Tommy Haas stand viermal im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers © getty

Für Tommy Haas sind die US Open "das geilste Turnier der Welt". Erinnerungen und räumliche Nähe sollen zum Trumpf werden.

Von Eric Böhm

München - Für ihn ist es schlicht "das geilste Turnier der Welt": Tommy Haas tritt zum 16. Mal bei den US Open an und genießt jede Sekunde.

Der letzte Grand Slam des Jahres hat für den Wahl-Amerikaner schon immer den größten Wohlfühl-Faktor und liegt gemessen in Tennis-Zirkus-Entfernung auch nur einen Katzensprung von seinem Lebensmittelpunkt Bradenton/Florida entfernt.

"New York ist seit Beginn meiner Karriere ein besonderes Turnier für mich. Ich bin hier sehr gern und habe schöne Erinnerungen", sagt der 35-Jährige.

Mit der U-Bahn ins Stadion

Vor 17 Jahren quälte sich Teenager Tommy noch durch die Qualifikation und reiste zu seinem Erstrunden-Aus gegen Michael Stich noch mit der U-Bahn an.

Inzwischen gehört er zu den alten Haudegen, hat unzählige Comebacks auf der ATP-Tour hingelegt und ist 2013 die mehr als beachtliche Nummer zwölf der Setzliste.

Zudem ist der scheinbar ewige Sunnyboy mit der stilistisch hochwertigen einhändigen Rückhand mittlerweile bei praktisch jedem Auftritt Publikumsliebling.

In der Wahlheimat gefeiert

Vor allem die Amerikaner mögen schließlich nichts mehr als einen Helden, der nach noch so vielen Rückschlägen - bei Haas meist Verletzungen - strahlend wiederaufersteht.

Seit 2010 hat er auch die US-Staatsbürgerschaft, spätestens beim Turniersieg in München war jedoch zu sehen, dass Haas bei den heimischen Fans nicht von seiner Popularität eingebüßt hat.

In seinem Alter schaut Haas bei den Grand Slams nur noch "von Runde zu Runde." Der Traum von einem großen Coup schwirrt ihm aber weiter im Kopf herum, warum sollte er sich im Tennis-Rentenalter sonst noch quälen?

Gefürchtetes Chaos

Drei Viertelfinals aus den Jahren 2004, 2006 und 2007 stehen im "Wohnzimmer" Flushing Meadows zu Buche, auf dem Hardcourt werden dem variablen Routinier die besten Chancen eingeräumt.

Dass er das nötige Potenzial immer noch hat bewies der Viertelfinal-Einzug bei den French Open nach dem epischen Fünfsatz-Thriller gegen John Isner in Runde zwei und der Sieg über Novak Djokovic in Miami - sein erster Erfolg über eine aktuelle Nummer eins seit 1999 (Andre Agassi).

Neben der geliebten - und von den meisten Kontrahenten gefürchteten - leicht chaotischen Atmosphäre in der "Stadt, die niemals schläft" könnten aber auch die Regeln Haas helfen.

Durschnaufen vor Turnierstart

Denn im fünften Satz gibt es in New York im Gegensatz zu den anderen Grand Slams einen Tie-Break. Die bei älteren Herrschaften wie Haas gefürchteten extrem langen Marathons gibt es hier nicht.

Im Kampf um den Sieger-Scheck von knapp zwei Millionen Euro ist der 14-malige Sieger auf der ATP-Tour nur Außenseiter, trotzdem überlässt er nichts dem Zufall.

Nach dem knappen Aus in Cincinnati gegen Kumpel Roger Federer sagte Haas den Start in Winston-Salem kurzfristig ab, um kein Verletzungsrisiko mehr einzugehen und frisch in den "Big Apple" zu kommen.

Aber selbst wenn der Traum nicht in Erfüllung geht, Spaß wird Tommy in jedem Fall haben.

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