Der Spanier Rafael Nadal gewann auf der ATP-Tour bisher 28 Turniere © getty

Der Spanier Rafael Nadal hadert nach dem Achtelfinal-K.o. in Madrid mit der blauen Asche und droht mit einem Turnier-Boykott.

Madrid/München - Nachdem der Sandplatzkönig sein blaues Wunder erlebt hatte, wollte er nur noch weg aus Schlumpfhausen.

Doch zum Abschied drohte Rafael Nadal noch mit einem künftigen Boykott des Turniers in Madrid (ATP Masters: LIVE im TV auf SPORT1), das ihn bereits vor dem überraschenden Achtelfinal-K.o. gegen seinen Landsmann Fernando Verdasco (3:6, 6:3, 5:7) zur Weißglut gebracht hatte.

"Wenn sich die Dinge hier weiter so entwickeln, werde ich nächstes Jahr ein Turnier weniger in meinem Kalender haben", sagte Nadal - und brachte ganz bewusst Turnierboss Ion Tiriac in Zugzwang:

Auch Djokovic unzufrieden

Entweder der geschäftstüchtige Ex-Manager von Boris Becker sieht seinen Irrtum ein und lässt die Elite 2013 wieder auf griffigem roten statt rutschigem blauen Sand spielen.

Oder Nadal wird künftig einen großen Bogen um die Veranstaltung im heimischen Spanien machen, die Tiriac - zumindest in den Köpfen der Fans - so gerne als fünftes Grand-Slam-Turnier platzieren will.

Auch der Weltranglistenerste Novak Djokovic deutete trotz seines Viertelfinal-Einzugs an, im kommenden Jahr auf Madrid verzichten zu wollen, wenn sich nichts ändere.

"Sie sagen, der blaue Sand ist wie der rote, aber das stimmt nicht", stellte der Serbe fest.

Hohes Verletzungsrisiko

Nach seiner ersten Sandplatz-Schlappe seit dem 15. Mai 2011 und der ersten Niederlage gegen Kumpel Verdasco im 14. Duell machte Nadal keinen Hehl daraus, dass er und die blaue Asche keine Freunde mehr werden.

"Solche Bedingungen gibt es sonst nirgends. Ich habe alles versucht, bin extra früher angereist und wollte mein Spiel den Umständen anpassen. Aber beim Versuch, mich auf dem Platz entsprechend zu bewegen, habe ich mir fast die Hüfte verletzt. Das will ich nächstes Jahr nicht nochmal riskieren", betonte Nadal: "Es sei denn, es ändert sich hier etwas."

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"Die Farbe muss normal sein"

Aus lauter Verzweiflung über den glatten "Eis-Court" hatte der 25-Jährige von der Sonneninsel Mallorca sogar gefragt, ob er seine Rasenschuhe anziehen dürfe.

"Ich durfte aber nicht", meinte der frustrierte "Rafa" und forderte: "Die Farbe der Plätze muss normal sein." Sprich Rot statt "Schlumpfen-Blau", wie der Kanadier Milos Raonic die Colorierung bezeichnet hatte.

Djoker bald auf Schlittschuhen?

Zu allem Überfluss droht dem sechsmaligen French-Open-Gewinner Nadal nach der neunten Niederlage auf Sand seit 2005 der Verlust von Rang zwei im Ranking (SERVICE: ATP-Weltrangliste).

Sollte Roger Federer das Turnier im Caja Magica gewinnen, wäre der Schweizer ab Montag der erste Verfolger von Branchenprimus Djokovic, der den blauen Sand ebenfalls harsch kritisiert hatte.

Der Serbe hatte scherzhaft angekündigt, zum nächsten Match mit Fußballschuhen oder Schlittschuhen anzutreten.

Pleite kostet Selbstvertrauen

Nadal hat auch deshalb einen Blues, weil er das Turnier in Madrid nicht als Härtetest für die anstehenden French Open (ab 27. Mai) nutzen konnte.

Der König von Paris peilt in seinem roten Reich mit Namen Roland Garros, wo er eine Matchbilanz von 45:1 Siegen aufweist, seinen siebten Titel an. Prompt machte in Madrid der Witz die Runde, Djokovic und Federer seien bereits auf dem Weg nach Frankreich, um den roten Sand blau zu färben.

Nach Rom zum nächsten ATP-Turnier reist Nadal "mit nicht so viel Selbstvertrauen".

Boris Becker zeigte sich ungeachtet der Umstände erstaunt von der ersten Niederlage Nadals auf Asche nach zuvor 22 Siegen.

"Kann man das glauben - Nadal hat gegen Verdasco auf blauem Sand verloren", twitterte Becker.

Verdasco fassungslos

Verdasco indes, der erst siebte Spieler seit sieben Jahren, der Nadal auf Sand bezwang, konnte sein Glück kaum fassen (DATENCENTER: Die Ergebnisse aus Madrid).

"Ich habe keine Worte. Den besten Sandplatzspieler aller Zeiten besiegt zu haben, ist das Größte", meinte der Weltranglisten-19., der im entscheidenden Satz bereits mit 2:5 und zwei Breaks zurückgelegen hatte.

Auch Wimbledonsiegerin Petra Kvitova teilte das Nadal-Schicksal eines frühen Ausscheidens und verabschiedete sich mit einer doppeldeutigen Botschaft aus Madrid: "Bye, bye, blauer Sand", twitterte die Tschechin.

Nadal, König der roten Asche mit blauem Auge, würde das sicher so unterschreiben.

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