Boris Becker (r.) gewann als Profi sechs Grand-Slam-Titel © twitter

Boris Becker steht zum ersten Mal als Trainer auf dem Platz mit Schützling Djokovic und will die "letzten Prozent" rauskitzeln.

Frankfurt/Main - Zwischen dem lockeren Aufgalopp in Marbella und der ersten Bewährungsprobe in Abu Dhabi genießt Boris Becker den Abstecher nach Wimbledon.

Unter dem rot-weiß geschmückten Christbaum im Wohnzimmer seines Londoner Domizils liegen bereits seit Tagen die liebevoll eingepackten Geschenke.

Daneben auf dem Sofa sitzt hin und wieder Beckers knapp vierjähriger Sohn Amadeus und wartet ungeduldig.

Ein neues Leben nach Weihnachten

Es herrscht Vorfreude in der Villa Becker. Auch beim Hausherrn, für den am zweiten Weihnachtsfeiertag so etwas wie ein neues Leben beginnt. (Pressestimmen)

Am nächsten Donnerstag wird Becker in den Flieger nach Abu Dhabi steigen, um einen Tag später seinen neuen Schützling und Weltranglistenzweiten Novak Djokovic beim Einladungsturnier erstmals offiziell bei einem Match zu coachen.

Erstes Trainingsbild veröffentlicht

"Lasst uns beginnen", twitterte Becker bereits ungeduldig. Wie es so ist als Mitglied im Team Djokovic, darüber konnte sich der 46-Jährige in den vergangenen Tagen bereits einen Eindruck verschaffen. Im spanischen Marbella nahm Becker als Headcoach am Trainingscamp des Australian-Open-Siegers teil, wovon ein Tweet des Serben zeugt:

[tweet url="//twitter.com/TheBorisBecker"]

"Hört aufmerksam zu, Jungs und genießt die Sonne", kommentierte Djokovic das Bild.

Kritik aus der Heimat

In der Heimat allerdings mehren sich die Stimmen derer, die der Überraschungscombo kritisch gegenüberstehen.

"Boris war auf Rasen ein besserer Spieler als Novak, aber auf allen anderen Belägen ist Novak viel stärker, als Boris es war", sagte der frühere Davis-Cup-Teamchef Niki Pilic dem "Spiegel" und meinte: `Boris wird bestimmt versuchen, etwas zu verändern. Aber er weiß ja nicht zu hundert Prozent, wie das geht". (Kommentar: Becker muss das Ego zurückfahren)

Und Pilic, der mit Becker zweimal den Davis Cup gewonnen hatte (1988, 1989) , gibt seinem Ex-Schützling einen guten Rat mit auf den Weg. Becker müsse seinen Lebensstil ändern, erklärte der 74-Jährige in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Er muss zum ersten Mal in seinem Leben lernen, nicht in der ersten Reihe zu stehen."

Kleinigkeiten entscheiden

Sein Job sei, das verriet Becker derweil der "Bild"-Zeitung, die entscheidenden Prozentpunkte aus Djokovic (26) herauszukitzeln: "Auf diesem Level", sagt Becker, "gibt es kleine Dinge, die entscheiden, ob du den großen Pokal gewinnst oder Zweiter wirst." (Bericht: Wie Becker den Djoker noch stärker macht)

Auf dem Court will sich der dreimalige Wimbledonsieger in Zurückhaltung üben. "Ich kann schon noch Bälle mit Novak schlagen, aber den Job in den kurzen Hosen müssen seine Hittingpartner übernehmen", sagte Becker.

Der Wahl-Londoner plant, im Trainingsanzug auf dem Platz zu stehen und mit Hilfe der Videoanalyse, Djokovic zu einem "noch besseren Tennisspieler zu machen".

Becker gibt BBC-Job auf

Rund 20 Wochen im Jahr wird Becker mit dem sechsmaligen Grand-Slam-Champion auf der ATP-Tour unterwegs sein. Teilweise werden ihn dabei seine Frau und sein jüngster Sohn begleiten.

"Wenn es passt, werden Lilly und auch Amadeus ab und zu mitkommen", sagte Becker, der für den `Fulltime-Job" seinen Arbeitsplatz als TV-Kommentator bei der "BBC" aufgibt.

Edberg als Trainer von Federer?

Vielleicht wird der ewig 17 Jahre alte Leimener dafür mit einem besonderen Wiedersehen belohnt werden. Neben seinen ehemaligen Gegnern Ivan Lendl und Michael Chang, die Wimbledonsieger Andy Murray beziehungsweise den Japaner Kei Nishikori trainieren, könnte auch Beckers langjähriger Rivale Stefan Edberg auf die Tour zurückkehren.

Der Schwede, gegen den Becker drei Wimbledonfinals bestritt, ist als Coach des Grand-Slam-Rekordsiegers Roger Federer im Gespräch.

Becker überrascht der Retro-Trend nicht. "Ich frage mich eher: Warum hat man so lange gewartet? Wir waren eine Generation, die sich vom Tennis her von der heutigen gar nicht so groß unterscheidet", sagte die ehemalige Nummer eins der Welt der "Bild am Sonntag":

"Wir haben das moderne Tennis geprägt, das die Jungs von heute perfektioniert haben."

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