DSV-Präsidentin Christa Thiel hat die harte Kritik von Britta Steffen zurückgewiesen.

"Ich führe den Verband seit zwölf Jahren. Wenn ich keine halbwegs vernünftige Kompetenz hätte, hätte ich das nicht gekonnt", sagte Thiel und betonte: "Der Verband besteht auch nicht nur aus Beckenschwimmen."

Sie könne sich vorstellen, dass bei der Weltrekordlerin und deren Lebensgefährten Paul Biedermann "der Frust tief sitzt. Die Gründe werden dann nicht immer ausschließlich bei sich gesucht. Die Beiden waren ja nicht so sehr erfolgreich. Zu Zeiten, wo sie das waren, hatte ich das Gefühl, dass das ein gutes Auskommen war."

Steffen, die nach ihrem Doppelsieg 2008 in Peking bei den Olympischen Spielen in London leer ausgegangen war, hatte kritisiert, dass sie vom Deutschen Schwimm-Verband (DSV) nur selten Rückhalt verspüre. Leidenschaft für Schwimmsport habe sie bei der ehemaligen Turniertänzerin Thiel, die seit 2000 den DSV führt, "noch nicht erlebt". Biedermann hatte zudem die Nachwuchsarbeit des DSV kritisiert.

Thiel betonte, dass der DSV "erhebliche Beiträge" geleistet habe, "sie haben alle Trainingslager bezahlt bekommen." Sie sei von anderen Athleten nach ihrer Wiederwahl beglückwünscht worden.

Auch Steffens Kritik, die Trainer hätten Angst um ihre Jobs, wies die DSV-Präsidentin zurück. Man habe nach dem Ergebnis von London zunächst die Mittelzuteilung und die Evaluation der Strukturkommission abwarten müssen, "die Trainer wissen schon seit dem letzten Wochenende Bescheid".

Nach "SID"-Informationen soll der Bundesstützpunkt Frankfurt/Main wegfallen, Hamburg, Berlin, Essen, Heidelberg und Halle/Saale sollen bleiben.

Steffen war mit ihrer Kritik in Athletenkreisen auf Verständnis gestoßen. "Das ist nicht zu 100 Prozent von der Hand zu weisen. Sie hat nicht Unrecht, wenn sie sagt, dass man sich nicht zu 100 Prozent auf den Verband verlassen kann", sagte die scheidende Athletensprecherin Dorothea Brandt am Rande der Kurzbahn-DM in Wuppertal.

Freistilsprinter Marco di Carli ergänzte: "Die Gesamtsituation ist für alle nicht befriedigend. Der Trend geht im Moment nach unten."

Der Frankfurter mahnte eine "professionelle Entscheidung" bei der Bundestrainersuche an. "Ich habe keinen Bock, mir den Arsch aufzureißen in einem Verband, wo A nicht weiß, was B macht", sagte di Carli.

Allerdings äußerte er Verständnis dafür, dass die Entscheidung über den Nachfolger des vor einem Jahr entlassenen Dirk Lange noch nicht gefallen ist: "Das lässt sich nicht in einer Nacht- und Nebelaktion entscheiden."

Brandt, die bei der Wahl zum Aktivensprecher am Wochenende nicht mehr antreten will, verteidigte allerdings auch DSV-Präsidentin Thiel. "Ich kann nicht sagen, dass sie nicht brennt", sagte sie, "sicher kommt sie nicht aus dem Schwimmsport. Aber sie arbeitet sehr hart, sie ist ein Workaholic, der nicht nur samstags und sonntags, sondern auch nachts arbeitet."

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