Nach zwei Triumphen auf Hartplatz reist Rafael Nadal als Favorit zu den anstehenden US Open nach New York.

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Cincinnati/München - Rafael Nadal war verzweifelt. Der höchst abergläubische Spanier wollte auch nach einem seiner emotional größten Triumphe Biss zeigen.

Doch die an eine Porzellanvase erinnernde Siegertrophäe der Western und Southern Open in Cincinnati/USA machte es "Rafa" schwer, seine obligatorische Bisstest-Geste anzubringen.

In seiner Not nahm Nadal einfach einen der Henkel zwischen die Zähne, ehe er den sonderbaren Pokal wie ein Baby in den Arm legte - und nicht mehr hergab.

US-Open-Favorit

Für den verletzungsgeplagten French-Open-Gewinner, der bei seinen zwölf Turnier-Teilnahmen 2013 elfmal im Finale stand und dabei neun Titel holte, dürfte das Gefäß fortan ein Symbol für den Beginn einer neuen Leidenschaft sein.

Nach dem 7:6 (10:8), 7:6 (7: 3)-Finalsieg gegen den Aufschlagriesen John Isner (USA) reist Nadal erstmals als Favorit zu den anstehenden US Open nach New York (26. August bis 9. September).

Nadal auf Hartplatz ungeschlagen

Das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres wird auf dem von ihm einst so ungeliebten Hartplatz ausgetragen.

Kein Problem für den 27-Jährigen, der längst nicht mehr nur ein Sandplatz-Spezialist ist.

Zum ersten Mal in seiner Karriere gewann Nadal zwei aufeinanderfolgende Masters-Turniere auf dem einst so ungeliebten Belag, auf dem er in dieser Saison noch ungeschlagen ist (15:0).

In der Vorwoche hatte der Linkshänder bereits im kanadischen Montreal triumphiert.

"Emotionaler Moment"

"Das ist ein emotionaler Moment aus vielen unterschiedlichen Gründen. Es bedeutet mir eine Menge, diese beiden Titel hintereinander geholt und zwei Wochen lang auf so einem hohen Level gespielt zu haben", sagte Nadal demütig und erleichert zugleich: "Ich habe ein richtig gutes Gefühl auf dem Court."

In der Weltrangliste steht er erstmals seit dem 25. Juni 2012 wieder auf dem zweiten Platz hinter Novak Djokovic (Serbien).

Nadal trotzt Verletzung

Wichtiger aber noch erscheint die Tatsache, dass sein chronisch entzündetes Knie den Belastungen auf dem knüppelharten Untergrund standzuhalten scheint.

Entgegen der Vermutung vieler Mediziner, von denen einige Nadal sogar geraten hatten, nie mehr auf Hardcourt zu spielen.

"Bei den US Open ist es Rafa, den es zu schlagen gilt", sagte der 2,08-m-Riese Isner, der im ersten Durchgang des Endspiels zwei Satzbälle nicht nutzen konnte.

Bislang ein US-Open-Sieg

Ein gutes Omen für Nadal: Als letzter hatte der Amerikaner Andy Roddick 2003 das Masters-Double in Montreal und Cincinnati gewonnen - und gleich danach bei den US Open triumphiert.

Der Mallorquiner, der in dieser Saison die beste Matchbilanz (53:3 Siege) aller Profis aufweist, hatte den Titel in Flushing Meadows bislang einmal geholt (2010).

Ein neuerlicher Coup im Big Apple aber würde wegen der Verletzungsgeschichte Nadals sicher schwerer wiegen - und unter einem ganz anderen Stern stehen.

Ohne Druck nach New York

Unter Druck setzen will sich der zwölfmalige Major-Gewinner aber nicht.

"Wenn man schwere Zeiten hinter sich hat, dann will man nur eins: Jeden Moment auf dem Court genießen. Man will einfach mit großer Leidenschaft spielen", meinte Nadal in den Tagen von Cincinnati, in denen er sein Hartplatz-Rezept preisgab: "Aggressiv spielen und konstant aufschlagen."

"RAFAntastic"

Die Fans zeigten sich nach dem 59. Turniersieg auf der ATP-Tour und dem 26. Masters-Erfolg von Nadal begeistert.

"RAFAntastic", "RAFAmazing" oder "RAFAbulous" titelten sie bei Twitter.

Nadal wird es registrieren.

Mehr nicht.

Dazu ist er einfach viel zu abergläubisch.

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