Druck und Anspannung waren während der zwei Wochen der Heim-WM im österreichischen Ski-Team omnipräsent. Mit Mario Matt ist aber am Donnerstag die personifizierte Gelassenheit ins ÖSV-Quartier eingezogen. Vor dem Slalom-Showdown am Sonntag, in dem der Tiroler mit seinem dritten WM-Titel Geschichte schreiben könnte, meinte Matt fast schon tiefenentspannt: "Das ist ein Rennen wie jedes andere."

Vielleicht ist das auch der Grund, warum der Flirscher schon zweimal bei Weltmeisterschaften eiskalt zugeschlagen und 2001 in St. Anton sowie 2007 in Aare Gold abgeräumt hat. Darüber, dass er nach dem legendären Ingemar Stenmark der zweite Dreifach-Weltmeister der Slalom-Geschichte werden kann, zerbricht sich Matt nicht den Kopf: "Zuerst müssen zwei gute Läufe gefahren werden, dann sehen wir eh weiter."

Als Topfavoriten werden Marcel Hirscher und Felix Neureuther gehandelt. "Ob ich für andere Favorit bin oder nicht, ist völlig egal. Wichtig ist, wie ich mich fühle und was ich mir zutraue", sagte der 33-jährige Matt und fügte hinzu: "Wenn ich nicht die Aussicht auf eine Medaille hätte, bräuchte ich nicht mitfahren. Ich weiß, dass mit zwei guten Läufen alles drinnen ist."

Zwei gute Läufe, die hat Matt in dieser Saison nach seiner Ansicht noch nicht an einem Renntag hingelegt. Dabei war er Dritter in Zagreb und Zweiter in Adelboden. Direkt vor der WM-Generalprobe in Kitzbühel ist Matt sein Nummer-eins-Rennski kaputt gegangen. In Kitz ist Matt ausgeschieden, die Wochen seitdem hat er zum Heraustesten von neuen schnellen Latten genützt. "Ein, zwei Paar haben wir schon gefunden", berichtete Matt.

Die Wetter- und Schneebedingungen könnten Matt in die Karten spielen. "Das wird sich herausstellen, aber im Prinzip müsste es passen", sagte Matt, der am Sonntag wohl sein letztes WM-Rennen bestreiten wird, mit einem vielversprechenden Grinsen.

Der 35-jährige Manfred Pranger wird ebenfalls nicht mehr allzu viele WM-Einsätze absolvieren. Deshalb möchte der Tiroler das Heimrennen in vollen Zügen genießen, nach Schladming hat er seine Gattin Karin und seine Kinder Laura und Mario mitgenommen. "Ich möchte, dass meine Kinder von der Startnummernauslosung bis zum Rennen alles rundherum mitbekommen."

Der Slalom-Weltmeister 2009 ist schon zuversichtlicher zu einer WM gereist. "Zum ersten Mal komme ich zur WM und habe keine Plätze in Podiumsnähe im Gepäck", sagte Pranger, der aber immerhin die Ränge 6, 7 und 9 zu bieten hat und damit im Slalom-Weltcup hinter Marcel Hirscher und Matt drittbester Österreicher ist.

"Ich habe mit den Schnellsten mitgehalten, aber leider nur abschnittsweise. Eines ist klar: die Musik spielen andere. Zu den Favoriten gehöre ich nicht", meinte der Gschnitzer zurückhaltend. Pranger wäre viel lieber in einer Rolle a la Hirscher. "Der Druck des Topfavoriten wäre mir deutlich lieber. Ich warte jetzt schon zweieinhalb Jahre auf ein Topergebnis. Das sind keine schönen Zeiten für einen Sportler."

Die vergangenen drei Wochen hat Pranger genützt, um auf so vielen unterschiedlichen Schneebedingungen wie möglich zu trainieren und zu testen. "Ich will einfach flexibler und für alles gerüstet sein." Beim genaueren Hinschauen findet Pranger durchaus Parallelen zu Val d'Isere 2009: "Der Hang ist ähnlich schwierig und auch der Untergrund könnte annähernd gleich sein."

Benjamin Raich hat sich laut eigenen Angaben noch keine Gedanken gemacht, ob er bei der WM 2015 in Vail noch dabei sein wird. "Ich bin ja noch jung." Der Slalom am Sonntag stellt für den 34-Jährigen auf jeden Fall nach Super-Kombi (Ausfall) und Riesentorlauf (9.) seine letzte Chance in Schladming auf die 15. Medaille seiner Karriere dar.

Mit vier Siegen beim "Nightrace" ist Raich Schladminger Rekordsieger. "Es schadet nicht, aber letztendlich muss man sich immer wieder aufs Neue behaupten. Das werde ich am Sonntag probieren, ich werde alles geben, dann wird man sehen."

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