Nadal kehrt nach seiner Verletzung und trotz der Final-Niederlage nach über zwei Jahren an die Spitze der Weltrangliste zurück.

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Peking - Am Ende des Tages ist es für Rafael Nadal doch nur eine Zahl.

Das I-Tüpfelchen zwar nach berauschenden Siegen und Rekorden in einer traumhaften Saison, doch für den Spanier war die Rückkehr auf den Tennis-Thron nach über zweijähriger Abstinenz nicht die ganz große Nummer.

"Ich gehe jetzt nicht ins Bett und denke, ich bin der beste Spieler der Welt. Das habe ich noch nie gemacht", sagte der 13-malige Grand-Slam-Champion nach dem 3:6, 4:6 im Finale von Peking gegen Novak Djokovic (Serbien).

Wieder ganz oben

Und dann erzählte "Rafa", was für ihn die wahre Quelle kompletter Zufriedenheit ist: "Was mich wirklich glücklich macht, ist alles, was ich gemacht habe, um wieder dahin zu kommen, wo ich jetzt stehe." Ganz oben.

Auch die Niederlage bei den China Open gegen Djokovic, die erste 2013 auf Hartplatz (27:1 Siege), konnte die bislang prächtige Jahresbilanz von Nadal mit 65:5 Erfolgen und zehn Titeln in 13 Finals kaum trüben.

Große Zweifel bei Nadal

Djokovic verneigte sich vor dem Konkurrenten: "Er hat die Nummer eins verdient. Das ist in der Geschichte unseres Sports eine der besten Saison-Leistungen."

Eine Saison, die für Nadal nach siebenmonatiger Zwangspause wegen seines lädierten Knies erst im Februar begann.

"Damals dachte ich nicht an Titel oder die Weltranglisten-Spitze. Ich wollte einfach wieder konkurrenzfähig sein", sagte der Linkshänder aus Mallorca und gestand auch Zweifel ein: "Natürlich gibt es die immer. Jetzt bin ich einfach nur dankbar."

Nie wieder Hartplatz-Matches?

Viele Kritiker hatten Nadal bereits abgeschrieben.

Ihn, den angeschlagenen Sandplatzkönig, dessen Spiel auf Kraft und Ausdauer basiert. Wegen seiner chronisch entzündenten Patellasehne empfahlen ihm Ärzte sogar, keine Matches mehr auf Hartplatz zu bestreiten.

Dass Nadal dann ausgerechnet auf dem brutalsten aller Beläge so richtig durchstartete, ist der vielleicht aufregendste Aspekt seiner märchenhaften Rückkehr. "Keiner aus meinem Umfeld", gestand er, "hatte vor neun Monaten gedacht, dass das alles passieren würde."

Vom Zuschauer zum Triumphator

Als Krönung gewann der French-Open-Rekordsieger (acht Titel) Anfang September zum zweiten Mal nach 2010 die US Open auf dem Zementboden von Flushing Meadows.

Zwölf Monate zuvor hatte der verletzte Nadal das Finale von New York noch daheim auf der Couch verfolgen müssen.

Tief verunsichert, ob er wegen des schmerzenden Knies jemals wieder der Alte werden würde. US-Ikone John McEnroe sprach ein Jahr später dann aber gar "vom besten Rafa aller Zeiten".

Dank an Familie und Freunde

Nach dem Triumph im Big Apple gab der bescheidene Star, der sich vor dunklen Räumen, tiefem Wasser und Hunden fürchtet, sogar Einblicke in sein Seelenleben.

Familie und Freunde waren es, die ihn in trüben Momenten während der Auszeit bestärkten.

"Wenn du in den Fitnessraum gehst und kein positives Resultat siehst, dann verlierst du Energie. Aber sie haben mir diese positive Energie zurückgegeben. Ohne sie wäre ich nicht hier", sagte Nadal.

Nicht zu früh feiern

Zuletzt hatte der Publikumsliebling am 3. Juli 2011 auf Platz eins des Rankings gestanden.

Der spanische Fußball-Weltmeister Carles Puyol ("Großartig") und andere gratulierten ihrem Kumpel per Mail und Twitter.

Feiern will der "Stier von Manacor" die Rückkehr an die Spitze aber (noch) nicht.

Nadal: "Es ist jetzt die Zeit, weiter fokussiert zu bleiben. Die Saison ist ja noch nicht zuende. Danach aber gibt es genügend Gründe für eine Party."

Sampras überholen

Bereits am Montag beginnt das Turnier in Schanghai. Als letzter Höhepunkt steht ab 4. November das ATP-Masters in London auf dem Programm.

Auch bei den Australian Open (13. bis 26. Januar) ist Nadal wieder der Topfavorit. Mit Grand-Slam-Titel Nummer 14 würde er zu Pete Sampras (USA) aufschließen und hätte in dieser Statistik nur noch Roger Federer (17 Titel/Schweiz) vor sich.

Doch forsche Ansagen sind nicht Nadals Ding. "Ich habe schon mehr erreicht, als ich mir je erträumt habe."

Am Ende ist auch das für Nadal doch nur eine Zahl.

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