Der ehemalige Cheftrainer Ralf Beckmann hat in deutlicher Form Missstände im Deutschen Schwimm-Verband (DSV) angeprangert und eine Neuausrichtung gefordert.

"Der Verband befindet sich in einer Schlechtwetterzone. Wir brauchen dringend einen Klimawandel", sagte Beckmann beim 71. Verbandstag in Hamburg, bei dem er für seinen Redebeitrag viel Applaus bekam.

Vor allem bei den Beckenschwimmern sei nach dem Olympia-Debakel ein Umdenken notwendig: "Ohne sarkastisch zu klingen: Null Medaillen sind eine hervoragende Ausgangsposition, um besser zu werden."

Beckmann, der von 2001 bis 2006 die deutschen DSV-Athleten als Cheftrainer betreut hatte, kritisierte unter anderem die Überforderung der Trainer:

"Sie werden durch Vorgaben zunehmend eingeengt. Es gibt Trainer, die schauen heute mehr vor den Computer als auf den Armzug ihrer Schwimmer. Da ist etwas aus der Balance geraten."

Zudem stellte der 66-Jährige die Position des Direktor Leistungssport, die seit 2008 der Hallenser Lutz Buschkow als Weisungsbefugter aller DSV-Fachsparten bekleidet, infrage.

"Ich schätze Lutz persönlich sehr. Aber die Position hat uns nicht geholfen, uns international stärker zu machen. Nicht im Schwimmen, nicht im Wasserspringen, nicht im Synchronschwimmen, nicht im Wasserball", sagte Beckmann.

Buschkow gab zu, dass "die Olympiamannschaft nicht die Erwartungen erfüllt" habe, auch weil das Personalkonzept aus unterschiedlichen Gründen nicht aufgegangen sei.

Der Leistungssportdirektor gab zudem zu bedenken, dass trotz aller Bemühungen ein besseres Ergebnis bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro keine Selbstverständlichkeit sei: "Es kann sein, dass wir den Tiefpunkt noch gar nicht erreicht haben."

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