Tommy Haas gewann im vergangenen Jahr zuletzt das Turnier in Halle/Westfalen © getty

Die Tochter des Altmeisters verhilft ihrem Papa ins Finale von San Jose - und vertreibt Melbourne-Frust und Rücktrittsgedanken.

San Jose/München - Valentina quiekte vergnügt auf der Tribüne und machte Papas Glück perfekt.

"Es ist ein tolles Gefühl, wenn du siehst, wie deine eigene Tochter dir zuschaut", sagte Tommy Haas beseelt: Seine knapp zweieinhalbjährige Tochter überzeugte in ihrer neuen Rolle als Glücksbringerin in der Box.

Vater Tommy zog beim Hartplatzturnier in San Jose durch ein 6:3, 6:4 gegen den an Nummer zwei gesetzten John Isner (USA) ins Finale ein.

Im Endspiel trifft der Weltranglisten-22. Haas in der Nacht zum Montag (ab 0 Uhr LIVESCORES) auf den letztjährigen Sieger Milos Raonic aus Kanada, Turniersieg Nummer 14 winkt.

"Siege wie dieser..."

Der Frust nach dem enttäuschenden Erstrundenaus bei den Australian Open im Januar ist längst vergessen.

Der immer wieder vom Verletzungspech gebeutelte Haas, der mit seiner Familie in Los Angeles lebt, hat in den vergangenen Tagen im Silicon Valley Bestätigung für seinen unermüdlichen Eifer gefunden.

"Siege wie dieser gegen Isner sind es, die dafür sorgen, dass ich motiviert bleibe", meinte Haas und stellte glücklich fest: "In diesen Momenten merkt man, dass sich all die harte Trainingsarbeit gelohnt hat. Es ist ein Segen, immer noch dabei zu sein und Tennis auf diesem Niveau spielen zu können."

Valentina erlebt es bewusst

Der gebürtige Hamburger genießt es, dass seine Frau Sara Foster und Valentina in San Jose dabei sind.

Erstmals erlebt sein Töchterchen den Papa bewusst auf dem Court, wie er immer wieder in die Box schaut und Punktgewinne zum Familien-Fest werden lässt.

Davon hatte Haas geträumt - und sich in schwierigen Phasen mit der Vorstellung daran motiviert. "Ich wollte immer, dass mich Valentina spielen sieht", erklärte die frühere Nummer zwei des Rankings.

Gedanken an Rücktritt

Dabei hatte das vielleicht letzte Jahr einer ereignisreichen Karriere alles andere als vielversprechend begonnen.

Beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres in Melbourne hatte er trotz eines Matchballs sein Erstrundenmatch gegen Jarkko Nieminen (Finnland) verloren.

Nach der dritten Auftaktpleite bei einem Major in Serie kokettierte Haas sogar kurz mit einem Rücktritt.

"Wenn morgen ein Angebot für etwas anderes kommt, würde ich es vielleicht annehmen", sagte der dreimalige Australian-Open-Halbfinalist damals frustriert.

Genervt von den Fragen

Haas ist es inzwischen leid, ständig nach seinem Karriere-Ende gefragt zu werden. "Mir geht das auf die Nerven, weil ich es selbst nicht weiß", entgegnet der Davis-Cup-Spieler stets den unerbittlichen Journalisten.

Wenn Haas immer so spielt wie gegen Isner, dann wird er wohl noch einige Zeit im Circuit unterwegs sein.

"Es ist keine Schande, gegen Tommy zu verlieren. Er ist auf seinem Top-Level", lobte Isner.

Durchschauter Aufschlagriese

Haas gewann 80 Prozent seiner Aufschlagpunkte und nahm Isner zweimal das Service ab.

"Ich konnte Johns Aufschlag extrem gut lesen", sagte er. Beim ersten Matchball leistete sich Haas zwar seinen zweiten Doppelfehler, doch anschließend machte er seinen ersten Finaleinzug in San Jose perfekt.

Und in der Box freute sich Valentina.

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