Der dritte Teamarzt, die dritte Zurückweisung der Doping-Vorwürfe: Die Mediziner des ehemaligen Gerolsteiner-Rennstalls haben Radprofi Stefan Schumacher im Betrugsprozess vor dem Stuttgarter Landgericht noch mehr in Bedrängnis gebracht.

Nachdem zuvor bereits Achim S. und Ernst J. bestritten hatten, dass sie die Profis mit Dopingmitteln versorgt hätten, sagte dies auch Mark S. am 13. Verhandlungstag aus.

Sollte die 16. Große Strafkammer den Ärzten glauben schenken, wäre eine Hauptsäule der Schumacher-Verteidigung zusammengebrochen.

"Die Haltung im Team war: Kein Doping. Es gab mir gegenüber auch keinerlei Wünsche in diese Richtung von Profis", sagte S. Der Mediziner gab lediglich zu Protokoll, dass er den Radsportlern mit einem "Grundmisstrauen" gegenüberstand:

"Man denkt ab und zu nach, aber ein Bauchgefühl ist nichts, was bewiesen werden kann. Ich habe mit den Sportlern über die Mittel und ihre Wirkung gesprochen. Für mich galt aber: Nichts kaufen, nichts weiterreichen, nichts verabreichen."

Diese Aussage steht im Gegensatz zu den Schilderungen Schumachers. Laut Schumacher hatten die Mediziner eine Schlüsselrolle im vermeintlichen Doping-System innerhalb des einstigen ProTour-Teams inne.

Die Schlussfolgerung von Schumachers Verteidigung ist deshalb: Wenn die Ärzte von allem gewusst und das Doping sogar initiiert haben, kann der angeblich betrogene Ex-Teamchef Hans-Michael Holczer nicht außen vor gewesen sein.

Dieser hat aber jede Mitwisserschaft an den Praktiken des inzwischen geständigen Dopingsünders Schumachers zurückgewiesen.

Aus diesem Grund wirft die Staatsanwaltschaft Schumacher vor, Holczer mit systematischem Doping hintergangen und sich mit seinen Verfehlungen laut Anklageschrift einen "rechtswidrigen Vermögensvorteil" (rund 150.000 Euro) erschlichen zu haben.

Schumacher beruft sich darauf, dass Holczer bestens über seine Dopingpraktiken Bescheid wusste und er ihn deshalb nicht betrügen konnte.

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