Paul Biedermann bestritt in Berlin sein erstes wichtiges Rennen seit Olympia 2012 © imago

Paul Biedermann wird bei seinem Comeback gleich deutscher Meister. Auch Dorothea Brandt überzeugt - und schafft endlich Historisches.

München/Berlin - Paul Biedermann atmete tief durch und lächelte vor Erleichterung: Dem zweifelnden Weltrekordler ist bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin eine starke Rückkehr nach langer Wettkampfpause gelungen.

Bei seinem ersten wichtigen Rennen auf der Langbahn seit Olympia 2012 sicherte sich der Hallenser nach einer beeindruckenden Schlussbahn in 3:47,89 Minuten den nationalen Titel über 400 m Freistil.

Teil-Norm erfüllt

"Ich bin superglücklich", sagte ein sichtlich erleichterter Biedermann: "Ich war vorher stark am Zweifeln."

Der Doppel-Weltmeister von 2009, der wegen eines verschleppten Infekts die WM-Saison ausgelassen hatte, schaffte mit der weltweit neuntbesten Zeit in diesem Jahr zudem die Teil-Norm für die Heim-EM im August an selber Stelle.

Biedermann, der in Berlin auch noch über die 100 und 200 m Freistil an den Start geht, erhielt ein Sonderlob von Bundestrainer Henning Lambertz: "Die Zeit ist sehr, sehr gut. Er hat sich stark zurückgemeldet."

Brandt knackt deutschen Rekord

Für ein Ausrufezeichen sorgte am Freitag auch Sprinterin Dorothea Brandt.

Die 30-Jährige aus Essen stellte im Vorlauf über 50 m Brust in 30,77 Sekunden die in der Ära der High-Tech-Anzüge geschwommene Bestmarke von Kerstin Vogel (2009) ein.

Bei ihrem Finalsieg wenige Stunden später war Brandt aber um 13 Hundertstelsekunden langsamer, obwohl sie vorher angekündigt hatte: "Ich möchte, dass mein Name da steht und sonst kein anderer. Punkt."

Über 50 m Schmetterling machte die WM-Achte ihren Doppel-Sieg perfekt.

"Es hat sich nicht so angefühlt"

Der verflixte Rekord, dem Brandt jahrelang vergeblich hinterhergejagt war, kam für die Essenerin überraschend. "Es hat sich nicht so angefühlt, wie es auf der Anzeigetafel stand", sagte Brandt nach dem Vorlauf: "Ich habe wirklich so wenig Brust in diesem Jahr trainiert, aber vielleicht war das nicht so schlecht."

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Steffen Deibler konnte derweil den ersten von vier Titeln aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigen.

Der Olympia-Vierte aus Hamburg setzte sich im Endlauf über 50 m Schmetterling in 23,23 Sekunden wie erwartet durch. Ebenso zu Meisterehren kamen Johanna Friedrich (400 m Freistil), Hendrik Feldwehr (50 m Bust) sowie Jenny Mensing und Nicolas Graessner (jeweils 50 m Rücken).

Thiel: EM "killt" Verband nicht

Nach den sechs EM-Normerfüllungen zum Auftakt kamen in den Finals am Freitag, die mit einer Schweigeminute für den verstorbenen DOSB-Ehrenpräsidenten Manfred von Richthofen begannen, 16 weitere hinzu.

Beim Überprüfungswettkampf in elf Wochen in Essen müssen die Athleten aber auch noch gewisse Zeiten und Plätze erreichen.

Die Kosten für die EM laufen derweil "ein bisschen aus dem Rahmen", wie DSV-Präsidentin Thiel am Freitag zugeben musste.

Grund dafür seien gestiegene Anforderungen des Fernsehens und Mehrkosten bei der Sicherheit und bei der geplanten Installation des Pools ins Velodrom.

"Ich bin hoffnungsfroh, dass wir da ordentlich rauskommen, ohne dass es den Verband killt", sagte Thiel.

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