Das deutsche Dressur-Team um Helen Langehanenberg (r.) gewinnt den EM-Titel © getty

Die deutsche Dressur-Equipe gewinnt erstmals seit 2005 wieder den Titel. Eine hat doppelten Grund zur Freude, eine hadert.

Herning - Als Helen Langehanenberg auf der Mittellinie zum Stehen kam, brandete ein Riesenlärm in der MCH-Arena auf.

Die deutsche Fan-Gruppe stieß einen kollektiven Jubelschrei aus, ihre Teamkolleginnen konnten die Tränen nicht zurückhalten.

Deutschlands beste Dressurreiterin hatte mit ihrem Hengst Damon Hill das Unmögliche möglich gemacht.

An ihrem fünften Hochzeitstag sicherte die 31-Jährige dem deutschen Team mit hauchdünnem Vorsprung das erste Gold bei einer Dressur-EM seit 2005.

"Der beste Ritt meines Lebens"

"Das war irre. Es war der beste Ritt meines Lebens. Dami hat mir ein irres Reitgefühl gegeben", sagte Langehanenberg, als sie von ihrem Pferd stieg.

"Ich hatte nicht eine Sekunde das Gefühl, dass es nicht lief. Er hat mit mir gekämpft", meinte die 31-Jährige.

Sie habe schon gewusst, dass es knapp sein könnte, "aber das hat mich nicht unter Druck gesetzt." 83,693 Prozentpunkte hätte sie für einen Sieg erzielen müssen, am Ende holte sie 84,377.

Deutschland siegte mit insgesamt 234,651 Prozentpunkten vor den Niederlanden (233,967) sowie Olympiasieger und Titelverteidiger Großbritannien (233,540).

Das "Wunder" ist geschafft

"Das ist wahnsinnig. Dieser Triumph ist unheimlich wichtig für das Dressurreiten in Deutschland", sagte Isabell Werth.

Die fünfmalige Olympiasiegerin aus Rheinberg gehörte mit Don Johnson zum siegreichen Team und feierte ihr 16. Teamgold bei Championaten (Olympia, WM und EM).

"Wir haben gezeigt, dass wir da sind, wenn es knapp wird. Nach einem 0:3 haben wir das Wunder noch geschafft", jubelte Sportchef Dennis Peiler von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN.

Nur die Teamwertung zählt

Langehanenberg wusste gar nicht wohin mit ihrem Glück.

"Heute ist mein fünfter Hochzeitstag. Ein irrer Tag", sagte die zierliche Reiterin etwas verlegen.

Mit ihren starken Vorstellung unterstrich die Weltcupsiegerin auch ihre Ansprüche auf eine Top-Platzierung für die Einzelentscheidungen in Special am Freitag und in der Kür am Sonntag.

Da störte es auch nicht, dass sie hinter der britischen Doppel-Olympiasiegerin Charlotte Dujardin (85,942) mit Valegro nur das zweitbeste Einzelergebnis holte.

Wichtig an diesem Tag war einfach nur, dass man die Teamwertung gewonnen hatte.

Langehanenberg glücklich - Sprehe patzt

"Ich bin total happy, dass Helen es noch gedreht hat", sagte Teamgefährtin Kristina Sprehe (Dinklage), die den Kampf um Gold zuvor ungewollt spannend gemacht hat.

Nachdem Werth und Debütantin Fabienne Lütkemeier (Paderborn) mit D'Agostino das deutsche Team am ersten Tag in Führung gebracht hatten, patzte Sprehe mit Desperados als dritte Reiterin mehrmals bei den Piaffen und kam nur auf 75,061 Prozent.

Sprehe brauchte anschließend viel Trost.

"Sie wird sich schnell wieder berappeln. Sie jammert nicht herum, ist sehr realistisch", sagte Bundestrainerin Monica Theodorescu, die bei ihrer ersten EM als Chef-Trainerin gleich Gold holte.

Sprehe selbst fand nach einiger Zeit eine Erklärung für das Missgeschick: "Die Spannung war zu groß. Die Atmosphäre in dem großen Stadion war meinem Pferd fremd."

Erstes Gold seit Olympia 2008

Am Ende lagen sich alle Reiterinnen überglücklich in den Armen.

"Heute wird gefeiert", kündigte Werth an. In diesem Moment fühlte sich das deutsche Dressur-Lager von Zenternlasten befreit.

Seit Olympia 2008 in Honkong hatte die stolze Pferdenation kein Gold mehr bei einem Championat gewonnen, in den letzten Jahren musste man sich regelmäßig den Niederländern und den Briten geschlagen geben.

Dazu kamen Spott und Hohn, den der Fall um das angebliche Wunderpferd Totilas ausgelöst hatte.

Doch in Herning standen die deutschen Reiter wieder ganz oben auf dem Treppchen.

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