Helen Langehanenberg holt bei Olympia 2012 Silber mit der Mannschaft © imago

Langehanenberg verpasst nach einem Aussetzer ihr zweites EM-Gold - tröstet sich aber mit Silber. Auch andere Favoriten patzen.

Herning - Nach einem Aussetzer der besonderen Art hat Helen Langehanenberg bei der Dressur-EM im Special den Kampf um Gold verloren.

Die 31-Jährige verritt sich.

"Ich bin auch nur ein Mensch, und Menschen machen Fehler. Ich war so konzentriert, dann ist es plötzlich passiert", sagte Deutschlands beste Reiterin, die trotzdem noch hinter der Britin Charlotte Dujardin mit Vallegro (85,699) Silber holte.

"Bin so, wie ich bin"

"Ich habe es verwechselt mit dem Grand Prix. Dort geht es diagonal weiter", sagte die Reiterin aus Billerbeck: "Dami trifft keine Schuld. Ich habe ihm ja gesagt, er soll diagonal gehen. Aber es ist so, wie es ist. Und ich bin so, wie ich bin", sagte Langehanenberg über ihr Missgeschick.

Was war passiert? Die 31-Jährige hatte sich plötzlich zum Ende ihrer Vorstellung vertan, schickte Damon Hill im starken Trab nicht auf den geraden Weg, sondern diagonal übers Feld.

Tag der Patzer

Die 5000 Besucher verabschiedeten die Team-Europameisterin mit großem Applaus aus der Arena. Im Einritt tröstete sie Bundestrainerin Monica Theodorescu. Von dort beobachtete sie den Ritt von Olympiasiegerin Dujardin, die sich ebenfalls verritt.

Statt der vorgeschriebenen Zweier-Wechsel zeigte die Britin Traversalen. "Halleluja! Heute ist der Tag des Verreitens", rief Langehanenberg. Später zeigte sogar noch die Drittplatzierte Adelinde Cornelissen (Niederlande/81,548) mit Parzival den gleichen Fehler wie Dujardin.

Olympiasiegerin Dujardin konnte mit ihrem Missgeschick am Ende gut leben. "Als ich zum Stadion kam, hörte ich zurerst, Patrick Kittel habe sich verritten. Dann war es Helen. Und plötzlich passierte es auch mir. Da war ein Riesenlärm im Stadion", schildert Dujardin den Moment. Langehanenberg nahm auch ihren Fauxpas leichter:

"Zuerst war es ein dummer Fehler. Doch als ich hörte, dass es den anderen auch passierte, fand ich es witzig."

Sprehe mit großer Steigerung

Stark verbessert präsentierte sich indes Kristina Sprehe (79,345), die am Vortag mit Desperados im Nationenpreis noch große Unsicherheiten verraten hatte. Im Special landete sie auf Rang fünf.

"Ich bin erleichtert. Das hat heute richtig Spaß gemacht", sagte die Studentin aus dem niedersächsischen Dinklage. "Ich habe Desperados kerniger abgeritten, nicht mehr so brav. Das hat wohl den Ausschlag gegeben", sagte Sprehe.

"Tina war heute viel besser drauf. Das Pferd war ruhig und zufrieden", sagte auch Theodorescu, die sich nach dem Fauxpas im Grand Prix extra viel Zeit für die Betreung der 26-Jährigen genommen hatte.

Werth scheidet aus

Einen Rückschlag erlebte Isabell Werth. Die fünfmalige Olympiasiegerin aus Rheinberg erlaubte sich mit dem zwölf Jahre alten Wallach Don Johnson gleich mehrere Patzer und landete mit 71,890 Prozent auf Rang 20.

"Jeder Tag ist Fischtag, jeder Tag ist aber nicht Fangtag", sagte Werth humorvoll. "Das ist schade. Beim Übergang in die Piaffe haben wir den Rhythmus verloren", meinte die 44-Jährige.

Weil sie die geringste Punktzahl im deutschen Quartett aufwies, schied die Juristin vom Niederrhein aus. Im Kür-Finale am Sonntag dürfen pro Nation nur drei Paare starten.

Newcomerin glänzt

Nutznießerin der Werthschen Schwächephase war Debütantin Fabienne Lütkemeier. Die Newcomerin aus Paderborn zeigte mit dem zwölf Jahre alten Hengst Desperados eine starke Vorstellung und erzielte eine persönliche Bestmarke (75,818).

"Super, heute hat alles geklappt", sagte die 23-Jährige. A

uch Theodorescu war aus dem Häuschen: "Spitze, Fabi hat das ganz toll gemacht. Sie hat in diesen Tagen schon wieder so viel gelernt und das gleich umgesetzt. Phänomenal."

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