Becker (r.) wird der neue Trainer des Weltranlisten-Zweiten Djokovic © imago

Pilic glaubt im Gespräch mit SPORT1.fm, dass Djokovic einen großen Namen hinter sich haben wollte. Es geht ums perfekte Tennis.

Von Patrick Mayer

München - Boris Becker trainiert den "Djoker". Die Nachricht schlug am Mittwoch ein wie eine Bombe (Bericht).

Die Tenniswelt ist verdutzt und fragt nach dem Warum. Nikola "Niki" Pilic kennt beide bestens. Der kroatische Trainer holte mit Becker 1988 sowie 1989 den Davis Cup, trainierte Novak Djokovic vier Jahre lang in seiner Tennisschule in Oberschleißheim bei München.

Im Gespräch mit SPORT1.fm sagt Pilic, dass Becker von dieser Liaison profitieren kann und Djokovic einen großen Namen hinter sich stehen haben wollte. Der Serbe möchte Rafael Nadal wieder vom Thron der Weltrangliste stoßen.

Gelingt ihm das, stehen beide gut da: Djokovic ist wieder die Nummer eins und Becker hat sein Image aufpoliert. Es wird um Kleinigkeiten gehen. Und genau da kommt der Deutsche ins Spiel.

"Muss Lifestyle ändern"

"Wenn Boris vorhat, einen guten Job zu machen, muss er seinen Lifestyle ändern. Er kann davon profitieren, die Nummer zwei der Welt zu coachen", meint der 74-Jährige.

Pilic glaub, dass Becker ein Imageproblem hat ? zumindest hierzulande. "In Deutschland haben sich die Menschen nach seinem Karriereende mehr von ihm erwartet. Im Ausland ist sein Image viel besser. Boris hat in England dreimal gewonnen und ist dort dreimal im Finale gestanden", schildert Pilic.

"Er war eine große Persönlichkeit mit Charisma, dem die Sympathie gehörte."

Charisma und Sympathie hat Becker durch peinliche Fernsehauftritte und seinen mitunter selbstzerstörerischen Lebenswandel in Deutschland reichlich verloren. Wie gut stünde ihm zu Gesicht, wenn er sich den Trainer eines Wimbledon oder French-Open-Siegers nennen dürfte.

Nichts geahnt

Pilic ahnte nichts vom Coup, erzählt er, "dabei war ich noch mit Novak vor einem Monat gemeinsam essen".

Beide seien sich sehr ähnlich, Egoisten, sonst hätten sie in ihrer Spielerkarriere nicht so viel erreicht, meint er. Zwar könne Becker Djokovic nicht unmittelbar im Training helfen, "weil er Probleme mit dem Knie und der Hüfte hat".

Doch er könne dem Serben beibringen, bessere Flugbälle zu spielen. Das sei immer die Spezialität Beckers gewesen.

Djokovic erweckt den Eindruck, dass er sein Spiel geradezu perfektionieren möchte.

Jede Schwachstelle aufdecken

Und er hat allen Anlass dazu. Djokovic möchte sich im Duell mit dem Spanier Nadal dauerhaft einen Vorteil verschaffen.

"Boris kann nach einem Spiel gemeinsam mit Novak analysieren, was er gut oder schlecht gemacht hat", meint Pilic. "Zwei Leute sehen mehr als einer." Becker soll mit dem Djoker noch so jede kleine Schwachstelle aufdecken.

Das meint neben Pilic auch Beckers Entdecker und Förderer Günther Bosch.

"Er kann ihm beibringen, dass verloren geglaubte Spiele noch lange nicht verloren sind. In diesem Punkt war Boris einmalig", sagt der 76-Jährige im Interview mit dem SID.

Noch unberechenbarer

Taktisch könne Becker dem Djoker vermitteln, die Ballwechsel früher zu beenden. ""Wichtige Punkte werden nicht durch Fehler des Gegners, sondern durch Mut und das eigene Können entschieden", meint er.

Djokovic sei ein Spieler, der weit hinter der Grundlinie stehe, "vielleicht sogar etwas zu weit. Manchmal ist es wichtig, den Gegner zu überraschen".

Djokovic möchte noch unberechenbarer werden - vor allem für Nadal. Dafür vertraut er nun Becker.

Schlagen kann sich dieser bei seinem Auftrag nach Meinung von Pilic nur selbst. Er wisse nicht, ob Becker nur in der zweiten Reihe stehen kann, sagt er. "Man muss ihm sechs, sieben Monate Zeit geben. Dann wissen wir mehr."

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