Andy Murray hat in 2012 in Brisbane, Olympia und die US Open gewonnen © getty

Mit dem Erfolg bei den US Open befreit sich der Brite von seinen Ängsten. Murrays Coach Ivan Lendl zeigt Gefühle.

New York - Nachdem Andy Murray als King of Queens sich und ein ganzes Königreich endlich erlöst hatte, zeigte sogar Ivan Lendl Gefühle. Zumindest für einen Moment.

Der frischgebackene US-Open-Champion Murray war nach seinem denkwürdigen ersten Grand-Slam-Sieg gerade in die Kabine gekommen, da überraschte ihn sein eigentlich stets miesepetrig dreinschauender Coach Lendl mit einer spontanen Umarmung.

"Er hat mich gelobt und gesagt, dass er stolz auf mich ist", berichtete Murray nach dem 7:6 (12:10), 7:5, 2:6, 3:6, 6:2 gegen Titelverteidiger Novak Djokovic aus Serbien (Bericht).

"Ivan fing an zu fluchen"

Die Idylle zwischen dem ersten britischen Grand-Slam-Sieger seit 1936 und Ivan, dem Schrecklichen, wurde dann aber von einer Dusche der besonderen Art unsanft gestört.

"Jemand hat Champagner über uns versprüht. Dann fing Ivan auch schon an zu fluchen", erzählte Murray - und lachte herzhaft.

Es war das erste Mal am Ende des erfolgreichsten Tages seiner Karriere, dass der 25-Jährige deutlich spürbar aus sich herausging ( 610771 DIASHOW: Das Finale der US Open ).

Murray sehr erleichtert

Zwar hatte Murray nach dem nun endgültig vollzogenen Wandel vom ewigen Zweiten zum Sieger für die Ewigkeit kurz an der Grundlinie gekniet - doch die mit einem Schlag abfallende Zentnerlast aus dem Erwartungsdruck einer ganzen Nation und jahrelangen Rückschlägen schien zunächst keine großen Emotionen zuzulassen.

"Aber innerlich bin ich sehr glücklich, denn es war eine lange, lange Reise bis zu diesem Punkt. Ich verspüre Erleichterung, weil ich mir bewiesen habe, dass ich auch Grand Slams gewinnen kann", sagte Olympiasieger Murray, der auch seine Mutter Judy und Freundin Kim "in Schockstarre" erlebte.

Murray wollte nicht der Erste sein

Der sensible Schotte, der als Kind einen Amoklauf eines Massenmörders in der Schule von Dunblane überlebte, gewährte in der Stunde seines größten Triumphs Einblick in sein Seelenleben.

"Ich saß vor dem Spiel in der Kabine und hatte Zweifel. Niemand zuvor hatte jemand fünf Endspiele verloren. Und ich wollte nicht derjenige sein, dem das zuerst passiert", sagte der Lockenkopf mit der rauen Stimme (DATENCENTER: Ergebnisse der Herren).

Sean Connery als Glücksbringer

Zu Hause auf der Insel waren sie ob des "amerikanischen Traums" (The Sun) aus dem Häuschen.

"Andys Märchen in New York", titelte The Mirror. "Murray hat es geschafft!!!", twitterte Boris Becker, und selbst James Bond freute sich: Immerhin drückte der wohl populärste 007-Darsteller Sean Connery seinem schottischen Landsmann auf der Tribüne die Daumen.

"Fred freut sich"

Die zermürbenden Selbstzweifel und inneren Dämone hofft Murray durch den Triumph von Flushing Meadows nun ein für alle Mal besiegt zu haben.

Diese eine nervtötende Frage nach dem ersten großen Sieg jedenfalls hat der endlich Vollkommene seit Montagabend aus den Notizblöcken der Medien gestrichen ( 605470 DIASHOW: Die zweite Woche der US Open ).

Seit dem Beginn seiner Profikarriere 2005 musste Murray immer wieder erläutern, ob er der nächste britische Major-Sieger nach Fred Perry 1936 sein würde. Als Junior trug er bereits die Klamotten der gleichnamigen Modelinie der 1995 verstorbenen Ikone.

"Und jetzt bin ich mir sicher, dass Fred von da oben runterschaut und sich freut, dass es wieder ein Brite geschafft hat", sagte Murray.

Neuer Coach leitet Wende ein

Bereits mit seinem Olympiasieg in London hatte der 1,90-m-Schlaks den Grundstein für die Wende zum Guten gelegt.

Eine Wende, an der Ivan Lendl maßgeblich beteiligt ist.

Murray hatte die frühere Nummer eins der Tenniswelt Silvester 2011 als Coach verpflichtet, um mit seiner Hilfe den letzten, den entscheidenden Schritt machen zu können.

Lendls Ego "gestärkt"

Lendl hatte in den ersten Jahren seiner Karriere das gleiche erlebt wie später sein Schützling Murray.

Auch der gebürtige Tscheche hatte seine ersten vier Grand-Slam-Finals verloren, ehe 1984 bei den French Open der Knoten platzte.

"Es hat mir definitiv geholfen, mit ihm zu arbeiten. Ihn in der Box sitzen zu haben, wäre für jeden Spieler ein Bonus", sagte Murray und flachste in Richtung Lendl: "Ich bin sicher, mit meinem Sieg in New York habe ich auch sein Ego ein wenig gestärkt."

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