäntchen, um den Sprung nach oben zu schaffen."

Lisicki: Erster großer Auftritt nach Wimbledon

Kerber müht sich also, mit dem größeren Druck in den höheren Regionen klarzukommen - eine Aufgabe, die womöglich auch auf Sabine Lisicki zukommt.

Mit dem Finaleinzug in Wimbledon glückte ihr der größte Coup der jüngeren deutschen Tennis-Geschichte, die US Open sind ihr erstes großes Turnier danach.

Bei den kleineren lief es nicht so gut.

Frühe Niederlagen bei Vorbereitungsturnieren

Aber auch für die Strahlefrau läuft es vor den US Open - bei denen sie an Position 16 gesetzt ist - noch nicht rund.

In Cincinnati unterlag sie gleich in Runde eins Jelena Jankovic, in New Haven war wie für Kerber im Achtelfinale Schluss, 5:7, 3:6 gegen Anastasia Pawljutschenkowa.

Überbewerten muss man die Niederlage nicht: Lisicki fehlt die Spielpraxis auf dem Hartplatz, nachdem sie wegen einer Handgelenkverletzung pausieren musste.

Kerber hofft auf Lisicki-Hoch

Nichtsdestotrotz: Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner ist sicher, "dass Sabine in Flushing Meadows gut spielen wird".

Kerber käme das zupass. Es tue ihr gut, "wenn der Druck nicht nur auf mir lastet. Durch Sabines Erfolg verteilt es sich auf mehrere Schultern."

Eine starke Lisicki würde also auch helfen, Kerber wieder stark zu machen. Auf dass ihr Handy wieder vor Glückwünschen glüht - und nicht vor Beleidigungen.

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