Der Spanier räumt in Montreal Djokovic aus dem Weg und dominiert im Finale. Nach dem Halbfinal-Sieg wird Nadal mutig.

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Montreal/Frankfurt - Im Überschwang der Gefühle nahm Rafael Nadal all seinen Mut zusammen - und sprach ein bisschen Französisch.

Leise und ein paar Wörter zwar nur, dann wechselte er schnell wieder ins Englische.

Aber der Halbfinal-Sieg im Prestigeduell mit Branchenführer Novak Djokovic in Montreal hatte dem ansonsten eher scheuen Spanier die Zunge gelockert.

Nadal "enorm glücklich"

"Gegen Novak zu gewinnen, ist immer eine große Sache für mich. Den besten Spieler der Welt zu schlagen, macht mich enorm glücklich", sagte Nadal nach dem 6:4, 3:6, 7:6 (7:2) in einem hochklassigen Match (Video)gegen den serbischen Titelverteidiger.

Am Sonntag ließ French-Open-Sieger Nadal dann Lokalmatador Milos Raonic (Kanada) keine Chance und sicherte sich mit 6:2, 6:2 seinen achten Saisonsieg (Video), den 58. Erfolg auf der ATP-Tour und den 25. Triumph bei einem Mastersturnier.

Selbstvertrauen ist zurück

Für Nadal, der in diesem Jahr erst drei Matches verloren hat, hatte sich der Triumph über Djokovic schon wie der Turniersieg angefühlt.

Mehr noch.

Ausgerechnet auf dem einst so ungeliebten Hartplatz, dem Lieblingsbelag des viermaligen Australian-Open-Gewinners Djokovic, holte sich "Rafa" das Selbstvertrauen zurück, das er bedingt durch seine Knieverletzung und das Erstrunden-Aus in Wimbledon verloren zu haben schien.

Und das rechtzeitig vor den anstehenden US Open in New York (26. August bis 9. September) und gegen die Nummer eins.

Nadal auf ungeliebtem Terrain erfolgreich

"Auf Sand steht Rafa immer unter Druck. Auf Hartplatz hat er weniger zu verlieren. Das kann ein Vorteil sein", sagte Nadals Trainer und Onkel Toni jüngst.

Rafael Nadal jedenfalls, der im Ranking um einen Platz auf Rang drei klettern wird, scheint seinen Frieden mit dem Decoturf-Belag gemacht zu haben.

Einem Untergrund, der sich so sehr unterscheidet von seiner geliebten roten Asche, aber auf dem er in diesem Jahr noch ungeschlagem ist.

Bereits im März hatte der 27-jährige Linkshänder das Hartplatz-Masters in Indian Wells/Kalifornien gewonnen.

Arzt rät vom Hartplatz ab

Mediziner aller Couleurs haben sich allerdings pessimistisch zu Nadals Zukunft auf dem knüppelharten Zementboden geäußert.

Ein Experte hatte dem Mallorquiner wegen dessen chronischer Knieentzündung sogar empfohlen, überhaupt nicht mehr auf Hartplatz zu spielen.

Nadal scherte sich nicht darum.

"Enges Match" gegen Djokovic

Gegen den favorisierten Djokovic punktete er mit starken Aufschlägen und aggressiven Grundschlägen und war auch mental auf der Höhe.

Letztlich hatte "Rafa", der nach dem Sieg immer wieder die Arme in den Nachthimmel von Montreal reckte, nur zwei Punkte mehr auf dem Konto (97:95) als sein Rivale.

"Es war ein enges Match, in dem ich meine Chancen nicht nutzen konnte. Ich habe mir viele leichte Fehler erlaubt", sagte Djokovic, der nun fünf der letzten sechs Duelle mit Nadal verloren hat.

Davor hatte der Serbe sieben Mal in Folge gegen den Spanier gewonnen.

Nadal trifft den "Djoker" am Kopf

Das viel zitierte Momentum scheint derzeit auf Nadals Seite zu sein, und der frühere Weltranglistenerste geht auch vermeintlichen Konfrontationen nicht aus dem Weg.

Als Djokovic im dritten Satz bei einem Ballwechsel dicht am Netz stand, traf ihn Nadal leicht am Kopf.

Die Entschuldigung nahm der Titelverteidiger erst einmal nicht an.

"Ich war nicht glücklich über diesen Ball", sagte Djokovic auch mit ein paar Stunden Abstand noch immer leicht genervt.

In den serbischen Internet-Portalen echauffierten sich die Fans über Nadals "Fehlschlag", derweil hatte Sabine Lisicki große Freude an dem Spiel.

"Es hat Spaß gemacht, dieses Match zu sehen", twitterte die Wimbledon-Finalistin.

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