Der Betrugsprozess gegen Stefan Schumacher tritt auf der Stelle. Am 14. Verhandlungstag sagte der frühere Teamarzt Ernst J. erneut vor dem Stuttgarter Landgericht aus, dass er die Profis des ehemaligen Gerolsteiner-Rennstalls nicht mit Dopingmitteln versorgt habe.

Dasselbe hatten bereits die Mediziner Achim S. und Mark S. im Lauf des bisherigen Prozesses erklärt. Auch J. selbst hatte dies bei seiner ersten Vernehmung schon zu Protokoll gegeben. Die drei Ärzte haben damit die Position Schumachers geschwächt.

"Ich habe vor der Zusammenarbeit mit dem Team Gerolsteiner klar gesagt, dass ich niemand sein kann, der Doping betreibt. Die Zusammenarbeit war eindeutig im Sinne dieser Anti-Doping-Konzeption", sagte J. vor der 16. Großen Strafkammer.

Diese Aussage steht im Gegensatz zu den Schilderungen Schumachers, die von seinem Ex-Teamkollegen David Kopp gestützt wurden. Laut Schumacher hatten die Mediziner eine Schlüsselrolle im vermeintlichen Doping-System innerhalb des einstigen ProTour-Teams inne.

Die Schlussfolgerung von Schumachers Verteidigung ist deshalb: Wenn die Ärzte von allem gewusst und das Doping sogar initiiert haben, kann der angeblich betrogene Ex-Teamchef Hans-Michael Holczer nicht außen vor gewesen sein.

Dieser hat aber jede Mitwisserschaft an den Praktiken des inzwischen geständigen Dopingsünders Schumachers zurückgewiesen.

Aus diesem Grund wirft die Staatsanwaltschaft Schumacher vor, Holczer mit systematischem Doping hintergangen und sich mit seinen Verfehlungen laut Anklageschrift einen "rechtswidrigen Vermögensvorteil" (rund 150.000 Euro) erschlichen zu haben.

Schumacher beruft sich darauf, dass Holczer bestens über seine Dopingpraktiken Bescheid gewusst habe und er ihn deshalb nicht betrügen konnte.

Hier gibt's alle News zum Radsport

Weiterlesen