Tommy Haas schimpft, motzt - und steht dennoch im Halbfinale von München. Der ruhigere Qualifikant Jan-Lennard Struff folgt ihm.

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München - Der Titelverteidiger schimpfte ohne Unterlass, der Qualifikant zeigte keine Gemütsregung.

Gemeinsam hielten Tommy Haas und Jan-Lennard Struff beim Turnier in München (täglich im LIVE-TICKER) die Hoffnungen auf einen Heimsieg am Leben, ihre Darbietungen im Viertelfinale der BMW Open waren jedoch so unterschiedlich wie die Charaktere selbst.

Das einzige, was beide deutschen Tennisprofis eint: Die verkehrt herum getragene Mütze.

Heißsporn und Stoiker

Heißsporn Haas zog mit 6:3, 3:6, 6:3 gegen den Italiener Andreas Seppi ins Halbfinale ein - bereits zum fünften Mal hat der 36-Jährige in München das Endspiel vor Augen.

Stoiker Struff setzte gegen Ricardas Berankis seine Serie fort und gewann mit 4:6, 6:3, 6: 4 auch das sechste Spiel in Folge.

Bei seinem Debüt auf der Anlage am Aumeister gelang dem 24-Jährigen aus Warstein damit auf Anhieb der Sprung aus der Qualifikation ins Halbfinale; insgesamt ist es erst sein zweites auf der ATP-Tour nach dem Turnier in Marseille im Februar.

Struff fordert Topgesetzten Fognini

"Bisher läuft das Jahr relativ gut", sagte Struff gewohnt zurückhaltend, sein jüngster Erfolg mache ihn einfach "sehr glücklich". (SHOP: Jetzt Tennis-Artikel kaufen).

Auch die Aussichten am Samstag sind durchaus verschieden, immerhin ist Vorjahressieger Haas gegen den Qualifikanten Martin Klizan (Slowakei) klarer Favorit, Struff gegen den topgesetzten Fabio Fognini (Italien) Außenseiter.

"Klizan ist ein Linkshänder, ein sehr gefährlicher Spieler, spielt mit sehr viel Spin. Ich glaube, Sand ist sein Lieblingsbelag," erklärt Haas bei SPORT1: "Er hat sich durch die Quali durchgebissen. Das heißt, er hat sechs Spiele in Folge gewonnen, er fühlt sich sehr gut. Aber ich hoffe, dass er ein bisschen müde ist."

Das bisher einzige Aufeinandertreffen gewann er 2012 in Hamburg - ebenfalls auf Sand - deutlich in zwei Sätzen.

Haas besiegt auch sich selbst

Haas' zweiter Auftritt nach sechswöchiger Pause wegen anhaltender Schulterprobleme war beileibe keine Gala.

Die war für den noch immer angeschlagenen Routinier bei nasskalten Bedingungen im Münchner Mai allerdings auch kaum möglich. Gegen den soliden Südtiroler Seppi galt es, sich selbst zu überwinden - das gelang Haas einmal mehr in bekannter Manier.

Segelte eine Vorhand ins Aus, verschlug er einen Volley oder setzte eine Rückhand ins Netz, meckerte Haas; mal mit sich selbst, mal mit seiner Box, mal mit dem rutschigen Sand.

Dabei hatte er das fünfte Aufeinandertreffen mit Seppi eine Stunde lang im Griff gehabt, der vierte Sieg schien unausweichlich, auch weil Seppi weit unter seinen Möglichkeiten blieb.

Langsame Aufschlägen von Haas

Haas reichten Aufschläge mit 175 km/h, mehr gibt die Schulter derzeit nicht her. Doch immerhin konnte er sich auf seine Beinarbeit und auf seine begnadeten Grundschläge verlassen.

Bei SPORT1 sagte Haas, der nach 1:56 Stunden seinen ersten Matchball verwandelt hatte: "Ich bin sehr froh darüber, ein paar Spiele gewonnen zu haben. Schauen wir mal, was noch geht."

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Struff, der oft mit 40 km/h härter als Haas serviert, wirkte zu Beginn des Matches gegen Berankis müde.

Mit seinem Aufschlag, der ansatzlos geschlagenen Rückhand und der peitschenden Vorhand befreite sich Struff allerdings ein ums andere Mal aus der Umklammerung, die Berankis aufbaute.

Struff erstmals unter den Top 75

Der Weltranglisten-150. war erst als Lucky Loser für den verletzten Franzosen Gael Monfils ins Hauptfeld gerutscht und wollte seine Chance unbedingt nutzen.

Diesen Willen hatte auch Struff, selbst wenn es dem Davis-Cup-Spieler kaum anzumerken war. "Ich bin immer schon ruhig gewesen", hatte der 1,96-Meter-Hüne in München erklärt, ganz gelassen drehte er so auch die Begegnung mit Berankis.

Durch den Sieg verbessert sich Struff in der Weltrangliste und klettert erstmals unter die besten 75 Tennisprofis der Welt.

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