Novum in 2012: Beim ATP-/WTA-Turnier in Madrid wird erstmals auf blauem Sand gespielt © getty

In Madrid sind Stars wie Nadal und Federer erzürnt wegen des Untergrunds. Serena Williams findet die blaue Asche "fein".

München/Madrid - Die Tennis-Nation USA sah beim Blick nach Europa nicht Rot - und war erheblich beunruhigt.

Ihr Trainer-Guru Nick Bollettieri fühlte sich deshalb verpflichtet, die heimische TV-Gemeinde über Schlumpfhausen jenseits des Atlantiks aufzuklären.

Also griff er während des in Madrid stattfindenden Zweitrunden-Matches zwischen Angelique Kerber und Venus Williams (6:4, 6:1) flugs zum Smartphone.

"Ihr braucht nicht zum Augenarzt zu gehen. Das ist wirklich BLAUER Sand", twitterte Bollettieri.

Als dann am Montag beim ATP/WTA-Premier-Turnier in der spanischen Metropole auch noch ein Linienrichter ohnmächtig zusammenbrach, wurde aus der latenten Kritik der letzten Tage bissiger Spott.

"Da sieht man, das blaue Zeug ist auch noch giftig", kommentierten einige Zuschauer, als sie die La-Caja-Magica-Anlage verließen.

"Es bringt den Spielern nichts"

Auch bei den Profis hat der etwas andere farbige Untergrund, der in dieser Woche in Madrid seine Weltpremiere feiert, mächtig Staub aufgewirbelt. (ATP Masters: LIVE im TV auf SPORT1)

Allen voran der spanische Sandplatz-König Rafael Nadal fühlt sich durch die optische Revolution in seinem ansonsten stets roten Reich tief getroffen.

"Blauer Sand ist ein Fehler. Es bringt den Spielern nichts und auch nicht dem Tennis. Aber dem Turnierbesitzer", maulte der sechsmalige French-Open-Gewinner mit bösem Blick in Richtung Ion Tiriac (SERVICE: ATP-Weltrangliste).

Sponsor-Logo ist ebenfalls blau

Der frühere Manager von Boris Becker hatte nach der Einführung von Models als Ball-"Kindern" auch die Idee für den aktuell so kontrovers diskutierten Farbwechsel.

Sinn und Zweck brachte die russische Weltranglistenzweite Maria Scharapowa auf den Punkt.

"Es hat einen Show-Effekt. Und darum geht es doch bei Turnieren, einmalig und anders zu erscheinen, um sich abzuheben und lukrativ zu sein", sagte die bestverdienende Sportlerin der Welt (20 Millionen Dollar pro Jahr).

Ach ja, ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Das Logo des Hauptsponsors der mit 5,12 Millionen Dollar dotierten Veranstaltung ist - blau (DATENCENTER: Die Ergebnisse aus Madrid).

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Harsche Kritik an Tiriac

Kanadas Aufschlagriese Milos Raonic fühlt sich beim Auftritt in den "Swimmingpools von Madrid" an etwas ganz Putziges erinnert: "Ich muss dauernd an die Schlümpfe denken".

Seinen Kollegen steht nach lustigen Vergleichen ganz und gar nicht der Sinn. Die Nummer eins Novak Djokovic warf der Spielervereinigung ATP vor, sich vor der Entscheidung pro blaues Wunder nicht mit den Spielern abgesprochen zu haben.

"Die ATP hätte einen besseren Job machen können", meinte der serbische Titelverteidiger und kritisierte, dass keiner der Topspieler eingeladen worden sei, den neuen Belag zu testen.

Roger Federer kann in diesem Kontext die Machtfülle von Tiriac, der behauptet, das Blau bringe nur Vorteile, weil man den Ball besser sehe, nicht nachvollziehen.

"Es ist nicht gut, dass er solche Dinge alleine in der Hand hat", sagte der Grand-Slam-Rekordsieger aus der Schweiz.

Serena Williams macht Witze

Nadal legte nach seinen ersten Auftritten in Schlumpfhausen sogar noch nach und behauptete, der Manolo-Santana-Court habe "zweieinhalb" Probleme.

"Die Lichtverhältnisse hinter dem Platz mit den Werbetafeln machen es schwer, den Ball zu sehen. Zudem ist der Court rutschiger als üblich. Vielleicht liegt es am blauen Sand", mutmaßte "Rafa" und untermauerte damit die Einschätzung vieler seiner Kollegen.

Serena Williams kann über den "blue trouble" von Madrid nur müde lächeln: "Blaue Asche ist doch fein. Ich könnte auch auf Eis spielen, falls es nötig ist."

Das müsste man ihren Landsleuten daheim aber auch wieder erklären.

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