Car-Uwe Steeb (l.) war von 1999 bis 2001 Kapitän des deutschen Davis-Cup-Teams © imago

Zu Beginn der BMW Open spricht Carl-Uwe Steeb bei SPORT1 über die Verhältnisse im Davis-Cup-Team und die DTB-Damen.

Von Andreas Kloo

München - Das deutsche Tennis, vor allem das deutsche Herren-Tennis brachte zuletzt meist eher negative Schlagzeilen zustande.

Besonders die Absetzung von Teamchef Patrik Kühnen als Kapitän beim World Team Cup Ende Mai sorgte für Aufsehen (BERICHT: Abgesetzt - aber Kühnen macht auf heile Welt).

DTB-Vizepräsident Carl-Uwe Steeb misst dem ganzen Thema allerdings weniger Bedeutung bei, schließlich "verfahren andere Nationen seit Jahren so".

Zu Beginn der BMW Open (täglich LIVE im TV auf SPORT1) spricht "Charly" im SPORT1-Interview über die Verhältnisse im deutschen Davis-Cup-Team, dessen Stellenwert und den Leistungsunterschied zwischen Fed Cup und WTA-Tour der DTB-Damen.

SPORT1: Florian Mayers Entscheidung, Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen nicht als Trainer für den World Team Cup zu engagieren, sorgte für viel Wirbel. Haben die Spieler die öffentliche Wirkung dieser Entscheidung unterschätzt?

Carl-Uwe Steeb: Die Spieler haben das sicher etwas unterschätzt, mittlerweile gab es aber Gespräche zwischen Patrik und den Spielern, die Sache sollte also geklärt sein.

SPORT1: Gab es diese Regelung, dass die Spieler ihren Trainer für Düsseldorf selbst bestimmen können, zu Ihrer aktiven Zeit auch schon?

Steeb: Ja, diese Regel gibt es schon immer.

SPORT1: Kam damals einer von Ihnen auf die Idee, einen anderen Trainer für den World Team Cup zu engagieren?

Steeb: Nein, dieser Gedanke kam zu meiner Zeit nie auf. Andere Nationen verfahren allerdings schon seit Jahren so, dass sie einen anderen Trainer für Düsseldorf nominieren. Das war eher der deutsche Weg, auf den Davis-Cup-Teamchef zurückzugreifen.

SPORT1: Die Entscheidung, diesen deutschen Weg diesmal nicht zu gehen, gibt aber ein schlechtes Bild von der Stimmung im deutschen Davis-Cup-Team ab. Sind Sie als Vizepräsident gefordert, um zwischen Teamchef und Spielern zu schlichten?

Steeb: Zunächst mal ist Sportdirektor Klaus Eberhard gefordert, mit den Spielern und Patrik zu sprechen und die Situation einzuschätzen. Aber auch ich werde Gespräche führen, um ein Gefühl für die Situation zu bekommen.

SPORT1: Unabhängig von diesen Gesprächen haben Sie zuletzt aber schon verkündet, die Vertragsverlängerung mit Patrik Kühnen sei nur noch Formsache.

Steeb: Es wird in den nächsten ein, zwei Monaten Gespräche geben. Wir sind mit Patriks Arbeit sehr zufrieden und können uns eine Verlängerung gut vorstellen. Grundsätzlich ist das aber nicht meine alleinige Entscheidung.

SPORT1: Ist es auch - wie beim World Team Cup - die Entscheidung der Spieler?

Steeb: Es ist eine Entscheidung des Deutschen Tennis Bundes. Der Teamchef ist schließlich nicht nur für den Davis Cup zuständig, sondern arbeitet auch im Jugendbereich und kümmert sich um die Talentsichtung.

SPORT1: Von welchen Faktoren hängt es ab, ob Patrik Kühnen als Teamchef weitermachen darf? Spielt dabei auch das Ergebnis der Relegation gegen Australien eine Rolle?

Steeb: Von einer einzigen Partie kann man so eine Entscheidung nicht abhängig machen. Es spielen mehrere Komponenten eine Rolle: Zum einen Patriks Zielsetzungen und wie er sich seine Zukunft vorstellt. Zum anderen die Frage, welche Aufgaben sind für den Deutschen Tennis Bund in den nächsten Jahren wichtig und zu lösen. Aber natürlich spielen auch die Spieler eine Rolle. Letztlich müssen alle Komponenten berücksichtigt werden.

SPORT1: Neben ihrer Aufgabe als DTB-Vizepräsident sind Sie beruflich in der Sportvermarktung tätig. In dieser Funktion vermarkten Sie ab 2013 das ATP-Turnier in München. Sie sollen ein innovatives Konzept vorgeschlagen haben. Was konkret ist so innovativ?

Steeb: Darüber möchte ich jetzt während des aktuellen Turniers nicht sprechen. Gerne nach den BMW Open.

SPORT1: Können sich die Münchner Fans Hoffnungen auf ein Gastspiel von Topstars wie Rafael Nadal oder Roger Federer machen?

Steeb: Wie schon gesagt, würde ich über die BMW Open gerne nach dem Turnier sprechen (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

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SPORT1: Kommen wir zum deutschen Damentennis. Vier deutsche Frauen stehen derzeit in den Top 20 der Weltrangliste. Doch dieser Aufschwung wurde durch den Abstieg des Fed-Cup-Teams empfindlich getrübt. Wie ist dieser Leistungsunterschied zu erklären?

Steeb: In der Erstrunden-Partie gegen Tschechien fehlte mit Andrea Petkovic unsere damalige Nummer eins verletzt. Und Gegner Tschechien ist eines der besten Teams derzeit. Gegen Australien war Petkovic zunächst fürs Einzel auch nicht hundertprozentig einsatzbereit. Dazu fehlte Sabine Lisicki, dann ist eine Partie gegen Australien auch völlig offen.

Natürlich ist es schade angesichts des Potentials, das im Team steckt. Mona Barthel rückt ja auch immer weiter nach vorn. Es ist ein kompaktes Team, wenn alle fit und da sind. Dieses Glück hatten wir leider nicht, jetzt müssen wir nächstes Jahr eine Ehrenrunde drehen und so schnell wie möglich wieder aufsteigen.

SPORT1: Teamchefin Barbara Rittner sprach trotz des Abstiegs davon, dass der Titel in naher Zukunft möglich sei. Ist das zu hoch gegriffen?

Steeb: Vom Potential her ist es auf jeden Fall möglich. Der Titel kann aber frühestens 2014 geholt werden. Wir haben fünf, sechs talentierte Spielerinnen, die alle noch sehr jung sind. Perspektivisch gesehen ist der Titelgewinn also durchaus realistisch.

SPORT1: Allerdings muss Andrea Petkovic den nächsten Verletzungsschock verdauen. Wie schwer kann sie das aus der Bahn werfen? Findet Sie zurück zu ihrer alten Leistungsstärke?

Steeb: Das denke ich schon. Sie hat beim Fed-Cup angedeutet, dass Sie trotz viermonatiger Pause wieder zu ihrer Form finden kann. Sie wird wieder dort anknüpfen, wo sie war. Aber sie braucht zunächst mal viel Geduld und darf den Kopf nicht hängen lassen.

SPORT1: Wie wichtig sind dem Deutschen Tennis Bund Erfolge in Fed-Cup und Davis Cup?

Steeb: Erfolge in diesen Bewerben haben schon eine Bedeutung für den Verband und für die Wahrnehmung des Tennissports allgemein. Das hat die Vergangenheit immer wieder gezeigt, weil es sich letztlich um die Nationalmannschaften im Tennis handelt. Deshalb sind dort Erfolge wichtig, um für den Nachwuchs neue Impulse zu setzen und sich international als Team und Verband zu präsentieren. Sie haben die gleiche Bedeutung wie ein Erfolg bei einem Grand-Slam-Turnier.

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