Tommy Haas hat seit 1996 auf der ATP-Tour über zwölf Millionen Dollar eingespielt © getty

Die Schulter hat genug von der Knochenmühle, und Tommy Haas gibt in Montreal auf. Bei den US Open hat er eine Rechnung offen.

Montreal - Mit Blick auf New York hat Tommy Haas die Notbremse gezogen. Nur nichts riskieren, auf keinen Fall die insgesamt 16. Teilnahme an den US Open (26. August bis 9. September) gefährden, die für den Wahl-Amerikaner seit jeher etwas ganz Besonderes sind.

Um diesen Traum von Flushing Meadows also weiter zu leben, gab Haas beim ATP-Turnier in Montreal/Kanada sein Zweitrundenmatch gegen Marinko Matosevic (Australien) beim Stand von 0:5 im ersten Satz auf.

Der Grund: Probleme mit der bereits dreimal operierten rechten Schulter. Zudem fehlte dem München-Sieger wenige Tage nach seiner Halbfinal-Teilnahme in Washington die physische Frische.

Keine Kraft mehr für die Knochenmühle

"Ich hatte das Gefühl, dass ich keine Kraft mehr habe und dass es ein bisschen zu sehr schmerzt", sagte der 35-Jährige nach dem vorzeitigen Aus.

Haas machte auch keinen Hehl daraus, dass er die körperlichen Strapazen seines "Super-Jahres", wie er die Saison 2013 schon jetzt bezeichnet, in diesen Tagen deutlich spürt.

Dazu kommt, dass die nordamerikanische Hartplatz-Tour von den Profis nicht umsonst als Knochenmühle bezeichnet wird.

Einige Tage Nichtstun

Man merkt schon, wenn man älter wird. Das geht schon auf die Knochen. Man spürt die Hüfte, den Rücken einfach mehr", sagte Haas, Nummer zwölf der Welt und ältester Profi in den Top 100: "Mit Mitte 30 zwickt alles mehr. Es dauert länger, bis man sich regeneriert." (DATENCENTER: Die ATP-Weltrangliste).

Weil Haas das weiß, seinen geschundenen Körper bestens kennt und in Sachen Verletzungen ein gebranntes Kind ist, ging er in Montreal lieber auf Nummer sicher.

In den kommenden Tagen will sich der gebürtige Hamburger nun schonen, um bei seinem Lieblings-Grand-Slam im Big Apple wieder fit zu sein.

Pleite gegen Gulbis nagt an Haas

Im New Yorker Stadtteil Queens, im beschaulichen Corona Park, will Haas noch eine Rechnung begleichen. Im letzten Jahr verlor er trotz einer 2:0-Satzführung gegen den Letten Ernests Gulbis (Lettland).

Diese Niederlage auf Court 17 nagt noch heute an Haas, der immer wieder gerne bei den US Open antritt.

"Sie gehören zu meinen absoluten Lieblingsturnieren. Ich mag die Atmosphäre, diese Stimmung. Ich freue mich immer, dahin zurückzukehren", sagt der "ewige Tommy" über das letzte Major-Turnier des Jahres.

Noch nie weiter als bis ins Viertelfinale

Es war im Spätsommer 1996, als Haas sein Flushing-Meadows-Debüt feierte. Gegen Michael Stich verlor der damals 18-Jährige in vier Sätzen.

Dreimal hat Bollettieri-Schüler Haas seitdem das Viertelfinale von New York erreicht (2004, 2006, 2007), zu mehr reichte es im heutigen Billie Jean King National Tennis Center zu seinem eigenen Verdruss bislang (noch) nicht. (DATENCENTER: Termine und Ergebnisse)

Dabei liegen die US Open dem in Kalifornien und Florida beheimateten Haas, der mit der amerikanischen Schauspielerin Sara Foster liiert ist, besonders am Herzen.

Die einstige Nummer zwei der Welt ist in Flushing Meadows einer der großen Publikumslieblinge.

Auch Nadal und Petko bewundern Haas

Die Amerikaner lieben eben solche Comeback-Storys wie die vom guten alten Tommy aus Germany, der mit 35 Jahren und nach etlichen heftigen Rückschlägen seinen siebten Tennis-Frühling erlebt.

Auch die Konkurrenz verneigt sich vor dem Vater der knapp dreijährigen Valentina. "Tommy ist etwas Besonderes. Ich bewundere seinen Charakter, seine Einstellung", sagte Rafael Nadal unlängst.

Auch für Andrea Petkovic ist er eine Riesen-Inspiration. "Ich bin wahrscheinlich Tommys größter Fan", sagte die ebenfalls immer wieder vom Verletzungspech gebeutelte "Petko".

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