Maximilian Levy (l.) gewann 2012 bei Olympia Silber im Keirin © getty

Der Deutsche muss sich im Keirin nur haarscharf dem britischen Sprint-Olympiasieger beugen. Der Briten-Fluch wurmt ihn.

Minsk - Zum zweiten Gold fehlten Maximilian Levy nur ein paar Zentimeter.

Sprint-Olympiasieger Jason Kenny entriss dem 25 Jahre alten Berliner nach dessen Sieg im Teamsprint den möglichen zweiten Titel bei der Bahnrad-WM in Minsk.

Der Favorit verpasste es damit, zum zweiten Mal nach 2009 Weltmeister im Keirin zu werden. Wie bei Olympia in London blieb Levy nur die Silbermedaille, das insgesamt fünfte Edelmetall für den Bund Deutscher Radfahrer in Weißrussland.

Hoy-Abwesenheit nützt nichts

Dabei war Levy gerade die Abwesenheit des britischen Superstars Chris Hoy entgegengekommen, der ihn im Vorjahr sowohl bei der WM als auch in London knapp geschlagen hatte.

Noch in den Vorläufen war Levy eindrucksvoll aufgetreten und hatte kaum Zweifel an seiner Stärke aufkommen lassen.

Kenny war indes nur dank der Disqualifikation des Franzosen Francois Pervis überhaupt ins Finale gekommen, in dem Stefan Bötticher Sechster wurde.

Genickt, aber "stolz"

"Ich bin stolz auf die Medaille, das nehme ich mit", sagte Levy, der aber doch zunächst ziemlich geknickt war. Besonders, dass erneut ein Brite schneller war, wurmte ihn.

"Ich gebe zu, das dritte Mal in so kurzer Zeit von einem Briten abgefangen zu werden, ist ganz schön viel des Guten. Aber Kenny ist nicht ohne Grund Olympiasieger im Sprint."

Am Vorabend, nach dem Erfolg im Teamsprint, hatte sich Levy selbstbewusst gegeben und einen Angriff auf das Regenbogentrikot angekündigt.

Bundestrainer Uibel lobt

Zudem war auch Bundestrainer Detlef Uibel voll des Lobes über die Verfassung seines renommiertesten Sprinters. Er sei "wieder heiß", es sei "wieder Saft" da, hatte Uibel gesagt.

Levy hatte sich nach Olympia eine schöpferische Pause gegönnt und auf alle drei Weltcups vor der WM verzichtet.

Stattdessen trainierte er individuell mit seinem Coach Eyk Pokorny und sammelte frische Kräfte für den Weg zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio. Bundestrainer Uibel hatte ihm dennoch eine Startgarantie für Minsk gegeben.

"Meine Zeiten waren im Januar noch nie so gut", sagte Levy dann vor Beginn der Titelkämpfe voller Optimismus. Im Kampfsprint, seiner wohl stärksten Disziplin, wollte Levy sich auch nicht vom "Feilschen um sein Hinterrad", wie er es nannte, beeindrucken lassen. Das klappte nicht ganz.

Hoffnung Vogel

Vielleicht macht es Teamsprint-Olympiasiegerin Kristina Vogel am Samstag noch einen Tick besser.

Im Sprint hat sie die Chance auf eine weitere Medaille. Die 22-Jährige qualifizierte sich am Freitag für das Halbfinale und trifft dort auf die Weltmeisterin im 500-m-Zeitfahren, Lee Wai-Sze aus Hongkong.

"Habe Blut geleckt"

"Ich kenne Lee aus vielen Rennen. Sie ist stark drauf. Aber ich habe Blut geleckt und will noch eine Medaille", sagte Vogel. Am Mittwoch hatte Vogel gemeinsam mit ihrer Partnerin Miriam Welte, die im Sprint im Hoffnungslauf scheiterte, den WM-Titel im Teamsprint erfolgreich verteidigt.

Im Punktefahren der Männer kam Henning Bommel aus Finsterwalde unterdessen auf einen ordentlichen siebten Platz.

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