Radprofi Stefan Schumacher hat nach den Rückschlägen der vergangenen Wochen einen Teilerfolg im Betrugsprozess vor dem Stuttgarter Landgericht verbucht.

Am 15. Verhandlungstag legte die Aussage eines Zeugen die Vermutung nahe, dass es im ehemaligen Gerolsteiner-Rennstall von Ex-Teamchef Hans-Michael Holczer doch systematisches Doping gegeben haben könnte.

Sollte die 16. Große Strafkammer bei ihrem Ende Oktober erwarteten Urteil von dieser Annahme ausgehen, könnte Schumacher mit einem Freispruch rechnen.

Der Sohn des früheren Gerolsteiner Logistik-Leiters Peter R. schilderte Vorkommnisse rund um die Tour de France im Jahr 2007.

Demnach mussten Markus R. und sein Vater einen versiegelten Mediziner-Koffer auf Anweisung von Holczers Ehefrau Renate zur laufenden Rundfahrt nach Frankreich bringen.

Zudem weckten Vorgänge im Mannschaftshotel das Misstrauen des heute 43-Jährigen.

"Ich fragte mich, was wir da wohl transportieren und warum das jetzt nach Frankreich muss. Mir kam das äußerst komisch vor, denn ich wusste ja um die Doping-Problematik im Radsport. Es war meinem Vater und mir unangenehm", sagte der Zeuge.

Markus R. gab zudem zu Protokoll, er habe im Teamhotel einen Vorgang beobachtet, der bei ihm die Vermutung hervorgerufen habe, dass hier gerade gedopt werde: "Da stand ein Fahrer eines anderen Teams um kurz vor Mitternacht vor dem Hotelzimmer eines Gerolsteiner-Arztes. Mir war klar, dass der da jetzt keine Massage bekommt."

Bei den zurückliegenden Verhandlungstagen hatten die früheren Teamärzte Ernst J., Achim S. und Mark S. allesamt erklärt, dass sie die Profis nie mit Dopingmitteln versorgt hätten.

Diese Aussagen stehen im Gegensatz zu den Schilderungen Schumachers, die von seinem Ex-Teamkollegen David Kopp gestützt werden.

Laut Schumacher hatten die Mediziner eine Schlüsselrolle im vermeintlichen Doping-System innerhalb des einstigen ProTour-Teams inne.

Weiterlesen