Der Deutschland-Achter ist seit 34 Rennen ungeschlagen © getty

Der DRV-Achter scheint auf dem Weg zum Olympia-Gold unstoppbar zu sein. Für Wirbel sorgt die Nominierung für London im Einer.

Luzern - Erleichterung statt Euphorie, kurzer Jubel statt langer Siegesfeier: Als der schier unbesiegbare Deutschland-Achter die komplette Weltelite in Luzern ratlos zurückgelassen hatte, begann sofort die Vorbereitung auf die olympische Gold-Mission (Bericht: 34. Sieg! DRV-Achter unaufhaltsam).

Statt traditionell den Ruder-Weltcup auf dem Rotsee bei einem Siegerbier am Ufer der Reuss ausklingen zu lassen, machten sich die bärenstarken Modellathleten sofort auf den Heimweg. Im Gepäck die endgültige Gewissheit, dass man in London als großer Favorit aufs Wasser gehen wird.

"Noch nicht erlebt"

"Die Stabilität ist beeindruckend. Das habe ich so noch nicht erlebt", sagte Achter-Trainer Ralf Holtmeyer nach dem 34. Sieg der Crew um Schlagmann Kristof Wilke (Radolfzell) seit Olympia in Peking 2008 in Serie.

Das Weltmeisterboot wehrte in Luzern bei seiner Demonstration der Stärke alle Angriffe der Konkurrenz nervenstark ab und hatte bei seinem Start-Ziel-Sieg eine halbe Länge Vorsprung auf Vize-Weltmeister Großbritannien.

Dritter wurde Olympiasieger Kanada, der im Vorlauf mit seiner Weltbestzeit leichte Unruhe im deutschen Großboot ausgelöst hatte.

Kanada beeindruckt

"Wir sind erleichtert, die Vorlaufzeit der Kanadier hatte uns schon beeindruckt. An der Spitze sind uns Flügel gewachsen, hinten raus hatten wir noch viel PS", sagte Wilke.

Für das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) steht nun eine Woche individuelles Training an, bevor man ab dem 4. Juni mit dem gemeinsamen Training in Dortmund endgültig den Countdown für die Sommerspiele (27. Juli bis 12. August) einläutet.

"Gutes Gefühl"

"Der Sieg gibt einem ein gutes Gefühl für die letzten Wochen der Olympia-Vorbereitung", meinte der Berliner Steuermann Martin Sauer, der nach dem beeindruckenden Erfolg von den Ruderern in hohem Bogen in den See befördert wurde.

Nun wartet aber harte Arbeit auf den Achter. Das Weltcup-Finale in München (15. bis 17. Juni) wird das Team aus dem Training heraus fahren, dem großen Ziel Olympia-Gold wird alles untergeordnet. "Das Feld wird immer enger. Nicht nur die Engländer sind unsere Gegner. Der Druck wird größer, je näher London kommt", so der Berliner Andreas Kuffner.

Glanz im Schatten des Achters

In Luzern glänzte aber nicht nur der Deutschland-Achter. Für den zweiten Sieg der deutschen Flotte sorgten die ehemaligen Weltmeister Eric Knittel/Stephan Krüger (Berlin/Rostock) im Doppelzweier. Zudem belegten der Männer- und der Frauen-Doppelvierer jeweils Platz zwei, Dritte wurden Britta Oppelt/Annekatrin Thiele (Berlin/Leipzig) im Frauen-Doppelzweier.

Alles nach Plan

"Die Leistungen geben uns die Sicherheit, die auf dem Weg nach London notwendig ist. Hier war die gesamte Weltspitze am Start", sagte DRV-Cheftrainer Hartmut Buschbacher: "Wir liegen im Plan. Wir wissen aber auch, dass wir uns noch weiter verbessern müssen."

Unruhe wegen Einer

Für Unruhe sorgt bei DRV derzeit die Besetzung des Einers. Ex-Weltmeister Marcel Hacker (Frankfurt/Main) ließ als Fünfter seine nationalen Konkurrenten Mathias Rocher (Magdeburg) und Karsten Brodowski (Berlin) zwar deutlich hinter sich, einen Freifahrtschein vom DRV bekam der WM-Vierte allerdings nicht.

Ausscheidungsrennen angedacht

Buschbacher denkt sogar über ein internes Ausscheidungsrennen nach. Eine Vorstellung, die bei Hacker auf wenig Gegenliebe stößt. Auf solche Spielchen habe er keine Lust, ließ Hacker verlauten. (NEWS: Hacker bangt um Olympia)

Hacker hatte beim DRV-Frühjahrstest geschwächelt und damit die Diskussion ausgelöst. In Luzern war Rocher im Halbfinale ausgeschieden, Brodowski scheiterte im Viertelfinale.

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