Karl Altenburg wurde 2011 zum Nachfolger von Georg von Waldenfels gewählt © imago

Verbandschef Altenburg will auf der Mitgliederversammlung mit Selbstkritik und Visionen punkten - aber verknüpft es mit Attacken.

Bad Neuenahr - Das Ambiente war prachtvoll, das immerhin.

Im Theatersaal des Kurhauses von Bad Neuenahr trafen sich die Mitglieder des in Aufruhr geratenen Deutschen Tennis Bundes (DTB) zur 64. Mitgliederversammlung (DTB in der Krise: Die nächsten Köpfe rollen).

Im neobarocken Saal, getaucht ins gelbe Licht der Kronleuchter, zog das Präsidium um Karl Altenburg nach einjähriger Amtszeit Bilanz. Auf Ergebnisse warteten die 136 stimmberechtigten Mitglieder jedoch vergebens.

Dafür überraschte Altenburg mit selbstkritischen Tönen. "Wir haben sicherlich einige Dinge überschätzt und zu hohe Erwartungen gehabt", sagte der 49-Jährige: "Wir sind nicht ohne Fehler, und vieles geht langsamer als erhofft. Aber wir haben eine klare Vision - und das ist wichtig."

"Lassen uns an Ergebnissen messen"

Die Umsetzung dieser Vision lässt allerdings auf sich warten. "Wir stehen am Anfang", gab Altenburg nicht nur einmal zu. "Es laufen Gespräche", verkündete der Investmentbanker nicht müde werdend.

Ob Medienpräsenz, Integration, der Online-Auftritt des DTB, Gespräche über die Zukunft des ATP-Turniers in Hamburg oder die Finanzen: Altenburg bat die Versammlung um Geduld und versprach: "Das Präsidium und ich lassen uns an Ergebnissen messen. " Die Frage ist nur: Wann?

Einen Nachfolger für Patrik Kühnen als Davis-Cup-Teamchef präsentierte Altenburg in Bad Neuenahr noch nicht. Der neue Teamkapitän soll offenbar in der kommenden Woche vorgestellt werden, Vize-Präsident Carl-Uwe Steeb sprach von zehn Tagen. "Der Neubeginn steht kurz bevor", sagte Altenburg.

Appell an die Quertreiber

Unabhängig von allen ungeklärten Personalfragen im Herrentennis müsse die Außendarstellung besser werden, forderte Altenburg: "Es gibt Dinge, die erschweren unsere Arbeit und machen sie teilweise unmöglich."

Altenburg sprach von "gezielten Querschüssen und Indiskretionen", die für ihn eine neue Erfahrung seien.

"So geht es nicht weiter", sagte er: "Ich appelliere eindringlich an die kleine Minderheit: Hören sie auf, dem deutschen Tennis zu schaden. Ziehen sie mit uns an einem Strang."

"Viele Dinge waren in furchtbarem Zustand"

Altenburg selbst allerdings glänzte aber auch nicht vollauf als Integrator, mehr als nur einen Seitenhieb hatte er für seinen Vorgänger Georg von Waldenfels parat.

"Wir haben eine Situation vorgefunden, die schlimmer als gedacht war", sagte Altenburg: "Viele Dinge waren in furchtbarem Zustand." Von Waldenfels verließ unmittelbar nach Altenburgs Rede den Saal.

Altenburg rechtfertigte sich später: "Ich wollte nur aufzeigen, unter welchen Bedingungen wir arbeiten müssen."

Er habe sich stets schwergetan zurückzublicken, da die Öffentlichkeit jedoch Ergebnisse fordere, habe er sich entschlossen, einen Einblick zum Stand der Übergabe des alten Präsidiums zu gewähren.

Hoffen auf die Zukunft

Der Blick zurück soll die Ausnahme bleiben. Für weitere zwei Jahre ist Altenburg gewählt, in dieser Zeit hofft er, den DTB zurück in ruhigere Gewässer zu führen.

Ein Film mit den sportlichen Erfolgen von Angelique Kerber und Co. sollte im 100 Jahre alten Theatersaal Hoffnung für die Zukunft machen. Im Hintergrund sang Linkin Park: "We're building it up. To break it back down".

Wir bauen es auf, um es wieder einzureißen.

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