Ludger Beerbaum gewinnt 1992 die olympische Goldmedaille © getty

Ludger Beerbaum wird 50 Jahre alt. Für den Springreiter kein Grund zum Aufhören. Bei der EM hat er gezeigt, wie wertvoll er ist.

Herning - Eigentlich wollte Ludger Beerbaum seine Karriere schon längst beenden.

"Ich werde nicht als alter Mann mit 50 noch im Sattel sitzen", hatte der beste deutsche Springreiter der vergangenen beiden Dekaden schon vor einigen Jahren angekündigt.

An diesem Montag wird der viermalige Olympiasieger nun 50 - und reitet immer noch auf höchstem Niveau.

Am Gewinn der Silbermedaille bei der Europameisterschaft in Herning/Dänemark hatte der Altmeister großen Anteil.

Charismatischer Provokateur

"Dann mache ich halt noch ein bisschen weiter", sagt der charismatische Wortführer gerne, wenn er auf das Thema Rücktritt angesprochen wird.

Er selbst sieht seine Worte nicht in Stein gemeißelt, findet das Gespräch an sich bedeutend, redet gerne und viel, provoziert und eckt an.

Mit ihm kommt Leben in die Bude - und in jedes Team.

Fragwürdige Doping-Einstellung

Einige Male setzte er sich mit seinen Aussagen schon in die Nesseln. 2009 sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" über den Umgang mit unerlaubten Medikationen und Substanzen: "Im Laufe der Jahre habe ich mich darin eingerichtet, auszuschöpfen, was geht. (...) In der Vergangenheit hatte ich die Haltung: Erlaubt ist, was nicht gefunden wird."

Daraufhin wude er von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) für mehrere Wochen suspendiert.

Beerbaum liebt das Reiten zu sehr, um aufzuhören

Beerbaum, der seinen Geburtstag zu Hause im Familienkreis feiert ("Das hat dann mal nichts mit Turnieren oder Sport zu tun"), liebt das Reiten zu sehr, als dass er schon aufhören und seinen Angestellten und Freunden Marco Kutscher, Philipp Weishaupt und Henrik von Eckermann die Welt der Turniere überlassen würde.

Zu Hause in Riesenbeck ist er als Vater zweier Töchter und Unternehmer gefragt.

Er führt eine Reitanlage und verkauft für viel Geld Pferde, die er zuvor auf Turnieren bekannt gemacht hat.

Eine Gold-Medaille fehlt noch

Gerne wäre der gebürtige Detmolder auch Deutschlands erfolgreichster Springreiter. Das ist momentan noch Hans Günter Winkler, der diese Auszeichnung auf seiner Visitenkarte stehen hat.

Der heute 87-Jährige hat bei Olympischen Spielen einmal Gold mehr gewonnen.

Auch Beerbaum war schon im Besitz der fünften Goldmedaille bei den Spielen in Athen 2004, zu denen er die deutsche Mannschaft als Fahnenträger ins Olympiastadion geführt hatte.

Wenige Monate später wurde ihm und seinen Teamkollegen das Edelmetall wieder aberkannt, weil bei seinem Pferd "Goldfever" die unerlaubte Medikation Betamethason festgestellt worden war.

Fast alles gewonnen

Unbeirrt sammelte Beerbaum danach weiter Trophäen. Daheim in seiner Vitrine sind die wichtigen Pokale ausgestellt, er hat fast alles gewonnen - mehrfach.

Nur ein großer Titel fehlt ihm noch, der des Weltmeisters im Einzelspringen. Auch im kommenden Jahr, bei den Weltreiterspielen in der Normandie, wird er wieder einen Anlauf nehmen, diesen letzten noch fehlenden Erfolg zu holen.

Auch wenn er dann nach eigenen Aussagen schon ein alter Mann ist ...

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