Degenkolb gewann 2012 bei der Vuelta fünf Etappen © imago

Der Sprinter tritt bei den Cyclassics in Zabels Fußstapfen. Er will aber für einen anderen Weg stehen als Zabel.

Hamburg - Für eine krachende Party hatte John Degenkolb nach seinem ersten Klassiker-Triumph schlichtweg keine Zeit.

Als der 24-Jährige aus Gera gerade seine letzten Interviews beendet hatte, stand schon der Mann mit dem Mäppchen neben ihm und wippte ungeduldig vor und zurück.

"Ich muss zur Dopingprobe", sagte Degenkolb, der in der Hansestadt als erster deutscher Radprofi nach Erik Zabel (2001) triumphiert hatte.

Degenkolb mit Selbstvertrauen zur WM

Wenig später saß der Sprinter schon im Flieger nach Frankfurt.

Mit im Gepäck hatte er die Gewissheit, dass er auch bei der Weltmeisterschaft im September in Florenz ein gewichtiges Wörtchen mitreden kann.

"Ich habe die Bedeutung meines Sieges nach dem Rennen erstmal gar nicht so richtig realisiert", sagte Degenkolb am Montag.

Erst als er am Hamburger Flughafen mit seinem Manager telefonierte, wurde ihm mehr und mehr bewusst, dass er einen großen Schritt in seiner Karriere geschafft hatte.

Dopingfreier Weg

"Wir treten seit längerem ganz klar nach außen und sagen, dass wir eine neue Generation sind", sagte Degenkolb: "Vor zwölf Jahren hat hier Erik Zabel gewonnen und nun ich. Ich bin froh, dass ich in der heutigen Zeit Radprofi bin und es ist ein ganz besonderes Zeichen, dass ich auf meinem Weg Erfolge verzeichne."

Mit "meinem Weg" meint der Sprinter einen sauberen, dopingfreien.

Während Zabel nach seinem Dopinggeständnis im Juli seinen Posten als Sportdirektor der Cyclassics geräumt hatte, hofft der sympathisch und unverkrampft auftretende Fahrers des niederländischen Teams Argos-Shimano auf eine größere Würdigung der Leistungen der neuen Generation.

"Ich hoffe, dass die Erfolge von Tony Martin, Marcel Kittel und mir in Zukunft noch mehr wahrgenommen werden, nicht nur in den Medien, sondern auch in der Öffentlichkeit", sagte Degenkolb: "Ich werde weiter versuchen, so viele Erfolge wie möglich zu landen und mich dabei so transparent wie möglich zu verhalten, um zu zeigen, dass wir sauber sind."

Kittel und Greipel verzichten auf WM-Start

Welche Fähigkeiten der Giro-Etappensieger besitzt, stellte er bei seinem explosiven Antritt auf der Hamburger Mönckebergstraße unter Beweis.

Degenkolb trat als erster an und hatte den Punch, der dem zweitplatzierten Rostocker Andre Greipel am Sonntag fehlte.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) verfügt mit Degenkolb, Greipel und dem viermaligen Tour-de-France-Etappensieger Kittel inzwischen über einen Fundus an Top-Sprintern - von denen allerdings nur Degenkolb bei der vom 21. bis zum 29. September in Italien stattfindenden WM an den Start gehen wird.

Kittel verzichtete am Montag mit Verweis auf das Streckenprofil, das Sprintern nicht wirklich entgegenkommt.

Und Greipel hatte schon am Sonntag abgewinkt ("der Kurs ist einfach nichts für mich").

"Werde eine Art Joker sein"

"Die WM ist dieses Jahr ein schwerer Kurs", sagte Degenkolb: "Wenn ich fahre - ich habe bisher noch keine offizielle Startzusage bekommen - werde ich nicht der Kapitän sein, sondern eine Art Joker."

Wenn das Rennen am Ende auf einen Sprint zuläuft, werde er sein Möglichstes geben.

Ganz klar, Degenkolb hat in diesem Jahr noch eine Menge vor.

Deshalb hielt er sich am Sonntagabend auch zurück, als es dann doch noch ein Gläschen für den Sieger gab.

"Ich wurde von meiner Frau und meinem Kumpel empfangen und wir haben noch mit einem Bierchen angestoßen, es aber nicht übertrieben. Die Saison ist ja noch lang."

Die richtige Party soll noch folgen.

In der Toskana.

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