Die Amerikanerin Serena Williams gewann ihr zweites Grand-Slam-Turnier 2012 © getty

Die US-Open-Gewinnerin fühlt sich besser als je zuvor. Für die unterlegene Asarenka ist sie "die größte Spielerin aller Zeiten".

New York - Für die große Siegesparty im nächtlichen New York hatte sich Serena Williams nach ihrem Kraftakt so richtig chic gemacht.

Schwarze Lederjacke, gewagte Hot Pants - dazu eine wilde Lockenmähne und Make-up. Die frischgebackene US-Open-Siegerin (täglich im LIVE-TICKER)wollte deshalb auch keine Zeit verlieren, um vom verschlafenen Flushing Meadows Park schnell rüber ins hippe Manhattan zu kommen.

Vorher aber machte die Queen von Queens noch deutlich, dass sie nach dem Gewinn ihres 15. Grand-Slam-Titels langsam Richtung der Allzeitbesten Margaret Smith Court (24 Titel) und Steffi Graf (22) schielt ( 608103 DIASHOW: Die zweite Woche der US Open ).

"Ich habe noch so viel vor, was ich für die Geschichtsbücher schaffen will", sagte die 30-jährige Williams nach dem 6:2, 2:6, 7:5 im vielleicht besten US-Open-Finale der Geschichte gegen die topgesetzte Wiktoria Asarenka (Bericht).

"Die größte Spielerin aller Zeiten"

Für die Weißrussin jedenfalls ist Wimbledonsiegerin Williams, mit zwei Major-Titeln die erfolgreichste Grand-Slam-Spielerin 2012, jetzt schon die Nummer eins in der Tennis-Historie (DATENCENTER: Ergebnisse der Damen).

"Sie ist die größte Spielerin aller Zeiten, ein wahrer Champion", schwärmte Asarenka von der Weltranglistenvierten: "Sie hat das Spiel auf das nächste Level gebracht."

Serena Williams war so viel Lob trotz ihres vierten US-Open-Titels fast schon ein wenig unangenehm. "Ich betrachte mich nicht als die Größte. Ich sehe mich als Tennisspielerin, die ihr Bestes gibt", sagte sie und lächelte: "Ich bin einfach nur Serena."

Das Alter ist kein Hindernis

Eine Serena übrigens, die seit dem verwandelten Matchball am Sonntag 1,9 Millionen Dollar reicher ist - kaum der Rede wert bei einem bisherigen Gesamteinkommen von 40 Millionen Dollar allein an Preisgeld.

Ihr Alter sieht die jüngere der beiden Williams-Schwestern bei ihrer Titeljagd nicht als Hindernis. Im Gegenteil, sie habe sich niemals fitter und hungriger gefühlt.

"Ich will mehr und kann es kaum erwarten, das nächste Grand-Slam-Turnier zu spielen", sagte Serena Williams, die bereits 1999 als 17-Jährige in New York gewonnen hatte.

Strapazen abgeschüttelt

Die Strapazen des äußerst nervenaufreibenden Endspiels über 2:18 Stunden, in dem die Olympiasiegerin im entscheidenden Satz beim Stand von 3:5 nur zwei Punkte von der Niederlage entfernt war, hatte Williams schnell abgeschüttelt.

Vielmehr erwies sich die aus dem Problemviertel Compton nahe Los Angeles stammende Powerspielerin auch in der Stunde des Triumphes als Perfektionistin.

"Ich überlege jetzt schon", sagte Serena Williams allen Ernstes, "was ich besser machen kann, damit ich das nächste Mal nicht wieder in so einer Dreisatz-Schlacht muss."

Offener für Neues

Vor allen Dingen mental scheint die fünfmalige Australian-Open-Siegerin ihren Konkurrentinnen um Längen voraus zu sein.

"Sie gibt einfach nie auf und glaubt immer an sich", sagte Asarenka. Seit ihrem Comeback nach einer Fußoperation und einer lebensgefährlichen Lungenembolie Mitte vergangenen Jahres ist Williams auch offener für Neues, seit Juni ist Patrick Mouratoglou Mitglied ihres Teams.

Der französische Trainer leitet vor den Toren von Paris eine Tennis-Akademie.

"Ein Mädchen wie jedes andere"

Ob Mouratoglou dabei ist, wenn Williams wie jedes Jahr im November eine Luxusyacht für ihre Entourage chartert und Richtung Bahamas aufbricht, steht nicht fest.

Sicher ist aber, dass die US-Open-Siegerin 2012 privat ganz anders ist, als sie meistens in der Öffentlichkeit rüberkommt.

"Serena ist ein Mädchen wie jedes andere. Auch sie zweifelt manchmal an sich", verriet Sascha Bajin, seit sechs Jahren Serenas Hitting-Partner und einer der engsten Vertrauten der 30-Jährigen.

Wenngleich der Münchner auch betonte: "Wenn es sich jemand leisten kann, eine Diva zu sein, dann Serena." Sagte es - und entschwand zur Siegerparty.

Weiterlesen