Das deutsche Fed-Cup-Team muss im Finale auswärts antreten
Kapitänin Barbara Rittner leitet das deutsche Fed-Cup-Team seit 2005 © getty

Nach dem Sieg im Fed Cup gegen Frankreich ist im deutschen Team die Erleichterung groß. Noch ist der Abstieg nicht vermieden.

Limoges - Nach einer Kabinensause samt Champagner-Dusche flossen am Ende eines denkwürdigen Auswärtssieges doch noch Tränen.

Besonders bei Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner brachen alle Dämme, als der enorme Druck plötzlich spontan schwand.

Mit feuchten Augen ging die ansonsten stets gefasst wirkende 39-Jährige nach dem 3:1 gegen Gastgeber Frankreich durch die Katakomben des Palais des Sports in Limoges. (BERICHT: Klarer Sieg gegen Frankreich)

Rittner: "Zeitweise Panik"

Sie war offensichtlich tief beeindruckt von der Leistung ihrer dezimierten Mannschaft, die einer Krankheitswelle ebenso getrotzt hatte wie der Absagenflut im Vorfeld.

"So einen Druck habe ich noch nie erlebt, das war schon sehr speziell. Ich hatte ja zeitweise Panik, dass ich gar keine Mannschaft zusammenbekomme", sagte Rittner und meinte: "Ich merke, dass jetzt alles abfällt."

Das Fass zum Überlaufen hatte ausgerechnet "Küken" Annika Beck gebracht.

Anlässlich ihres Debüts hielt die 18-Jährige nach der offiziellen Ansprache von Rittner im Anschluss an den Sieg eine kurze Antrittsrede. "Die Worte der Kleinen waren so süß und mitreißend. Sie hat gesagt, dass sie stolz sei, in diesem Team zu stehen. Da habe ich vor Ergriffenheit geweint, und alle haben mitgeheult", berichtete die DTB-Trainerin, nachdem Teil eins der Aufstiegsmission erledigt war.

Gefühlen freien Lauf gelassen

Nicht nur ihren Gefühlen, auch den kulinarischen Gelüsten ließen die Siegerinnen freien Lauf. "Wir gehen jetzt erst mal zu McDonalds. Ich nehme einen Hamburger, Pommes und eine Cola", kündigte Julia Görges an.

Auch die Folgen einer Magen-Darm-Grippe hatten die Weltranglisten-19. nicht davon abhalten können, mit zwei Einzelsiegen zur Matchwinnerin zu werden.

Alltag nach der Party

Nach der kurzen, aber intensiven Party ging der Blick der Protagonistinnen aber schnell in die Zukunft.

Görges und Anna-Lena Grönefeld fuhren noch am Sonntagabend mit dem Auto nach Paris, um Montagfrüh den Flieger nach Hannover beziehungsweise Doha zu bekommen.

Die in Limoges ebenfalls überzeugende Sabine Lisicki ließ sich nach Bordeaux fahren, um am nächsten Morgen via London nach Florida zu jetten.

Zurück blieb Barbara Rittner, deren Planung für die kommenden Tage im Vergleich zu ihren Mädels etwas unspektakulärer anmutete. "Ich bin eine Anti-Karnevalistin. Deswegen schließe ich mich erst mal in meiner Wohnung ein", sagte die Wahl-Kölnerin schmunzelnd.

Australien oder USA?

Dann bleibt auch Zeit genug, um sich erste Gedanken über die Aufstellung für das Playoff-Spiel am 20./21. April zu machen. Nach vier Abstiegen seit 2005 will die "Fahrstuhl-Mannschaft" ihren fünften Aufstieg in die Weltgruppe I dann endlich perfekt machen.

Abhängig von der Setzliste könnte allerdings ein Auswärtsspiel in Australien oder in den USA drohen.

Sollte die deutsche Mannschaft Heimrecht bekommen, würde die Partie voraussichtlich in Stuttgart stattfinden, weil dort einen Tag später das WTA-Turnier startet. Die Auslosung findet am Mittwoch in London statt.

Barthel als Option

Nach der Rückkehr der diesmal fehlenden Angelique Kerber (Rückenverletzung) und Andrea Petkovic (Knie-OP) könnte Rittner im April personell endlich einmal aus dem Vollen schöpfen.

Dabei bleibt auch Mona Barthel eine Option. "Sie gehört zu dem Pool an Spielerinnen, die in Frage kommen. Ich will da neutral rangehen", sagte Rittner über die brisante Personalie.

Paris-Siegerin Barthel hatte ihre Teilnahme am Fed Cup abgesagt, weil ihr die Veranstaltung auf Sandplatz nicht in die Planung passte. Das kam beim Team gar nicht gut an. "Ich konnte Monas Entscheidung nicht verstehen", sagte Görges: "Wenn ich für mein Land spielen kann, bin ich stolz darauf."

Zeichen von Limoges

Rittner verwies allerdings darauf, dass die 22-jährige Barthel im Gegensatz zu den anderen in Frage kommenden Kandidatinnen keine Erfahrung im Fed Cup habe.

"Und die Möglichkeit, welche zu sammeln, hat sich Mona durch ihre Absage selbst genommen", betonte die Teamchefin, die erleichtert über das Zeichen von Limoges war: "In der Situation mit der Absage von Mona war es ganz wichtig, dass die anderen Spielerinnen das gewuppt haben."

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