Boris Becker (l.) und Charly Steeb gewannen 1988 den Davis Cup © getty

Mit Steeb droht der nächsten Ikone beim Verband das Aus. Interessenkonflikte und Forderungen des Haas-Managements stehen im Raum.

München - Boris Becker war der Erste. Teamchef, Chairman, Berater, er versuchte viel und erreichte nichts. Dann kam Michael Stich. Kaum hatte er als Davis-Cup-Kapitän auf der deutschen Bank Platz genommen, war er auch schon wieder weg.

Keinen Bock auf die Grabenkämpfe mit dem Verband. Sein Nachfolger Patrik Kühnen hielt länger durch, verpasste aber den richtigen Zeitpunkt zum Rücktritt deutlich. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) und seine Helden von einst - irgendwie passt das nicht zusammen.

Jetzt also Carl-Uwe Steeb. Der Schwabe, in jenen längst vergangenen goldenen Jahren an der Seite von Becker und Stich immerhin dreimal Davis-Cup-Sieger, wird seine dreijährige Amtszeit als Vizepräsident des DTB nicht überstehen.

Fürsprecher Altenburg

An der Seite seines alten Spezis Boris Becker hatte er sich vor mehr als zehn Jahren schon als Teamkapitän versucht und im November 2011 als Funktionär einen zweiten Anlauf im Verband gewagt.

Der neue DTB-Chef Karl Altenburg nahm seinen Tenniskumpel Steeb als Vizepäsident Sport mit ins Präsidium, eine Maßnahme, die schon damals von den Landesverbänden kritisch beäugt wurde.

Steeb ist bis November 2014 gewählt, doch in nie erlebter Einmütigkeit sprach sich nun der allmächtige DTB-Bundesausschuss - der Zusammenschluss der 18 Landesverbände - mit 18:0 (!) Stimmen dafür aus, "die Personalie Steeb zu überdenken".

Entscheidung vor Weihnachten

Steeb will diesen Beschluss nicht kommentieren, verrät aber, dass er längst über den Amtsverzicht nachdenkt: "Ich diskutiere seit einiger Zeit mit dem Präsidium darüber, dass meine ehrenamtliche Tätigkeit im Verband mit meiner beruflichen Situation zeitlich eigentlich nicht mehr zu vereinbaren ist."

Außerdem weist er darauf hin, dass "wir in den vergangenen beiden Jahren gute Arbeit geleistet und viele Dinge auf den Weg gebracht haben". Noch vor Weihnachten soll eine Entscheidung fallen, die - glaubt man den Landesverbänden und ihren Präsidenten - schon lange gefallen ist.

Den Ausschlag, so heißt es im Bundesausschuss, habe die Tatsache gegeben, dass Steeb vor wenigen Monaten mit seiner Agentur Insolvenz anmelden musste.

Turnier in München als Streitpunkt

Zu den Gläubigern, die seither an seine Tür klopfen, gehört auch das Management von Tommy Haas, dem angeblich noch eine erkleckliche Summe von seinem Gastspiel beim ATP-Turnier im Mai in München zusteht (DATENCENTER: Die ATP-Weltrangliste).

Dort war Steeb zuletzt als Veranstalter aufgetreten, nicht ohne am traditionsreichen Aumeister die eine oder andere teure Neuerung zu hinterlassen.

Dass nun ausgerechnet Haas, Deutschlands Nummer eins, so kurz vor dem wichtigen Davis-Cup-Heimspiel im Februar 2014 gegen Spanien mit dem Vizepräsidenten des DTB um Geld streitet, hält der Bundesausschuss für nicht tragbar.

Code of Conduct verletzt?

Altenburg bringt das auf die Palme. Zwar hat er seine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Bundesausschuss-Sprecher Robert Hampe in dieser Woche ebenso öffentlich beigelegt, weist aber mit Nachdruck darauf hin, dass man die Personalie Steeb seit einiger Zeit auf der Agenda habe.

"Wenn sich bei Charly Steeb berufliche Entwicklungen ergeben, die sich mit dem Code of Conduct (Verhaltenskodex, Anm. d. Red.) des DTB nicht vereinbaren lassen, dann muss man eine Entscheidung treffen", sagte Altenburg.

Jener Code of Conduct besagt, dass bei den Ehrenamtlern im DTB-Präsidium jegliche Interessenkollision ausgeschlossen sein muss. Diese hatten die Landesverbände im Fall Steeb aber schon bei dessen Engagement in München bemängelt.

Arriens noch nicht gefährdet

Steeb wird seinen Platz im DTB-Präsidium wohl noch in diesem Jahr räumen. Einen Plan B für seine Nachfolge gibt es nicht, aber da wäre ja noch Eric Jelen.

Der hat den Davis Cup zweimal gewonnen und ist im DTB noch ein unbeschriebenes Blatt.

Der aktuelle Davis-Cup-Kapitän Carsten Arriens sollte übrigens ganz gute Chancen auf eine lange Amtszeit haben, denn er war nicht dabei, als vor fast 30 Jahren die deutschen Heldengeschichten geschrieben wurden.

Ganz so einfach ist es dann aber auch im Fall Arriens nicht. Er wurde seinerzeit von seinem alten Freund Charly Steeb ins Amt berufen - obwohl es nach Meinung der Landesverbände geeignetere Bewerber gab.

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