SPORT1-Experte Sascha Bandermann sieht das Engagement Boris Beckers als Trainer von Novak Djokovic positiv und erklärt den Job.

Die Zusammenarbeit von Boris Becker und Novak Djokovic ist eine Hammermeldung für den Tennissport. Es tut dem Tennis-Sport sehr gut, auch in Deutschland.

Boris Beckers Fachwissen kennt jeder, selbstverständlich, das ist da, gar keine Frage. Aber er hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland nicht unbedingt dadurch hervorgetan, dass er aktiv auf den Plätzen der Welt stand und Spieler A oder Spieler B versucht hat in die richtigen Bahnen zu lenken.

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Doch Djokovic schätzt Becker als Tennis-Experten. Das darf man nie vergessen in diesem Bereich, wenn jemand plötzlich an so einen Job kommt, dann hat das auch ein stückweit damit zu tun, wie sehr wird er von dem Spieler heroisiert und idolisiert. Und Becker ist eben ein bisschen sein Held. Dabei hat Djokovic, der mehr als 100 Wochen die Nummer eins der Welt war, schon mehr erreicht als Becker jemals in seiner Karriere.

Und mit Marian Vajda hatte er immer einen richtig guten Coach an seiner Seite, mit ihm war er all die Jahre erfolgreich. Er hat ihn groß gemacht. Das wird sich auch nicht großartig ändern, Becker wird Vajda nicht vor die Nase gesetzt. Mit Becker will Djokovic eine kleine Stellschraube stellen, irgendwo noch ein paar Prozent herauskitzeln.

2012 und 2013 waren für den Serben zwar immer noch unfassbare Jahre. Aber wenn man nur einen der großen Titel gewinnt, und darum geht es den Jungs, dann sind es für sie schwächere Jahre. Djokovic will neuen Input. Und warum nicht von einem, zu dem er auch ein Stück aufschaut?

Und Djokovic guckt eben nicht wie wir Deutschen auf die Boulevardthemen, denn die tauchen im Ausland nicht so wirklich auf. Wir Deutschen haben aktuell das Problem, dass Becker zum Beispiel in dieser Pocher-Show ein ganz unglückliches Bild abgibt, das vielen weh tut.

Seinen eigenen Held will man so nicht sehen. Den möchte man auf dem Platz sehen, wie er dort seine Kompetenz einbringt, nicht in so einer Gameshow.

Es wird ein spannendes Thema sein, inwieweit sich Becker auch ein Stück zurücknehmen kann, was den Medienhype betrifft. Becker muss das Ego zurückfahren. Er wird jetzt sehr im Fokus stehen durch diesen Job.

Das erste Training bei den Australian Open: Die Medienmeute wird sich auf ihn stürzen, alle werden die Rod Laver Arena verlassen, zum Djokovic-Training gehen und Becker interviewen wollen. Es wird interessant, wie das dann gelebt wird. Das Team um Djokovic wird es nicht zulassen, dass jemand die ganze Zeit über Interna quatscht.

Becker ist noch immer eine der ganz großen Sportpersönlichkeiten auf diesem Planeten. Egal, wo der hingeht, New York, Rio, Tokio, jeder erkennt Becker. Ob er es schafft, zu erkennen, das ist jetzt wieder ein ganz normaler Job, wird eine ganz spannende Frage sein. Es wird nicht reichen sich kurz beim Mittagessen hinzusetzen und zu sagen: Novak, übrigens, bei der Vorhand ein bisschen mehr drübergehen, komm' ein bisschen mehr von unten. Das will der nicht hören. Der will anderen Input haben, um an Punkt X im Match Y das Ding reinzuspielen. Alle anderen Dinge weiß er. Djokovic braucht keinen klassischen Trainer mehr.

Djokovic ist charakterlich ein sensationeller Ehrgeizling. Genau das brauchst du, um die Nummer eins zu werden. Er hat zudem ein unglaubliches Charisma. Er hasst es auf den Tod zu verlieren, aber er schafft es in ganz wichtigen Momenten auch die Zuschauer für sich einzunehmen.

Das passiert zwar noch viel zu selten und zu wenig. Wenn er gegen Roger Federer oder Rafael Nadal spielt, hat er die Zuschauer gegen sich. Seine Spielweise ist nicht immer ganz so spektakulär, aber rein aufs Tennis bezogen, ist er aktuell der perfekte Spieler und Athlet. Er hat das Talent, mal eben im Davis Cup im Doppel den dritten Punkt zu holen. Das haben nicht viele.

Wenn Djokovic es schafft, mit Boris Becker bei den Australian Open gut zu starten und wie in den vergangenen drei Jahren wieder zu triumphieren, hat diese Verbindung Zukunft. Wenn nicht, dann verläuft sich das Ganze schnell wieder im Sande.

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