Angelique Kerber steht erstmals in ihrer Karriere in den Top Ten © getty

Nach ihrem Top-Ten-Vorstoß träumt Angelique Kerber bei den French Open vom großen Coup. Die Konkurrenz ist gewarnt.

München - Top Ten, Top-Leistungen, Top-Aussichten: Angelique Kerber fühlt sich nach ihrem Sprung in die Beletage der Tennis-Welt wie "Angie im Wunderland".

Dem Zufall will die deutsche Nummer eins vor den am Pfingstsonntag beginnenden French Open (täglich im LIVE-TICKER) , bei denen sie in Runde eins gegen eine Qualifikatntin antreten muss, trotzdem nichts überlassen.

Am Rande des Turniers in Rom in der vergangenen Woche besuchte Kerber den Vatikan. Man kann nie wissen, wann Beistand von oben benötigt wird.

Beim zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres möchte die 24-Jährige die herausragenden Ergebnisse der letzten Monate bestätigen. (DATENCENTER: Die WTA-Weltrangliste)

Kerber träumt vom Titel

"Es wäre ein Traum, am Finalwochenende von Paris noch dabei zu sein. Denn natürlich will jede Spielerin einmal ein Grand-Slam-Turnier gewinnen oder die Nummer eins der Welt sein", sagt Kerber.

Nachdem sie die Top-Ten-Schallmauer durchbrochen hat, ist die US-Open-Halbfinalistin von 2011 nicht nur selbstbewusst, sondern auch angriffslustig.

"Ich versuche immer, nach vorne zu gucken und diejenigen einzuholen, die noch vor mir stehen", so Kerber. Mit zwei Turniersiegen, sechs Halbfinal-Teilnahmen und 33:10 Siegen zählt sie zu den fünf besten Spielerinnen der Saison.

Kaum Punkte zu verteidigen

Und ihre Perspektiven sind glänzend. Denn bis zum Turnier in Flushing Meadows Ende August hat sie, weil sie im verkorksten Jahr 2011 elf Erstrunden-Pleiten kassierte, kaum Punkte zu verteidigen. (BERICHT: Kerber wird Deutschlands Nummer eins)

Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner ist überzeugt, dass Kerber theoretisch sogar das Rüstzeug besitzt, "Grand-Slam-Turniere gewinnen zu können".

Alexander Waske, in dessen Tennis University Schüttler/Waske in Offenbach die Aufsteigerin öfter trainiert, sagt gar: "Die Angie kann jede schlagen."

Geheimfavoritin in Paris

Einige Experten haben die Linkshänderin, die bis auf Tennis spielen alles mit rechts macht, als Geheimfavoritin von Roland Garros auf dem Zettel. Auch Ikone Martina Navratilova attestiert der stets äußerst verbindlich daherkommenden Deutschen, "nach oben keine Grenzen" zu haben.

[kaltura id="0_7lbwaff0" class="full_size" title="Mayer verschl gt das Finale"]

Erwartungen steigen

Und Angelique Kerber weiß um die enorm gestiegene Erwartungshaltung. Ein Aspekt, den sie auch mit dem Sportpsychologen Holger Fischer bespricht. Der Druck sei natürlich da. Aber sie versuche, das auszublenden.

"Denn ich weiß, dass ich mich selbst am meisten unter Druck setze, wenn ich mich diesbezüglich von außen beeinflussen lasse. Das habe ich jahrelang gemacht, und es war der falsche Weg", so die Weltranglisten-Zehnte, die erstmals als deutsche Nummer eins in ein Grand-Slam-Turnier geht.

Beeindruckende Drei-Satz-Bilanz

Bei den Gegnerinnen ist "Angie" nicht zuletzt wegen ihrer Kämpferqualitäten gefürchtet. Sämtliche 13 Drei-Satz-Matches 2012 hat Kerber gewonnen - in vier dieser Partien wehrte sie jeweils mindestens einen Matchball ab.

"Ich verliere nie den Glauben an den Sieg. Egal, wie es steht", sagt die Hoffnungsträgerin.

Wohl wissend, dass sie deshalb in den USA in Anlehnung an den berühmten Entfesslungskünstler den Spitznamen "Houdini" verpasst bekam.

"Wie in einer neuen Welt"

In der Zugehörigkeit zum illustren Zehner-Kreis der besten Profis erfüllt sich für Kerber ein Kindheitstraum.

"Es ist eine magische Zahl, und es ist wie in einer neuen Welt. Das ist schon ein anderes Level. Man wird anders wahrgenommen, ich werde zum Beispiel mehr nach meiner Meinung zu bestimmten Dingen gefragt", meint sie.

Angst, dass der Presserummel und die neuen Verpflichtungen außerhalb des Courts sie zu sehr vereinnahmen könnten, hat Kerber nicht. "Es raubt mir keine Energie. Im Gegenteil: Ich ziehe daraus Energie. Es spornt mich an, noch härter zu trainieren."

Twittern aus dem Wunderland

Der Gefahr, dass sich nach dem Aufstieg falsche Freunde in ihr Leben schleichen könnten, ist sie sich bewusst.

"Aber ich war schon früher ein vorsichtiger Mensch, der sich seine Freunde gut ausgesucht hat. Ich habe mein Umfeld und weiß, wem ich vertrauen kann. Natürlich ist es schwierig, da noch jemanden reinzulassen", sagt Kerber.

Aber sie sei trotzdem offen: "Ich will mich nicht groß verändern."

Auf die gestiegene Zahl ihrer Fans hat die Kielerin bereits reagiert: Bei Twitter und in einem Blog berichtet Kerber aus ihrem Leben, das derzeit aufregender kaum sein könnte - "Angie im Wunderland" eben.

Weiterlesen