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Nächster Fehltritt des einstigen Radstars Jan Ullrich: Der Tour-de-France-Sieger von 1997 hat in seiner Wahlheimat Schweiz unter Alkoholeinfluss erneut einen Autounfall verursacht.

Zwei Personen wurden bei dem Crash in Mattwil im Schweizer Kanton Thurgau verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden, Ullrich selbst blieb unversehrt.

"Es ist unverzeihlich, dass ich mich unter Alkoholeinfluss ans Steuer gesetzt habe", schrieb Ullrich am Mittwochnachmittag auf seiner Facebook-Seite, "das war ein Riesenfehler, den ich zutiefst bereue."

Noch unmittelbar nach dem Crash hatte er dementiert, dass Alkohol im Spiel gewesen sei. Später dann die Einsicht.

"Die Konsequenzen muss und werde ich tragen; wie diese aussehen werden, kann man natürlich noch nicht sagen, mein Führerschein wurde vorerst einbehalten", schrieb Ullrich weiter.

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Die Kantonspolizei in Thurgau hatte berichtet, dass der Fahrer vor der Kreuzung nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte und mit seinem Auto ins Heck eines Fahrzeugs geprallt war, das sich vor dem Stoppsignal befand.

Im Polizeibericht hieß es weiter: "Weil beim unverletzten Unfallverursacher ein Atemlufttest mit rund 1,4 Promille positiv ausfiel, wurden eine Blut- und Urinprobe angeordnet sowie der Führerausweis eingezogen.

Der Sachschaden ist mehrere zehntausend Franken groß."

Jan Ullrich selbst hatte sich zuvor in der Schweizer Zeitung Blick zu Wort gemeldet: "Es tut mir leid. Gott sei Dank gab es keine Toten. Ich war im Stress, kam von einem Termin und wollte so schnell wie möglich heim".

Er sei ein glücklich verheirateter Familienvater, dem so etwas einfach nicht passieren dürfe, so Ullrich, "ich bin schockiert und traurig über die Situation, in die ich meine Familie und alle Beteiligten gebracht habe. Bei allen Unfallbeteiligten werde ich mich selbstverständlich persönlich entschuldigen."

Nach eigener Schätzung war er etwa 20 km/h zu schnell.

Ullrich, der im Schweizer Scherzingen am Bodensee lebt, hatte sich nach dem Unfall noch uneinsichtig gezeigt und lapidar erklärt: "Mein Gott, das kann jedem mal passieren."

Ullrich aber bereits zum zweiten Mal. Bereits im Frühjahr 2002 hatte der überführte Dopingsünder in Freiburg unter Alkoholeinfluss einen Autounfall verursacht.

Wenige Monate später wurde der damalige Telekom-Fahrer während eines Aufenthalts in einer Rehabilitationsklinik positiv auf Amphetamine getestet und für ein halbes Jahr gesperrt.

Sportlich bekam Ullrich noch einmal die Kurve, setzte 2003 im Trikot des Bianchi-Rennstalls als knapp geschlagener Tour-Zweiter ein letztes sportliches Ausrufezeichen.

Nach dem Abschied seines langjährigen großen Rivalen Lance Armstrong, dem die sieben Tour-Siege in Folge nach einer Dopingbeichte jedoch wieder aberkannt wurden, wollte es Ullrich 2006 ein letztes Mal wissen.

Doch das Aufkommen der Fuentes-Dopingaffäre kurz vor dem Tour-Start führte zu seinem unfreiwilligen Karriereende.

Im August 2010 erklärte der dreifache Familienvater Ullrich, am Burnout-Syndrom zu leiden.

Ende 2010 gab er an, wieder gesund zu sein. Nachdem er jahrelang beteuert hatte, "nie jemanden betrogen" zu haben, wurde Ullrich 2012 aufgrund der drückenden Beweislast durch den Internationalen Sportsgerichtshof CAS doch als Dopingsünder verurteilt.

Nun der Unfall. Das gefallene Radsportidol sucht weiter nach der persönlichen Ideallinie.

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