2012 wurde Bötticher zum Sportler des Jahres des Chemnitzer Polizeisportvereins gewählt © imago

Der 21-Jährige holt bei der WM im Einzelsprint das 3. Gold für Deutschland. Das BDR-Duo beendet eine fünfjährige Durststrecke.

Minsk/München - Mit Sensationsgold im Sprint und Platz drei im Madison haben die Medaillen-Festspiele der deutschen Bahnradfahrer bei der WM in Minsk ein glänzendes Ende gefunden.

Der erst 21 Jahre alte Stefan Bötticher feierte einen Tag nach Sprint-Silber von Kristina Vogel mit einer taktischen Glanzleistung seinen zweiten Triumph nach dem Erfolg im Teamsprint.

Danach beendeten Henning Bommel und Theo Reinhardt im Zweier-Mannschaftsfahren mit Bronze die fünfjährige deutsche Durststrecke im Ausdauerbereich.

Einzig die Teamsprint-Weltmeisterinnen Kristina Vogel und Miriam Welte benötigten am Sonntag nach Stürzen im Keirin Trost.

Ein Traum geht in Erfüllung

Bötticher, der nach einer Niederlage im Achtelfinale erst über die Hoffnungsrunde weitergekommen war, setzte sich im Einzelsprint in zwei Finalläufen gegen den Russen Denis Dmitrijew durch.

"Momentan ist das schwierig zu realisieren. Es ist ein großer Traum von mir gewesen. Dass es mit 21 Jahren bereits geklappt hat, ist ein unglaubliches Gefühl", sagte Bötticher, der bei der Siegerehrung stolz das Regenbogentrikot präsentierte: "Ich habe dieses Jahr vieles darauf ausgelegt, um hier in Top-Form zu sein. Der Erfolg bestätigt, dass ich alles richtig gemacht habe."

Sprung zu den Profis gelungen

Als Zuschauer und Offizielle in der Halle unmittelbar nach dem knappen zweiten Rennen noch über den Sieger spekulierten, riss der sonst eher ruhige Bötticher bereits die rechte Faust in die Höhe und brüllte seine Freude heraus.

2009 war der Leinefelder Jugend-Vizeweltmeister im Sprint, nun hatte er sich im Profibereich die Krone aufgesetzt.

Im Achtelfinale war Bötticher dem britischen Olympiasieger Jason Kenny unterlegen und musste im Hoffnungslauf um den Einzug ins Viertelfinale kämpfen.

Platz zwei im Medaillenspiegel

Für Erleichterung sorgten Bommel (30/Finsterwalde) und Reinhardt (22/Berlin), die erstmals seit 2008 bei einem Großereignis wieder eine Ausdauer-Medaille für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) einfuhren.

Insgesamt brachte es der BDR in Minsk auf acht Medaillen (dreimal Gold, dreimal Silber, zweimal Bronze) und verbesserte als Nummer zwei der Medaillenwertung hinter den Briten (4-2-2) das Vorjahresergebnis (5) deutlich.

Vogel stürzt im Keirin-Finale

Die Erfolgsbilanz weiter auszubauen verpasste Teamsprint-Olympiasiegerin Kristina Vogel.

Nach Silber im Sprint am Samstag stand die Vorjahresdritte im Keirin-Finale, wurde jedoch in der letzten Kurve auf die blaue Innenbahn des Holzovals gedrängt, verlor die Kontrolle über ihr Rad und stürzte.

Die Erfurterin blieb jedoch bis auf wenige Schrammen unverletzt.

Gold im Teamsprint

Die 22-Jährige lief sichtlich enttäuscht durch die Halle und ließ sich von ihren Betreuern Mut zusprechen.

"Ich habe mich wirklich gut gefühlt und war bereit für eine Medaille, dann ist es aber doof gelaufen. Es ist ärgerlich", sagte Vogel.

Bereits nach ihrem ersten Einzelsprint-Finale bei einer WM, als Vogel in drei Finalläufen gegen die Britin Rebecca James knapp das Nachsehen hatte, war Vogel geknickt.

Vogel, für die es die erste WM-Medaille in dieser Disziplin war, hatte sich am Mittwoch mit Gold geschmückt.

An der Seite ihrer Freundin Miriam Welte (Kaiserslautern) war sie zum zweiten WM-Triumph im Teamsprint gefahren.

Gehirnerschütterung bei Welte

Für Welte nahm die WM ein ähnlich schmerzhaftes Ende.

Die 26-Jährige aus Kaiserslautern stürzte im Keirin-Vorlauf schwer, prallte nach einem Fehler der Chinesin Guo Shuang mit dem Kopf auf das Holzoval und musste mit einer Trage aus der Halle gebracht werden.

Einer ersten Diagnose zufolge erlitt Welte eine Gehirnerschütterung. Ob auch ihre Hüfte in Mitleidenschaft gezogen wurde, soll eine Kernspintomographie am Dienstag ergeben.

Welte hatte in Minsk Gold im Teamsprint und Silber im nichtolympischen 500-m-Zeitfahren gewonnen.

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