Andrea Petkovic feierte zuletzt im Mai 2011 in Straßburg einen Turniersieg © getty

In Washington tritt Andrea Petkovic wie in alten Zeiten auf und will ihre Durststrecke beenden. Rittner denkt bereist an 2014.

Washington - Der Petko-Dance ist endgültig zurück in der großen weiten Tennis-Welt: Unweit des Weißen Hauses in Washington D.C., quasi als Nachbarin von US-Präsident Barack Obama, hat Andrea Petkovic ihr Erkennungszeichen von einst nach über zwei Jahren in ihr Repertoire aufgenommen.

Deutlicher hätte die Botschaft der 25-Jährigen nach einer Leidenszeit mit vier schweren Verletzungen in 14 Monaten nicht sein können: "Seht her, ich bin wieder hier - in meinem Revier."

Nur gut zwei Monate, nachdem sie nach der Niederlage in der Qualifikation der French Open die Brocken hinschmeißen wollte, ist die "alte" Petkovic wieder da. "Ich will wieder dahin, wo ich mal war. Ich habe die gleichen hohen und ehrgeizigen Ansprüche wie früher", sagte sie.

Zurück in den Top 50

Am Sonntagabend (ab 23.15 Uhr im LIVE-TICKER) spielt die ungesetzte Darmstädterin bei dem mit 235.000 Dollar dotierten Hartplatzturnier in Washington D.C. gegen Kerber-Bezwingerin Magdalena Rybarikova (Slowakei/Nr. 7) um ihren dritten Titel auf der WTA-Tour.

Ihre bis dato letzte Trophäe hatte Petkovic im Mai 2011 in Straßburg gewonnen (2009 Bad Gastein). Sicher ist, dass die ehemalige Nummer neun des Rankings durch ihr drittes Finale in dieser Saison wieder in die Top 50 zurückkehren wird. (DATENCENTER: Die WTA-Weltrangliste)

Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner traut "Petko" mittelfristig sogar ein Comeback unter den besten Zehn zu. "Der Finaleinzug ist sehr hoch einzuschätzen. Ich freue mich sehr. Auch weil ihr Knie offensichtlich hält", sagte Rittner und meinte: "2014 wird Andy voll angreifen."

Keine Lust mehr auf Reha

Petkovic scheint nach ihrer Krisenzeit, in der sie wegen ihrer Blessuren (u.a. Meniskus-OP, Ermüdungsbruch im Rücken) bis auf Platz 177 der Weltrangliste abgerutscht war und keine Lust mehr auf Reha hatte, mit sich im Reinen zu sein.

Und sie hat die Überzeugung wiedergewonnen, es erneut schaffen zu können.

Die Erleichterung darüber war der Einser-Abiturientin nach ihrem Halbfinal-Erfolg gegen die favorisierte Französin Alize Cornet (7:5, 6:3) anzumerken. Es war 2.14 Uhr am Sonntagfrüh (Orstzeit), als Petkovic in ihren neonorangefarbenen Schuhen über den Court tanzte.

Match startet erst nach Mitternacht

Bereits in den vergangenen Tagen hatte sie wieder auf den Petko-Dance gesetzt. Zuletzt hatte die 25-Jährige diesen Mitte Mai 2011 gezeigt.

Rund 200 Zuschauer hatten ausgeharrt und beklatschten die Nachtschwärmerin unter dem gleißenden Scheinwerferlicht frenetisch. "Queen of the Night" (Königin der Nacht) titelte die WTA auf ihrer Homepage über Publikumsliebling Petkovic. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Dabei waren die Voraussetzungen schwierig gewesen. Wegen des Regens in der amerikanischen Hauptstadt hatte sich der Beginn des Matches gegen Cornet immer wieder verzögert. Erst gegen 0.35 Uhr hatte die Partie begonnen.

Bänder statt Gewichten

Zur Überbrückung hatte sich Petkovic in den Katakomben "Wrestlemania" angesehen, eine Sendung über Wrestling. "Das war sehr interessant. Aber ich habe auch gelesen und etwas geschlafen zwischendurch", erzählte die Hessin, die im Achtelfinale Mona Barthel (Bad Segeberg) ausgeschaltet hatte.

In ihrer "zweiten Karriere", wie es Petkovic nennt, ist weniger oft mehr. Sie hat aus Fehlern gelernt, hört auf ihren Körper. "Ich trainiere jetzt kürzer, aber intensiver. Außerdem arbeite ich im Krafttraining nicht mehr mit Gewichten, sondern mit Bändern", berichtete die konstanteste Grand-Slam-Spielerin von 2011.

Ein paar Kilo hat sie abgenommen, "um mein Knie zu entlasten".

Der Extra-Glaube ans Unmögliche

Besonders der Finaleinzug von Sabine Lisicki in Wimbledon war für Petkovic eine zusätzliche Motivation. "Das hat mich inspiriert. Sabine hat diesen Extra-Glauben ans Unmögliche. Davon fühlt man sich angesteckt", sagte sie.

Tommy Haas indes verpasste in Washington den Final-Einzug. Der 35-Jährige unterlag seinem an Position eins gesetzten Angstgegner Juan Martin del Potro nach 1:53 Stunden mit 6:7 (4:7), 3:6 und ließ die Chance aus, am Sonntag um seinen 15. Titel auf der ATP-Tour zu spielen.

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