Novak Djokovic ist seit Juli 2011 die Nummer Eins der Weltrangliste © getty

Der Serbe untermauert mit dem Sieg in Miami seine Vormachtstellung. Der 24-Jährige denkt aber schon an die French Open.

Miami - Erst Andy Murray, dann Ivan Lendl - und zum krönenden Abschluss ein serbisch-orthodoxer Priester im schwarzen Gewand.

Die Glückwünsche samt Umarmung für Novak Djokovic nach seinem Masters-Endspielsieg in Miami gegen den Schotten Murray (6:1, 7:6) kamen im wahrsten Sinne des Wortes aus allen Himmelsrichtungen.

Der weltbeste Tennisspieler aber dachte in der Stunde seines Triumphes im Sonnenstaat Florida vor allem an roten Sand - den im Stade Roland Garros in Paris.

"Dieser Titel hier gibt mir viel Selbstvertrauen für die anstehende Ascheplatz-Saison. Natürlich sind die French Open ein großes Ziel in diesem Jahr", sagte Djokovic mit Blick auf Roland Garros: "Dort möchte ich mindestens ins Endspiel."

French Open-Sieg fehlt "Nole" noch

Vor knapp einem Jahr hatte er im Halbfinale von Paris gegen Roger Federer nach 41 Siegen in Serie seine erste Niederlage 2011 kassiert.

Mit dem Turniersieg beim bedeutendsten Sandplatzturnier der Welt am Bois de Boulogne könnte der 24-jährige Djokovic seine Grand-Slam-Sammlung schon Anfang Juni komplettieren.

Damit würde er sich einreihen in eine illustre Runde großer Namen wie Federer, Rafael Nadal oder Andre Agassi. Djokovic jedenfalls fühlt sich bereit für den Coup: "Der Wettbewerb ist groß und wird härter. Aber ich spiele immer noch das beste Tennis meines Lebens."

"Jetzt habe ich mir einen frischen Bagel verdient"

Im Hier und Jetzt genoss der "Djoker" aber erst einmal seinen 30. Titel auf der ATP-Tour. Vor lauter Freude über den zweiten Turniererfolg 2012 ignorierte der Australian-Open-Gewinner mit dem schelmischen Grinsen sogar seine Gluten-Unverträglichkeit.

"Jetzt habe ich mir einen frischen Bagel verdient", meinte Djokovic nach dem überzeugenden Coup gegen Murray und wollte in punkto Belohnung "für nichts" garantieren.

Gut, dass ihm dabei der Beistand von oben gewiss war. Nach der Pressekonferenz wurde Djokovic von einem Priester abgefangen, der die Nummer eins fest drückte und sich danach bekreuzigte.

[kaltura id="0_wb4q4b3j" class="full_size" title=" Djoker siegt in Miami"]

Aufschläge machen den Unterschied

Kurz zuvor hatte Murray-Coach Ivan Lendl dem Miami-Sieger in den Katakomben des Crandon Park ein wenig unspektakulärer, aber nicht weniger herzlich zum elften Gewinn eines Mastersturniers gratuliert.

In dem 2:19 Stunden langen Finale fand Lendls schottischer Schützling vor allen Dingen gegen das Service von Djokovic kein Rezept. Mit einer Quote von knapp 70 Prozent bei den ersten Aufschlägen servierte "Nole" fast wie ein Schweizer Uhrwerk (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

"Das hat den Unterschied ausgemacht", meinte Murray, der Djokovic seit August 2011 immerhin zweimal besiegen konnte - so oft wie kein anderer Profi seitdem.

Der "Unvollendete" auf einem guten Weg

Ex-Profi Lendl sieht Murray trotzdem auf dem richtigen Weg. "Andy lernt überraschend schnell. Viel rascher als ich früher. Und er hat mehr Talent, als ich es jemals hatte", sagte der einstige Weltranglistenerste.

Mit einigen Psycho-Kniffen will Lendl den 24-Jährigen aus Dunblane, der im Kreise der "Fab Four" mit Djokovic, Nadal und Federer als der "Unvollendete" gilt, zu seinem ersten Grand-Slam-Sieg führen.

Dass Murray ein "feiner Kerl und guterzogener Bursche" ist, das hat Lendl in Miami immer wieder betont. Das trifft auch auf Djokovic allemal zu.

"Bye-bye"-Tour für Ballkinder

Unmittelbar nach seinem Finalerfolg und den medialen Pflichten absolvierte der amtierende Wimbledon- und US-Open-Sieger eine "Bye-bye"-Tour durch die Stadionkatakomben.

Freundlich winkte er in den Raum, in dem sich die Ballkinder aufhalten. Die Jungs und Mädels konnten ihr Glück kaum fassen.

So könnte es Novak Djokokic selbst bald ergehen: Wenn er sich in knapp zehn Wochen nach einem etwaigen Finalsieg rücklings in den roten Sand von Roland Garros fallen lassen und sich damit unsterblich machen würde.

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