Paul Biedermann gewann bei der WM 2009 zweimal Gold
Paul Biedermann gewann bei der WM 2009 zweimal Gold © getty

Paul Biedermann glänzt beim Comeback mit neuer Taktik und räumt drei Meistertitel ab. Der Bundestrainer glaubt an EM-Gold.

München - Ian Thorpe legte die Stirn in Falten, nur ganz kurz zitterte seine Stimme.

Dann fuhr der fünfmalige Olympiasieger in leisen, aber deutlichen Worten fort und sprach erstmals öffentlich über das Thema, das ihn schon so lange beschäftigt.

"Ich bin nicht hetero", sagte der 31-Jährige: "Ich fühle mich wohl dabei, zu sagen, dass ich ein schwuler Mann bin."

Emotionales Gespräch

Durch sein Coming-out im Interview mit dem australischen TV-Sender "Channel Ten" beendete der Schwimmstar am Sonntag damit jahrelange, öffentliche Spekulationen um seine sexuelle Orientierung. Wie belastend diese Zeit für Thorpe war, wurde in dem emotionalen Gespräch deutlich.

Er habe lange Zeit über dieses Thema nachgedacht, sagte der elfmalige Weltmeister, "es ist etwas, was ich erst in den letzten zwei Wochen den Menschen sagen konnte, die mir am nächsten sind."

In der Vergangenheit hatte der Australier Vermutungen über seine Homosexualität stets zurückgewiesen. Auch in seiner Autobiographie "This is me" wies Thorpe die Spekulationen von sich.

"Ich bin nicht schwul"

"Ich bin nicht schwul", schrieb er damals: "Ich fühle mich zu Frauen hingezogen, ich liebe Kinder und möchte eines Tages eine Familie gründen."

[tweet url="//twitter.com/IanThorpe/statuses/488258264745123840"]

Vor allem die Sorgen um die schwierig einzuschätzenden Reaktionen der Öffentlichkeit waren es, die einen der bekanntesten Australier lange Zeit vom Coming-out abhielten, sagte Thorpe: "Irgendwann wurde die Lüge aber so groß, dass ich meine Integrität infrage gestellt sah."

Zuletzt war der 1,95-m-Mann, der 2011 fünf Jahre nach seinem Rücktritt ein Comeback wagte und beim Anlauf auf seine vierte Olympia-Teilnahme 2012 in London scheiterte, wegen psychischer Probleme Anfang Februar in einer Spezialklinik behandelt worden.

Selbstmordgedanken beschäftigen ihn

Im Interview mit "Channel Ten" berichtete er nun, bereits im Alter von 19 Jahren Anti-Depressiva zu sich genommen und sich zeitweise sogar mit Selbstmordgedanken getragen zu haben.

Er habe sich lange Zeit nach den Werten anderer Menschen gerichtet, sagte Thorpe, oder nach dem, was er dafür hielt.

"Ein Teil von mir wusste nicht, ob Australien wollte, dass sein Champion schwul ist. Aber jetzt sage ich es nicht nur meinem Land, sondern der Welt. Und ich hoffe, dass es dadurch auch für Andere einfacher wird."

Nachricht schlägt hohe Wellen

Die Nachricht von Thorpes Outing schlug gleich hohe Wellen.

Auch Wassersprung-Olympiasieger Matthew Mitcham, der sich selbst im Jahr 2008 geoutet hatte, hoffte auf eine Signalwirkung.

"Ich kann absolut verstehen, wie schwer diese Entscheidung für ihn war", sagte der 26-Jährige der Zeitung "The Sunday Telegraph": "Ich hoffe, die Medien und die Öffentlichkeit behandeln ihn mit dem selben Respekt und der Unterstützung, die ich erfahren habe. Das ist eine schöne Gelegenheit, ein Beispiel für junge Leute zu geben, die in Ians Position sind."

Thorpes Botschaft

Thorpe selbst sagte zudem, er wolle nicht, "dass junge Menschen sich so fühlen müssen wie ich damals."

Seine Botschaft: "Du kannst aufwachsen, du kannst dich wohlfühlen - und du kannst schwul sein."

Rodney Croome, Vorsitzender des Amtes für gleichgeschlechtliche Ehen, meinte: "Ich hoffe, dass die Australier Thorpes Mut und Vertrauen respektieren. Nichts hat sich an Ian Thorpe geändert. Er ist noch immer ein großartiger Olympionike und ein großer Australier."

Weiterlesen