Tony Martin ist aktuell Weltmeister im Einzelzeitfahren und im Mannschaftszeitfahren © getty

Am Samstag beginnt die 68. Spanien-Rundfahrt. Martin nutzt die Vuelta zum Formaufbau, zwei Spanier visieren den Sieg an.

Vilanova de Arousa/München - Ein Andenken an den schlimmen Sturz bei der Tour de France ziert immer noch seinen Ellenbogen, doch Tony Martin ist schon jetzt heiß auf die Straßenrad-WM im September.

Wenn der Zeitfahr-Weltmeister ab Samstag die 68. Spanien-Rundfahrt (24. August bis 15. September) in Angriff nimmt, kreisen seine Gedanken nur um den möglichen Titel-Hattrick in seiner Paradedisziplin.

"Das ist ein richtiges Highlight zum Saisonende, ein richtiger Showdown. Das motiviert mich noch mal extra", sagte der 28-Jährige nach der Ankunft auf der iberischen Halbinsel.

Bewährter Formaufbau

Den Formaufbau über die Vuelta wählt der gebürtige Cottbuser nun bereits zum dritten Mal in Folge. Martin hat damit glänzende Erfahrungen gemacht, denn in den vergangenen beiden Jahren folgten seine ersten beiden Zeitfahr-WM-Titel.

"Über die Vuelta", sagt der Profi vom belgischen Quick-Step-Team, "habe ich alle Freiheiten. Zwischen intensiv oder auch mal rausnehmen kann man alles machen. Für mich ist das optimal, das hat in der Vergangenheit super gepasst."

Keine Probleme nach Tour-Verletzungen

Und bei Kräften ist Martin auch wieder. Nach der Jubiläumstour, die für ihn nach dem üblen Unfall auf Korsika eine wirkliche Tour der Leiden war und durch den Etappensieg am Mont Saint-Michel noch eine versöhnliche Wendung nahm, hat er sich richtig erholen können:

"Ich war fünf Wochen zu Hause, hatte mal keinen Reisestress. Das hat mir auch im Hinblick auf die WM gut getan." Zudem war Zeit, die Wunde am Ellenbogen weiter zu pflegen, aber verheilt ist sie noch nicht ganz.

"Zwei, drei Stellen sind noch am Abklingen", sagt Martin, doch Probleme habe er seit etwa drei Wochen nicht mehr.

WM "das einzige Ziel"

Ob er die Vuelta durchfährt, hat er noch nicht entschieden. Martin will das von der Entwicklung seiner Form und dem Kräftverschleiß abhängig machen. Auch das Einzelzeitfahren der 11. Etappe hat er nicht speziell im Fokus.

Er werde versuchen "stark zu fahren", doch die Bedeutung ist mit Blick auf den Showdown in Florenz nachrangig. "Die WM ist das einzige Ziel für mich", sagt Martin, der dort "endlich wieder" auf London-Olympiasieger Bradley Wiggins (Großbritannien) und Peking-Olympiasieger Fabian Cancellara (Schweiz) trifft.

Spanier in Favoritenrolle

Cancellara wird wie Martin die Vuelta absolvieren, prägen dürften die Rundfahrt jedoch vor allem die einheimischen Kletterer. Mehr als die Hälfte der Etappen sind bergig, selbst die Flachetappen verdienen kaum diesen Namen.

Es ist eine Steilvorlage des Veranstalters unter anderem für den spanischen Tour-Dritten Joaquim Rodriguez (Katjuscha). Der 34-Jährige ist neben Landsmann Alejandro Valverde (Movistar) der heißeste Anwärter auf den Gesamtsieg.

Ihr größter Konkurrent könnte der italienische Giro-Gewinner Vincenzo Nibali (Astana) werden.

Degenkolb lässt Vuelta aus

Aus deutscher Sicht werden Erfolge wie im Vorjahr wohl ausbleiben, als John Degenkolb auf fünf Tagesabschnitten triumphierte. Der 24 Jahre alte Argos-Profi lässt die Vuelta diesmal aus und startet bei den Hamburg Cyclassics am Sonntag.

In den wenigen zu erwartenden Sprints könnte Degenkolbs Teamkollege Nikias Arndt (Buchholz), der sein Debüt bei einer Grand Tour feiert, für eine vordere Platzierung sorgen.

Saison-Höhepunkt für NetApp

In anspruchsvolleren Finals ist dem Rostocker Paul Voss vom deutschen Team NetApp-Endura ein gutes Resultat zuzutrauen.

NetApp, das Fahrer aus sieben Nationen aufbietet, will sich bei seiner zweiten großes Rundfahrt nach dem Giro 2012 wieder offensiv präsentieren. "Die Vuelta ist unser klarer Saison-Höhepunkt. Wir sind die absoluten Außenseiter, aber dennoch streben wir nach einem Etappenerfolg", sagte Teammanager Ralph Denk.

Tony Martin ist das nicht so wichtig, er will wieder Weltmeister werden.

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