Ludger Beerbaum ist viermaliger Olympiasieger
Ludger Beerbaum wurde neunmal Deutscher Meister, zuletzt 2011 © getty

Zum Abschluss der EM reiten Beerbaum, Deußer und Co. im Einzel an Edelmetall vorbei. Christian Ahlmann fühlt sich ausgesiebt.

Herning - Ludger Beerbaum erklärte Ehefrau Arundell seine Fehler im Parcours, Daniel Deußer machte sich Gedanken, wie er wohl ohne Rückflugticket nach Hause kommt:

Die deutschen Springreiter trauerten der verlorenen Medaille im EM-Einzelfinale von Herning nicht lange nach.

Debütant Deußer (11,01 Punkte) wurde im Sattel von Cornet d'Amour beim Triumph des französischen Altmeisters Roger Yves Bost (1,58) mit Myrtille Fünfter, Beerbaum (11,34) kam mit Chiara auf Rang sechs.

"Ihr werdet es nicht glauben, aber ich bin mit dem Turnier zufrieden", sagte Beerbaum, der am Montag seinen 50. Geburtstag feiert: "Man muss das gesamte Championat sehen. Ich war Nachrücker. Dafür ist Rang sechs gut. Außerdem ist meine Stute noch sehr unerfahren."

"Man hat gesehen, dass Chiara die letzte Erfahrung fehlte", bemerkte der viermalige Olympiasieger, der sich im Finale vor 8000 Zuschauern in der ausverkauften MCH-Arena in beiden Runden je einen Abwurf leistete.

Deußer zufrieden

Auch Deußer hatte sich schnell gefangen.

"Als Debütant gleich auf Rang fünf zu landen, ist nicht schlecht", meinte der 32-Jährige.

Nach drei Tagen ohne Fehler hatte auch der Deutsche Meister mit seinem zehn Jahre alten Hengst wie Beerbaum im Finale je einen Abwurf pro Runde.

Hinter dem 47-Jährigen Bost, der schon 1990 Team-Weltmeister wurde, kamen die Briten Ben Maher mit Cella (4,00) und Scott Brash mit Hello Sanctos (6,72) auf die Plätze zwei und drei.

"Das war nicht unser letztes Championat"

Deußer sah die EM auch als Lehrstunde.

"Wir haben hier viel mitgenommen. Ich denke, das war nicht unser letztes Championat", sagte der im belgischen Wolvertem beheimatete Reiter. Viel wichtiger aber war Deußer, wie er nach Hause kommen soll.

"Ich hatte mir am letzten Montag nur ein Hinflugticket gekauft. Jetzt bin ich mal gespannt, wann es zurückgeht."

Becker freut sich über neue Championatspaare

Bundestrainer Otto Becker zog ein positives Fazit.

"Unterm Strich können wir zufrieden sein, auch wenn wir heute keine Medaille gewonnen haben", meinte Becker.

"Mit Silber im Nationenpreis bin ich total happy. Außerdem haben wir hier zwei neue Championatspaare gesehen, die für die Zukunft hoffen lassen", meinte der Chef-Coach über die Duos Deußer/Cornet d'Amour und Beerbaum/Chiara mit Blick auf die WM im kommenden Jahr in der Normandie.

Ahlmann wird "ausgesiebt"

Christian Ahlmann war mit Platz zwölf nicht ganz so zufrieden.

"Bei einer Europameisterschaft wird gesiebt. Heute wurde gesiebt und ich bin durchgefallen", meinte der Weltranglisten-Erste. Mit Codex One hatte er am Finaltag drei Abwürfe und zwei Zeitfehler.

"Das war nicht optimal", sagte der 38-Jährige, der sich aber gut mit der Medaille im Teamspringen trösten konnte: "Deshalb bin ich mit dieser EM auch zufrieden, weil ich nach langer Zeit bei einem Championat überhaupt etwas geholt habe."

Nagel schont lieber sein Pferd

Deutschlands vierter Reiter, Carsten-Otto Nagel (Wedel), war zum Finale gar nicht mehr angetreten.

"Es macht keinen Sinn mehr", sagte der 50-Jährige, der nach drei Wertungsprüfungen abgeschlagen auf Rang 25 lag.

"Da schone ich lieber meine Stute", erklärte Nagel, für den Herning vielleicht das vorerst letzte Championat war.

Sein Top-Pferd Corradina ist bereits 15 Jahre alt, im Kampf um ein Ticket für die WM im kommenden Jahr wird es schwer für das Paar.

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