Masters-Finalsieger Novak Djokovic gewann in diesem Jahr auch die Australian Open © imago

Novak Djokovic schwärmt nach dem Masters-Sieg von einem fantastischen Jahr. Er schildert seine Probleme. Federer bleibt fair.

London - Novak Djokovic grätschte in die Rückhandecke und setzte zu einem dieser Passierschläge an, die auf der ganzen Welt nur er spielen kann.

Jeder andere wäre aus der Balance geraten und wahrscheinlich auf den Hintern gefallen, doch Djokovic sprintete zurück zur Mitte.

Der Spurt wurde zum Jubellauf, der gar nicht mehr enden wollte: Djokovic hatte das letzte Highlight einer langen Tennis-Saison gegen den großen Roger Federer für sich entschieden und bewiesen, dass er der derzeit Beste unter den fabelhaften Vier der Weltspitze ist.

Mit 7:6 (8:6) und 7:5 zwang er Federer vor 17.000 tosenden Fans in der Londoner North Greenwich Arena in die Knie (Bericht).

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Sieg für kranken Vater

Wie so oft in den Duellen der Dauerrivalen spielte Djokovic "das beste Tennis, wenn es darauf ankam". Nach 2:14 Stunden im letzten Finale der Saison stürmte Djokovic zur Box am Spielfeldrand und fiel seinem Clan in die Arme. (DATENCENTER: Die Ergebnisse des Masters)

"Ein fantastisches Jahr liegt hinter mir, mit einigen Problemen abseits des Courts, vor allem vor diesem Turnier", sagte Djokovic, der seinen zweiten World-Tour-Titel nach 2008 seinem kranken Vater widmete: "Wie er für seine Genesung kämpft, hat mir extra Energie gegeben. Ich wollte auch für ihn spielen."

Vater Srdjan befindet sich bereits auf dem Weg der Besserung, die Vorstellung seines Sohnes sollte ihm weitere Kraft geben. Denn "Nole", so einer der Spitznamen Djokovic', war im 29. Match mit Federer einmal mehr der überragende Spieler, der das Welt-Tennis seit zwei Jahren anführt.

13. Sieg gegen Federer

In beiden Sätzen lag der 25-Jährige ein Break in Rückstand, wehrte im zweiten Durchgang zwei Satzbälle ab und feierte seinen 13. Erfolg gegen den sechs Jahre älteren Schweizer.

Nachdem die Nettigkeiten ausgetauscht waren ("Es ist immer ein Privileg und eine Herausforderung, gegen Roger zu spielen") gab der nach Siegen stets zu Scherzen aufgelegte "Djoker" doch noch einen ernsthaften Einblick in seine Gefühlswelt. "Es war so schwer, das große Jahr 2011 zu bestätigen", sagte er: "Heute kann ich nicht glücklicher sein: Ich habe das Jahr mit dem Sieg bei den Australian Open begonnen und beende es mit dem Erfolg hier."

Verpasster "Nole-Slam"

Die ruhmreiche Bürde, die sich der Serbe mit drei Grand-Slam- und fünf Masters-Titeln in der vergangenen Saison selbst auferlegt hatte, wog schwer.

Zwar zog Djokovic erneut in drei von vier Majorfinals ein, doch verpasste er durch die Endspiel-Niederlage bei den French Open den "Nole-Slam" und später die Olympia-Medaille in London. Zudem verlor er zwischenzeitlich für 19 Wochen die Führung im Ranking an Federer.

"Ich hatte viele Erfolge, aber auch einige enttäuschende Niederlagen bei großen Turnieren zu verkraften", sagte Djokovic: "Alles in allem war es allerdings ein gigantisches Jahr." Das er zum zweiten Mal in Serie als Weltranglisten-Erster abschließt.

Federer: Unglaubliches Turnier

Sein ärgster Verfolger bleibt Federer, trotz der zweiten Niederlage im achten ATP-Saisonfinale. Damit verpasste er es, als erster Spieler das Abschlussturnier der besten acht Tennisprofis dreimal in Folge zu gewinnen.

Der Rekord-Champion gab sich nach den vergebenen Chancen als gewohnt fairer Verlierer, sein Lächeln fiel jedoch gequält aus: "Gratulation an Novak für ein unglaubliches Turnier und ein unglaubliches Jahr. Du bist der Beste."

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