Beim nächsten America´s Cup wird mit Mehrrumpf-Booten gefahren © getty

Segel-Legende und BMW-Oracle-Skipper Russell Coutts spricht bei Sport1.deüber nie dagewesene Geschwindigkeiten der neuen Yachten im America's Cup. Im Rechtsstreit mit Titelverteidiger Alinghi winkt eine Lösung.

München - Ein Silberstreif am Horizont: Nach schier endlosen juristischen Auseinandersetzungen ist die Austragung des 33. America's Cup in Sicht.

Mitte März 2009 ist nach der gegenwärtigen Rechtslage mit dem Duell zwischen Titelverteidiger Alinghi und Herausforderer BMW-Oracle zu rechnen - sollte nicht erneut ein findiger Anwalt dazwischenfunken.

"Die Chancen stehen gut, dass es klappt", gibt sich BMW-Oracle-Skipper Russell Coutts im Gespräch mit Sport1.de optimistisch.

Bald sollen dann auch wieder andere Teams am prestigeträchtigen Wettstreit um die älteste Sporttrophäe der Welt teilnehmen.

"Back on the water"

"Wir wollen den Cup als ein Event mit mehreren Herausforderern wieder auf die Reihe bringen, und zwar so schnell wie möglich", richtet Coutts schon den Blick auf den 34. Cup, der möglichst schon 2010 stattfinden soll.

Doch dafür muss erst der juristisch erzwungene Zweikampf über die Bühne gehen.

"Back on the water", "zurück auf dem Wasser", heißt treffend das neue Motto der beiden Partner - des bayrischen Autobauers BMW und des US-amerikanischen Software-Konzerns Oracle -, die am Mittwoch in München die Erneuerung ihrer Partnerschaft verkündeten.

Zerstörte Hoffnungen

In der jüngeren Vergangenheit machte das Syndikat nur durch die fortwährende rechtliche Auseinandersetzung mit Alinghi von sich reden, die andere Crews wie das Team Germany aufgrund der fehlenden Planungssicherheit in die Knie zwang: Jochen Schümann und Co. wurden von ihren Geldgebern vor die Tür gesetzt.

Dabei hegte man nach der ersten Austragung des America's Cup in Europa nach 156 Jahren im vergangenen Jahr gerade in Europa große Hoffnungen.

Reglement von 1852

Valencia hatte sich trotz anfänglicher Flaute als Austragungsort bewährt, Teamchefs und Sponsoren drängten auf eine baldige Neuauflage.

Doch BMW-Oracles Vorgehen gegen die Spanier von Desafio Espanol, die als "Challenger of Record" fungieren sollten, hatte Erfolg, weshalb die deutsch-amerikanische Kampagne nach den Regeln der Stiftungsurkunde von 1852 nun Alinghi herausfordern darf.

Gesegelt wird an einem Ort, den die Alinghi-Führung noch zu bestimmen hat, erstmals mit Katamaranen.

"Neue Boote werden Monster"

"Ein außergewöhnliches Kapitel des America's Cup beginnt", freut sich Coutts: "Die neuen Boote werden Monster. Wir werden möglicherweise Geschwindigkeiten erreichen, die noch nie mit einem Segelboot erreicht wurden."BILD

BMW-Vorstandmitglied Ian Robertson macht die Ambitionen klar: "Wir freuen uns darauf, den 33. America's Cup zu gewinnen. Wir haben 2007 unsere Ziele nicht erreicht. Aber es ist nicht unsere Art, aufzugeben. Wir machen keine halben Sachen."

Angriff mit neuem Personal

Im vergangenen Jahr war BMW-Oracle schon im Halbfinale des Louis-Vuitton-Cup am italienischen Team Luna Rossa gescheitert ? auch deshalb holten sie sich mit Coutts den wohl besten Skipper, der auf dem Markt ist, und verpflichteten zahlreiche weitere namhafte Segler.

Robertson über Coutts: "Der Mann ist eine Ikone, eine lebende Legende. Ich könnte mir keinen besseren Skipper vorstellen."

Valencia der Favorit

Wenn es nach Coutts ginge, wäre der Cup bald wieder in Valencia. Das wurde den spanischen Organisatoren auch zugesagt.

Auch wenn das US-Syndikat, das für den Golden Gate Yacht Club an den Start geht, natürlich die Heimat lockt. Dafür müsste es jedoch zuerst Alinghi schlagen.

"San Francisco wäre fantastisch hinsichtlich der Windbedingungen", gibt Coutts zu: "Aber es gibt keinen Platz, um eine ähnliche Infrastruktur wie in Valencia zu installieren. Valencia wäre die einfachste und cleverste Lösung."

Julian Meißner