Jo-Wilfried Tsonga hat neun seiner bisher zehn Titel auf Hartplatz geholt © getty

Jo-Wilfried Tsonga will in diesem Jahr seinen ersten Grand-Slam-Titel holen. Zuvor rückt jedoch der Davis Cup ins Blickfeld.

Roquebrune - In diesem Jahr will er möglichst oft die Fäuste sprechen lassen.

Jo-Wilfried Tsonga, der Box-Legende Muhammad Ali so verblüffend ähnlich sieht, möchte nicht länger "best of the rest" der Tenniswelt sein.

Derjenige, der die zweite Reihe anführt, während die fantastischen Vier um Primus Novak Djokovic die Grand-Slam-Trophäen in schöner Regelmäßigkeit unter sich ausspielen.

"Ich spüre einfach, dass ich in dieser Saison einen großen Titel holen sollte. Ein Major-Erfolg muss her, denn die zweite Hälfte meiner Karriere hat begonnen", sagt Tsonga, der nach spektakulären Punkten gerne die Faust in die Höhe reißt und nach besonderen Siegen mit den Daumen auf sich deutet.

Der Kraftprotz aus Le Mans

2008 war der 26-Jährige schon einmal dicht dran, verlor aber damals das Australian-Open-Endspiel gegen Djokovic. Im vergangenen November dann fehlte nur noch ein Sieg zum großen Coup. Doch Tsonga unterlag beim ATP-Tour-Finale in London Roger Federer.

Ab Freitag (12 Uhr LIVESCORES) könnte der 91 Kilo schwere und 1,88 Meter große Kraftprotz aus Le Mans im Davis-Cup-Viertelfinale mit Frankreich gegen die USA zumindest einen großen Schritt in Richtung erster Mannschafts-Titel machen.

Dabei setzen nicht nur die Anhänger von Les Bleus auf ihren "Tsonga La Bomba", der davon träumt, als erster Franzose nach Yannick Noah (1983 in Roland Garros) ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen.

Nicht nur äußerlich wie Ali

Auf der ganzen Welt fliegen "JWT" längst die Fan-Herzen zu. Selbst den Viertelfinaltriumph über Rasen-Maestro Federer in Wimbledon 2011 nach einem 0:2-Satzrückstand konnte Tsonga keiner übel nehmen - außer vielleicht der Grand-Slam-Rekordsieger aus der Schweiz höchstselbst (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

Hinzu kommt, dass Tsonga das Spiel mit den Ali-Vergleichen immer noch munter mitmacht. "Am liebsten möchte ich so spielen, wie er geboxt hat", sagt der Wahl-Schweizer immer wieder mit charmantem Lächeln.

Spektakulär wie einst der "Größte" im Ring geht Tsonga mit seinem wuchtigen Aufschlag und der krachenden Vorhand auf dem Court zu Werke. Einzig der durchschlagende Erfolg lässt noch auf sich warten.

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Becker adelt Tsonga

In Sachen Sympathiewerte kann der Sohn eines kongolesischen Vaters und ehemaligen Handball-Profis fast schon mit den großen Vier mithalten.

Warum das so ist, glaubt Boris Becker zu wissen. "Tsonga ist nicht der Schnellste und nicht der Talentierteste. Aber er hat Eier", sagte der dreimalige Wimbledonsieger der "L'Equipe".

Will heißen, Tsonga ist einer, der es mit Hilfe seines Kampfgeistes doch noch packen kann.

Mama lehrt Tsonga das Fürchten

Muffensausen vor großen Namen kennt Tsonga nach eigenem Bekunden nicht. "Es gibt zwar momentan nur drei Spieler, die Grand-Slam-Titel gewinnen. Aber ich bin trotzdem nie eingeschüchtert, wenn ich auf den Platz gehe", sagte "Big Jo" - und lässt wenig später seinen erfrischenden Humor aufblitzen:

"Die einzige, die mich verängstigen kann, ist meine Mutter. Und zwar dann, wenn sie sauer auf mich ist."

Davis Cup "etwas Besonderes"

Im Gegensatz zum Serben Djokovic und zum Spanier Nadal legt Tsonga trotz des vollen Terminkalenders im Olympiajahr keine Davis-Cup-Pause ein.

"Dieser Wettbewerb ist und bleibt etwas Besonderes für mich", meinte Tsonga vor dem Prestigeduell des neunmaligen Siegers gegen Rekordgewinner USA (32 Titel) in Roquebrune-Cap-Martin an der Cote d Azur. Tsonga geht mit einer Davis-Cup-Bilanz von 12:2 Erfolgen mit breiter Brust als Nummer eins ins Viertelfinale.

Während die Franzosen auf Gael Monfils verzichten müssen, reisten die Amerikaner ohne den ebenfalls verletzten Mardy Fish an.

In den weiteren Viertelfinals von Karfreitag bis Ostersonntag trifft Vorjahresfinalist Argentinien auf Kroatien, Titelverteidiger Spanien empfängt Österreich, Tschechien fordert Serbien heraus.

Das deutsche Team spielt nach seiner 1:4-Niederlage in der ersten Runde gegen Argentinien im September (14. bis 16.) in den parallel zum Halbfinale stattfindenden Playoffs um den Verbleib in der Weltgruppe.

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