Tommy Haas nimmt 2012 zum elften mal an den French Open in Paris teil © getty

Routinier Tommy Haas hat in der Verlängerung keine Probleme gegen den Italiener Volandri. Julia Görges bewzingt eine Tschechin.

Paris - Manchmal erweckt Tommy Haas den Eindruck, als mache ihm Tennis keinen Spaß mehr. Dann greint er, führt Selbstgespräche und nennt sich selbst "Hasi" - und das ist nicht liebevoll gemeint.

"Was mache ich eigentlich hier", fragte sich "Hasi" vorwurfsvoll im Erstrundenmatch der French Open gegen Filippo Volandri aus Italien und antwortete auf seine Zweifel, wie es außer ihm nur wenige können - mit Weltklasse-Tennis.

Haas gewann die Begegnung nach einer nächtlichen Unterbrechung 6:3, 0:6, 6:4, 6:4 (Datencenter: Ergebnisse Herren).

Fünf DTB-Herren weiter

Der 34 Jahre alte Routinier hat damit ebenso den Einzug in die zweite Runde von Paris (täglich im LIVE-TICKER) geschafft wie seine jüngeren Kollegen Philipp Kohlschreiber (Augsburg/Nr. 24), Cedrik-Marcel Stebe (Vaihingen/Enz) und Michael Berrer (Stuttgart).

Florian Mayer (Bayreuth/Nr. 32) zog als fünfter Deutscher von ursprünglich zehn Deutschen nach.

Görges zieht nach

Auch bei den Damen hat sich Feld merklich verkleinert.

Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner musste mitansehen, wie die gesetzten Sabine Lisicki (Berlin/Nr. 12) und Mona Barthel (Bad Segeberg/Nr. 30) zum Auftakt chancenlos waren (DATENCENTER: Ergebnisse Damen).

Immerhin setzte sich Julia Görges (Bad Oldesloe/Nr. 25) in einem schwierigen Match gegen Lucie Hradecka (Tschechien) 7:6 (7:1), 6:4 durch und folgte damit der Weltranglistenzehnten Angelique Kerber (Kiel) und Qualifikantin Dinah Pfizenmaier in die zweite Runde.

13 Monate ohne Sieg

Ausgeschieden ist dagegen Mischa Zverev.

Als fünfter deutscher Tennisspieler muss der Linkshänder nach einem hart umkämpften 2:6, 7:6 (7:3), 4:6, 4:6 gegen den an Position 29 gesetzten Franzosen Julien Benneteau die Segel streichen.

Damit bleibt es bei Zverevs Serie: Seit April 2011 in Belgrad hat der Linkshänder kein Spiel auf der ATP-Tour mehr gewonnen.

Vor dem gebürtigen Moskauer waren bereits Philipp Petzschner (Bayreuth), Benjamin Becker (Orscholz), Björn Phau (Darmstadt) und Tobias Kamke (Lübeck) bei dem mit 17,2 Millionen Euro dotierten Grand-Slam-Turnier ausgeschieden.

Große Fanschar für Haas

Publikumsliebling der deutschen und auch französischen Fans ist allerdings Haas. Er ist einer zum Mitleiden, ein wenig wie damals Boris Becker.

Haas lässt die Fans mittlerweile an seinen Emotionen teilhaben und wird mit "Tommy, Tommy"-Rufen belohnt.

In der einsetzenden Dämmerung am Montagabend wollte kein Zuschauer seinen Platz auf Court 3 im Stade Roland Garros aufgeben, auch die Fortsetzung hätte nicht besser besucht sein können.

Körper macht mehrmals schlapp

Jedes Spiel könnte das letzte des begnadeten, aber nicht vom Glück verfolgten Tennis-Ästheten sein.

"Bei mir ist das immer eine Achterbahnfahrt. Ich weiß nicht, wie lange ich mir das noch antue", hatte Haas beim ATP-Turnier in München gesagt.

Dort hatte er seit langer Zeit wieder ein Halbfinale erreicht und Top-Ten-Spieler Jo-Wilfried Tsonga geschlagen. Richtig glücklich klang er trotz allem nicht. Wie soll er es auch sein mit einem Körper, der sich Zeit seiner Profikarriere gegen Leistungssport gesträubt hat.

Haas, einst die Nummer zwei der Welt, sammelte mehr Verletzungen als Turniersiege, obwohl seine zwölf ATP-Titel in der Nach-Becker-Ära in Deutschland unerreicht sind. Manche Zwangspausen dauerten so lange, dass die Tennis-Welt an der Rückkehr des gebürtigen Hamburgers zweifelte.

"Kleine Erfolgserlebnisse"

Nur Haas selbst hatte nie Zweifel, weil er "die anderen noch ärgern kann", wenn der Körper mal nicht schlapp macht.

Das ist auch der Grund für seine Selbstgespräche: Haas weiß, dass sein Tennis in manchen Momenten höchsten Ansprüchen genügt, manchmal aber leider nicht mehr mit den eigenen Erwartungen Schritt halten kann.

"Ich bin sicher, dass ich hier und da kleine Erfolgserlebnisse haben kann", sagt er.

Duell gegen Murray möglich

Bereits die Qualifikation für das Hauptfeld im Stade Roland Garros war solch ein Erlebnis, der Sieg gegen Volandri setzte Haas' Lauf fort, gegen den Ukrainer Sergej Stachowksy soll das nächste Highlight folgen.

Im Achtelfinale könnte die Nummer vier der Setzliste warten, Andy Murray - wer weiß, ob dann überhaupt noch Zeit für Selbstgespräche wäre.

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