Erst Jens Voigt, nun Jan Ullrich: Der frühere Radprofi Tyler Hamilton hat nach dem Berliner Voigt nun auch seinen einstigen Rivalen Ullrich indirekt des Dopings beschuldigt.

Dem Nachrichtenmagazin "Focus" sagte der Amerikaner, dass er den einzigen deutschen Tour-de-France-Sieger zwar "nie selbst beim Dopen beobachtet" habe, "aber ich schätze, ja, das war so".

Seine Aussage stützt Hamilton auf die Tatsache, dass "nach konservativer Schätzung 80 Prozent" der Fahrer der Frankreich-Rundfahrt gedopt gewesen waren.

Zudem nannte der 41-Jährige den skandalumwobenen gemeinsamen Arzt Eufemiano Fuentes. "Das war bestimmt kein Trainingsarzt, das war ein Dopingarzt", sagte Hamilton.

Der geständige Dopingsünder Hamilton hatte Voigt in der vergangenen Woche in einem Interview mit der dänischen Tageszeitung "B.T." vorgeworfen, in Bezug auf Doping in ihrem damaligen Rennstall CSC (2002 und 2003) nicht die Wahrheit zu sagen, wenn er erkläre, er habe im Team von Bjarne Riis niemals etwas davon mitbekommen.

"Du musst von Blinden umgeben sein, wenn du in deiner 15-jährigen Karriere nie etwas gehört oder gesehen haben willst", hatte Hamilton gesagt. Er glaube definitiv, dass Voigt auch selbst gedopt habe.

Die Schuld für die gravierende Dopingproblematik im Radsport sieht er allerdings nicht nur bei den Fahrern.

So forderte Hamilton die Spitze des Weltverbandes UCI auf, die Verantwortung für die Doping-Geschehnisse der "pechschwarzen Zeit der Jahre 1992 bis mindestens 2004" zu übernehmen. "Um einen Neustart zu beginnen, müssen die UCI und Präsident Pat McQuaid Verantwortung für die Vergangenheit übernehmen. Ein Neustart funktioniert nur mit einer neuen Führung, die am besten nicht aus dem Radsport kommt", sagte Hamilton.

Er hatte im Zuge der Ermittlungen der US-Anti-Doping-Agentur USADA gegen Lance Armstrong auch seinen früheren Teamkollegen scharf angegriffen.

"Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich nie mit dem Blutdoping begonnen. Wir haben das hauptsächlich für ihn gemacht, damit er die Tour gewinnen kann", erklärte Hamilton.

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