2012 wurde John Degenkolb zum Deutschen Radsportler des Jahres gewählt © imago

Der Top-Sprinter setzt sich im Massenspurt durch und gewinnt das Hamburger Cyclassics. Der deutsche Meister wird auf Platz zwei verwiesen.

Hamburg - Radprofi John Degenkolb ist bei den Hamburg Cyclassics in die Fußstapfen von Sprinter-König Erik Zabel getreten: Der 24-Jährige fuhr am Sonntag zum ersten deutschen Sieg seit zwölf Jahren und sorgte damit für eine Fortsetzung des Traumas von Andre Greipel.

Degenkolb vom niederländischen Team Argos-Shimano setzte sich auf den letzten Metern der 246 Kilometer langen Strecke hauchdünn gegen Topfavorit Greipel (Lotto) durch und verwies den gebürtigen Rostocker auf Rang zwei. Bereits 2012 hatte es für Greipel in der Hansestadt nur für den zweiten Rang gereicht.

Kristoff in Schranken gewiesen

"Es ist ein besonderer Sieg für mich", sagte Degenkolb, "als deutscher Fahrer in Hamburg zu gewinnen, ist wunderbar. Es war mein erster Sieg bei einem großen Klassiker. Ich möchte meinem Team danken, denn ich war in einer perfekten Sprintposition."

Im Schlussspurt auf der Mönckebergstraße setzten sich die beiden Deutschen von dem Norweger Alexander Kristoff ab, der letztlich chancenlos Rang drei belegte.

Degenkolb strich eine Prämie von 16..000 Euro ein. Letzter deutscher Sieger beim einzigen verbliebenen deutschen WorldTour-Rennen war 2001 Erik Zabel (Unna) gewesen, der nach seinem Dopinggestädnis im Juli seinen Posten als Sportdirektor der Cyclassics geräumt hatte.

Ausreißer ohne Chance

Ab dem letzten Anstieg beim gefürchteten Waseberg war es immer wieder zu Attacken gekommen, doch die Teams der Topsprinter ließen den Ausreißern wie in den vergangenen Jahren keine Siegchance.

Degenkolb überquerte nach 5:45:16 Stunden die Ziellinie.

"Das ist genau meine Stärke, einen langen Sprint nach einem langen Rennen zu fahren", sagte Degenkolb, der als erster attackiert hatte.

Schwere Beine am Ende

"Der Zweite ist der erster Verlierer", meinte Greipel: "Heute war halt einer schneller. Mir sind am Ende ein wenig die Beine eingeschlafen, aber ich habe mein Bestes gegeben."

Zuvor hatte das Feld knapp 50 Kilometer vor dem Ziel die Lücke geschlossen, die eine Gruppe von vier Fahrern kurz nach dem Startschuss gerissen hatte, und die in der vorletzten Runde 12 weitere Profis aufnahm.

Stets in Schlagdistanz

Zu den Ausreißern gehörten auch die deutschen Jungstars Michael Schwarzmann und Julian Kern, die am Ende chancenlos waren.

Das Feld, das den Ausreißern zwischenzeitlich mehr als acht Minuten Vorsprung gewährt hatte, blieb immer in Schlagdistanz.

Die deutschen Topsprinter, zu denen auch Gerald Ciolek (21. /MTN-Qhubeka) gehört, wähnten sich nach dem Zusammenschluss ebenso gut postiert wie der französische Vorjahressieger Arnaud Demare (FDJeux) oder der norwegische Olympiadritte Kristoff (Katjuscha), die dem Favoritenkreis angehörten.

Greipels Sieghoffnungen

Insbesondere Greipel hatte sich vor dem Start große Hoffnungen auf einen Sieg gemacht.

"Die Cyclassics gehören zu den Eintagesrennen, die ich gewinnen kann und die Strecke liegt mir", hatte der 31-Jährige gesagt: "Das Szenario ist immer das gleiche. Eine Ausreißergruppe formiert sich und dann liegt es an uns, Verantwortung zu übernehmen."

Die Prognose des gebürtigen Rostockers, der in der vergangenen Woche eine Etappe auf der Eneco-Tour gewonnen hatte, bewahrheitete sich schnell.

Doch seine Sieghoffnungen erfüllten sich nicht.

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