Andy Murray hat Ivan Lendl als Trainer engagiert © getty

Der Olympiasieger ist seinen Ruf als ewiger Zweiter los und wird beim ATP-Finale in London der Publikumsliebling sein.

London/Frankfurt - Einen Schuss britischen Humor - und schon hatte Andy Murray die Lacher auf seiner Seite.

Kurz vor Beginn des ATP-Masters am Montag in London (ab 14.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) nutzte der Olympiasieger die Gelegenheit bei einer Charity Veranstaltung im altehrwürdigen Royal Courts of Justice, um die Erklärung für seine neue Popularität zu liefern.

"Schuld ist dieser Mann hier", sagte Murray und deutete ganz frech auf Roger Federer: "Er hat mich damals zum Weinen gebracht." (SERVICE: Die ATP-Weltrangliste)

Gewinn trotz Niederlage

Damals, das war am 8. Juli. Murray verlor das Wimbledon-Finale gegen den Maestro aus der Schweiz. Aber der stolze Schotte gewann die Herzen der britischen Fans.

Nicht zuletzt, weil der scheinbar ewige Zweite bei der Siegerehrung etliche Tränen vergoss. Das Königreich war gerührt - und wurde nur vier Wochen später erlöst: Murray bedankte sich passenderweise an gleicher Stätte für die Liebe und schenkte der Nation dank der Revanche gegen Federer im All England Club die olympische Goldmedaille.

Entspannung dank US Open

Dass Murray am Montag das Auftaktduell der Gruppe A mit Tomas Berdych (Tschechien) gänzlich entspannt angehen kann, hat aber dann doch noch einen anderen Grund. Der 25-Jährige kommt als Grand-Slam-Sieger nach London zurück. Als derjenige, der als erster Brite seit Fred Perry 1936 wieder ein Major-Turnier gewinnen konnte.

Bei den US Open Anfang September hatte Murray, angefeuert vom schottischen James-Bond-Darsteller Sean Connery, seinen Endspiel-Fluch im fünften Anlauf endlich besiegt: Fünfsatz-Erfolg über den Serben Novak Djokovic, der auch beim mit umgerechnet rund 6,86 Millionen Euro dotierten Saisonabschluss-Turnier an der Themse einer von Murrays Gruppengegnern ist.

"Lange, lange Reise"

"Es war eine lange, lange Reise bis zu diesem Punkt. Ich verspürte Erleichterung, weil ich mir bewiesen hatte, dass ich auch Grand Slams gewinnen kann", sagte der Weltranglisten-Dritte. Nach dem Triumph in New York hatte Murray ganz offen über die jahrelangen Selbstzweifel berichtet.

Frenetischer Empfang

In seiner Heimatstadt Dunblane war der Highlander, der als Kind in der Schule einen Amoklauf eines Massenmörders überlebte, danach von fast 20.000 Menschen frenetisch begrüßt worden.

Dabei hat der Ort nahe Stirling in der Grafschaft Perthshire gerade einmal 8540 Einwohner. "Wo kommt ihr nur alle her?", rief der US-Open-Held mit seiner typisch rauen Stimme ins Mikrofon.

Murraymania in London

Die Murraymania soll sich in diesen Tagen auch in London fortsetzen. Der Hoffnungsträger wäre der erste britische Sieger des ATP-Masters überhaupt.

Der ganz große Druck, den verspürt Murray nach seiner ganz persönlichen Erlösung von New York aber nicht mehr. "Ich fühle mich vor dem Turnier diesmal entspannter als noch in den Jahren zuvor, weil ich als US-Open-Sieger komme", meinte der Schützling von Ikone Ivan Lendl.

Bestes Ergebnis: Halbfinale

Zweimal hat Murray bei der inoffiziellen WM das Halbfinale erreicht (2008/2010) - zu mehr reichte es bislang nicht. Dritter Gruppengegner des Schotten neben Djokovic und Berdych ist Jo-Wilfried Tsonga aus Frankreich.

Endspiel am Montag

Titelverteidiger Roger Federer bekommt es in der Parallestaffel mit David Ferrer (Spanien), Juan Martin del Potro (Argentinien) und Janko Tipsarevic (Serbien) zu tun.

Die jeweils zwei Gruppenbesten erreichen das Halbfinale. Das Endspiel wird erstmals an einem Montag ausgetragen (12. November). Wimbledonsieger Federer könnte seinen insgesamt siebten Masters-Titel holen.

Djokovic bleibt Nummer eins

Auf den Tennis-Thron wird der 31-Jährige allerdings selbst dann nicht zurückkehren. Vor dem Saisonfinale steht bereits fest, dass Australian-Open-Gewinner Djokovic als Nummer eins ins neue Jahr gehen wird.

"Wir erleben interessante Zeiten im Männer-Tennis. Es gab in diesem Jahr vier verschiedene Grand-Slam-Sieger. Was will man mehr?", fragte Djokovic rhetorisch. Andy Murray kann da nur beipflichten.

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