Philipp Kohlschreiber ist seit 2001 Profi auf der ATP-Tour © getty

Philipp Kohlschreiber entzaubert bei den US Open Aufschlaggigant Isner. Nun trifft er auf den "leichten Favoriten" Tipsarevic.

New York - Frühmorgens um drei Uhr war Philipp Kohlschreiber noch voller Adrenalin.

Der Nachtschwärmer von New York nutzte nach seinem ersten Achtelfinal-Einzug bei den US Open (täglich im LIVE-TICKER) die Gunst der späten Stunde und erzählte nach dem Sieg für die Rekordbücher putzmunter von all den Eindrücken der Late-Night-Show.

Die Magie der berühmten Night-Session-Spiele von Flushing Meadows hatte Kohlschreiber da schon längst verzaubert.

"Es war sehr spät, aber man schaut nicht auf die Uhr, sondern wird gepusht von der Atmosphäre. Jeder, der bis zum Ende geblieben ist, muss ein verrückter Tennis-Fan sein. Sie haben Stimmung gemacht, ich schätze das sehr", sagte der Davis-Cup-Spieler aus Augsburg nach dem 6:4, 3: 6, 4:6, 6:3, 6:4 gegen Publikumsliebling John Isner (USA/Nr. 9) (Bericht: Kohli schlägt Isner).

"Gibt nichts Schöneres"

In der Runde der letzten 16 wartet am Dienstag der an Position acht gesetzte Janko Tipsarevic. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse der US Open)

Um 2.26 Uhr am Montagmorgen Ortszeit hatte Kohlschreiber seinen ersten Matchball verwandelt und den Erfolg gegen den Weltranglisten-Zehnten Isner ausgiebig genossen.

"Es gibt nichts Schöneres, als in fünf Sätzen zu gewinnen. Das war ein besonderer Sieg", sagte der 28-Jährige. Noch dazu, weil das Duell mit dem 2, 06-m-Hünen in die Rekordbücher des letzten Grand-Slam-Turniers des Jahres eingehen wird.

US-Open-Rekord egalisiert

Das Match egalisierte jenes Spiel in der US-Open-Geschichte, das bis dato am spätesten zu Ende gegangen war. ( 605470 DIASHOW: Die erste Woche der US Open )

Der Fünfsatz-Krimi der 2. Runde zwischen dem Sieger Mats Wilander und Mikael Pernfors (beide Schweden) hatte am 4. September 1993 ebenfalls bis 2.26 Uhr in der Nacht gedauert.

Es sind aber in erster Linie die Erlebnisse seines ersten Night-Session-Spiels im Arthur-Ashe-Stadium, die sich bei "Kohli" eingebrannt haben.

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"Beim Einschlagen habe ich keinen Ball gehört, so laut war es", meinte der Wimbledon-Viertelfinalist. Auch auf die Videoleinwand, die während der Seitenwechsel tanzende Zuschauer auf der Tribüne einfängt, schaute Kohlschreiber immer wieder.

Und zwar einmal so fasziniert, dass er wenig später aus Versehen auf die falsche Seite des Courts gehen wollte. "Die Fans geben da 90 Sekunden Vollgas, da kann man schon mal hinschauen", entschuldigte der München-Sieger seinen Fauxpas.

Schlaf als Schlüssel

Auf dem Platz war Kohlschreiber aber hochkonzentriert und entzauberte den Aufschlagspezialisten Isner (22 Asse). "Ich habe die Taktik sehr gut umgesetzt. Ich hatte mir vorgenommen, ihn zu zermürben." Dass dies vortrefflich gelang, bewies ein Wutausbruch des entnervten Amerikaners, der bei einem 0:2-Rückstand im entscheidenden Satz seinen Schläger zertrümmerte. Der Punktabzug folgte auf dem Fuße.

Für Kohlschreiber war es nicht nur der erste Achtelfinal-Einzug in Flushing Meadows, sondern auch das sechste in Folge gewonnene Fünfsatzspiel. "Vielleicht bin ich wie ein Dieselmotor, der erst einmal warmlaufen muss", sagte der Bayer.

Einzige Sorge nach einer erfolgreichen Nacht im größten Tennis-Stadion der Welt: Reicht die Regenerationszeit, um am Dienstag für das Achtelfinal-Match gegen "den leichten Favoriten" Tipsarevic, wie Kohlschreiber sagt, fit zu sein. Der Schlüssel soll viel Schlaf sein.

Als Kohlschreiber die Anlage am frühen Montagmorgen verließ, zirpten die Grillen im Corona Park - und der Vollmond stand hoch über New York. Es war der stimmungsvolle Abschluss einer magischen Nacht.

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